Porträt

Mit zusammengebissenen Zähnen

Bekannt wurde Parodist Wolfgang Krebs als Double von Edmund Stoiber, nun übt er schon Horst Seehofer.

Und mögen die CSU-Ministerpräsidenten auch fallen wie die Dominosteine, ihn bringt das nicht aus der Ruhe. Dann studiert Wolfgang Krebs eben einen neuen ein. Derzeit probt er Horst Seehofer, aber der tritt in der Interpretation des Parodisten vorerst noch nicht ins Licht der Öffentlichkeit. „Er ist ja noch nicht einmal im Amt“, bittet der 42-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung um Geduld. Es gelte nun, den „idealen Zeitpunkt“ zu finden. Außerdem sei auch die passende „Maske“ noch in Arbeit.

Aber auch ohne Seehofer-Parodie ist Krebs alles andere als arbeitslos. Zwar sei sein Günther Beckstein nun nicht mehr so gefragt, dafür erlebe sein Edmund Stoiber eine wahre Renaissance, freut sich das Double: „Die Sehnsucht ist groß!“ Mit seiner „Stoiberschau“ tourt Krebs durch den Freistaat, bis zu 150 Auftritte absolviert er im Jahr zusammen mit seinem Bühnenpartner Sepp Müller, der in der Show Stoibers „Büroleiter“ Sepp Müller mimt.

Auch als satirischen „Rausschmeißer“ des Magazins „Quer“ im Bayerischen Fernsehen (immer donnerstags um 20.15 Uhr) ist der „Ähdmund“ längst wieder in Amt und Würden. Moderator Christoph Süß und die Redaktion freuen sich über einen „ständigen Ehren-Übervater von zeitlosem kabarettistischen Wert“.

Einstweilen übt Krebs, der auch im Radio sehr gefragt ist, den Mann aus Ingolstadt, den fast schon verlorenen Sohn der CSU, hört ausdauernd CDs mit dessen Stimme und spricht sie nach. „Dunkel wie die von Strauß, aber mit gerolltem ,r‘ und immer mit zusammengebissenen Zähnen“, beschreibt der Parodist sein „Opfer“ und gibt schon einmal eine kleine Kostprobe. Außerdem betone Seehofer besonders viele Wörter auf der ersten Silbe, „also beispielsweise ,bislang‘ statt ,bislang‘“.

Dass nun der Noch-Bundeslandwirtschaftsminister neuer Landesvater werde, sei ihm – aus Sicht des Stimmenimitators – ganz recht, so Krebs. Sowohl Joachim Herrmann als auch Thomas Goppel seien „bedeutend schwieriger“, Georg Schmid wäre dagegen schon eher ein „Heimspiel“ gewesen, schließlich lebt Krebs mit seiner Familie in Kaufbeuren im Allgäu und hat längst auch diese Farbe „drauf“.

Aber auch Seehofers Herkunft „aus der Mitte des Freistaats“ ist Krebs sympathisch, schließlich tauge er so als Integrationsfigur. Während der gut einjährigen Amtszeit Becksteins, so hat der Kabarettist festgestellt, hätten sich tiefe Gräben zwischen Altbayern und Franken gebildet. Die gelte es jetzt wieder zuzuschütten. Als Sohn eines oberfränkischen Vaters und einer oberbayerischen Mutter liegt ihm die Einheit Bayerns besonders am Herzen.

Von Fans der jeweiligen Politiker angefeindet wurde Wolfgang Krebs in den vier Jahren seines öffentlichen Wirkens noch nie, was er darauf zurückführt, dass er seine parodistische Arbeit „anständig“ mache. „Ich habe durchaus Respekt vor dem, was Politiker leisten“, sagt er. Da überrascht es nicht mehr, dass ihm sowohl Edmund Stoiber als auch Günther Beckstein fast freundschaftlich verbunden sind.

Sogar von einer Kandidatur für den nächsten Deutschen Bundestag wurde in Kaufbeuren schon gemunkelt. Er werde antreten, wenn man ihn rufe, sagt Krebs lachend, womöglich sei das sogar im Sinne „Ähdmunds“. Der habe ja auch immer einmal nach Berlin gehen wollen.

von Rudolf Ogiermann

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