+
Die Regionalwahlen waren die letzte landesweite Entscheidung vor der Präsidentschaftswahl 2017.

Basis deutlich verbreitert

Rechtsextremer Front National: Verloren und doch gewonnen

Paris - Hinter der Niederlage steckt ein Erfolg. Frankreichs Rechtsextreme gewinnen zwar in keiner einzigen Region, können aber ihre Basis deutlich verbreitern. Die Regierung will mal wieder mit schnellem Handeln reagieren.

Auch ohne eigene Präsidenten in den Regionen geht die rechtsextreme Front National gestärkt aus den Regionalwahlen in Frankreich hervor. Die Partei unter der Vorsitzenden Marine Le Pen konnte mit mehr Wählerstimmen denn je die Zahl ihrer Mandate verdreifachen.

Im zweiten Wahlgang am Sonntag entfielen rund 6,8 Millionen Stimmen auf die Partei von Le Pen, wie Zahlen des Innenministeriums vom Montag ergaben. Das sind etwa 400 000 Wähler mehr als beim bisher besten Ergebnis, der Präsidentschaftswahl 2012.

Der Erfolg wird noch verstärkt wenn man auf die Beteiligung schaut: Sie lag am Sonntag mit 58,7 Prozent gut 20 Punkte unter der von 2012.

Die Front National kommt nach der Abstimmung in den Regionen nun auf 358 Sitze statt der bisherigen 118. Stärkste Kraft wurde sie jedoch bei keiner Entscheidung, nachdem sie eine Woche zuvor noch in sechs Regionen vorn gelegen hatte.

Im zweiten Wahlgang lag das konservative Bündnis um die Republikaner von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy mit 40,2 Prozent vorn. Die Sozialisten von Staatschef François Hollande, die in zwei Regionen nicht antraten, kamen mit verbündeten Parteien auf 28,9 Prozent. Die Front National errang 27,1 Prozent, nachdem sie in der Vorwoche mit 27,7 Prozent ein neues Rekordergebnis auf Landesebene beim Anteil der Stimmen erzielt hatte.

Wie nach anderen Niederlagen zuvor schon kündigte die sozialistische Regierung Reaktionen an. Premierminister Manuel Valls sprach davon, es müsse „schneller gehandelt werden, um schneller Ergebnisse zu bekommen“. Als Beispiele nannte Valls Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und die Ausbildung junger Menschen. Nach unbestätigten Medienberichten vom Montag bereitet die Regierung bei der Beschäftigung verschiedene Maßnahmen vor, die „schnell“ umgesetzt werden sollten.

Nach der Wahl zeichneten sich auch personelle Konsequenzen ab. Der im Großraum Paris unterlegene Sozialist Claude Bartolone stellte seinen Posten als Präsident der Nationalversammlung zur Verfügung.

Die Sarkozy-Vize Nathalie Kosciusko-Morizet soll von Januar an nicht mehr zur Parteispitze gehören. Sie hatte Sarkozys Position kritisiert, der eine Zusammenarbeit mit den Sozialisten zur Verhinderung von FN-Erfolgen kategorisch abgelehnt hatte.

Zunächst im Amt bleibt Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian. Der Sieger in der Bretagne führt für Frankreich verschiedene Kriege gegen Terroristen, unter anderem in Mali, Syrien und im Irak.

Dieser Artikel vom 7. Dezember könnte Sie auch interessieren: Was Sie über die rechtsextreme Partei FN wissen müssen

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Türkei verweigert deutschem Wahlbeobachter die Einreise
Der Linken-Abgeordnete Hunko war schon beim Referendum in der Türkei Wahlbeobachter. Anschließend geriet er in die Kritik der Regierung. Nun wollte er für die OSZE …
Türkei verweigert deutschem Wahlbeobachter die Einreise
Telekom Tochter will in Deutschland 6000 Stellen streichen
Die Telekom-Tochter T-Systems, die sich um Großkunden kümmert, will bis 2021 rund 6000 Arbeitsplätze in Deutschland streichen.
Telekom Tochter will in Deutschland 6000 Stellen streichen
„Blind und töricht“: CSU-Mann Waigel warnt vor Trennung der Unionsparteien
Theo Waigel ist Ehrenvorsitzender der CSU. In seinem Gastbeitrag für den Münchner Merkur warnt er vor einer Trennung der Schwesternparteien CDU und CSU.
„Blind und töricht“: CSU-Mann Waigel warnt vor Trennung der Unionsparteien
CDU-Arbeitnehmerflügel droht CSU mit Bayern-CDU
Angesichts der anhaltenden unionsinternen Streitereien hat der CDU-Arbeitnehmerflügel der CSU mit Gründung einer Bayern-CDU gedroht.
CDU-Arbeitnehmerflügel droht CSU mit Bayern-CDU

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.