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Gedenkmarsch für Boris Nemzow: Auch der Oppositionspolitiker Alexej Nawalny nahm teil.

Zwei Jahre nach dem Mord

Tausende Russen demonstrieren im Gedenken an ermordeten Nemzow

Moskau - Russlands Opposition ist zersplittert, doch im Gedenken an den erschossenen Putin-Kritiker Nemzow vereint. Eine Kundgebung bringt in Moskau Tausende Menschen auf die Straßen. Viele sind sich der Schwäche der Kremlgegner bewusst.

In einer seltenen Protestaktion in Moskau haben Tausende Oppositionelle gegen die russische Regierung demonstriert. Mit Fotos erinnerten die Teilnehmer des Gedenkmarsches am Sonntag an den ermordeten Politiker Boris Nemzow. „Russland ohne Putin“, skandierte die Menge im Protest gegen Präsident Wladimir Putin. Ein Mann wurde festgenommen, nachdem er dem Chef der Oppositionspartei Parnas, Michail Kasjanow, einen Farbbeutel ins Gesicht geschleudert hatte. Kasjanow setzte den Marsch mit grüner Farbe im Gesicht fort.

Gedenkmarsch für Boris Nemzow: Auch der Oppositionspolitiker Alexej Nawalny nahm teil.

Die Veranstalter sprachen von rund 15 000 Teilnehmern, die Polizei meldete rund 5000 Menschen. Sicherheitskräfte riegelten die Demonstration weitgehend ab und kontrollierten die Teilnehmer mit Metalldetektoren. Zuletzt hatte es vor einem Jahr eine große Oppositionskundgebung aus demselben Anlass gegeben.

Nemzow war am 27. Februar 2015 in Sichtweite des Kremls erschossen worden. Die Tat löste international Bestürzung aus. Die Anklage geht von einem Auftragsmord aus. Gegen fünf Tatverdächtige läuft ein Prozess. Nemzows Anhänger vermuten die Hintermänner aber in der Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus oder gar im Kreml selbst.

Demonstrationen der Opposition sind selten geworden

„Zeit für Wandel“, stand auf einem Plakat, dass Wladimir (37) vor sich her trug. „Vielleicht bewirken wir mit solchen Aktionen ja eine Veränderung“, meinte er. „Vielleicht aber auch nicht. Demonstrationen der Opposition sind selten geworden. Wir kommen nur noch zu traurigen Anlässen wie heute auf die Straßen“, sagte Wladimir.

Ein Jahr vor der Präsidentenwahl glauben wenige an einen Umbruch. Präsident Putin hat noch nicht gesagt, ob er wieder antreten wird, aber alle gehen davon aus. Andere Bewerber gelten als chancenlos.

Auch in mehreren anderen Städten, unter anderem in St. Petersburg und in der Wolgastadt Jaroslawl, gab es kleinere Gedenkmärsche. Nach Polizeiangaben verliefen die Kundgebungen friedlich.

Zugleich kam im fernen Sibirien der oppositionelle Aktivist Ildar Dadin mit Verzögerung aus dem Gefängnis frei. Das Oberste Gericht hatte am Mittwoch seine Entlassung veranlasst. Dadin war 2015 zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden, nachdem er mehrfach an nicht genehmigten Demonstrationen teilgenommen hatte.

Der Politologe Gleb Pawlowski brachte die Verzögerung mit den Nemzow-Kundgebungen in Verbindung. „Das war, damit Dadin nicht zum Marsch nach Moskau kommt“, schrieb er bei Facebook. Wäre Dadin dort aufgetreten, hätte er eine oppositionelle Bühne gehabt.

dpa

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