„Bedient ausschließlich Herren“

Friseur-Aushang zu Flüchtling sorgt für Wirbel - und Hetze im Internet

Ein handgeschriebener Aushang in einem Friseurladen hat am Wochenende eine Welle von Hetze und Hass im Internet gegen Flüchtlinge ausgelöst.

Zwickau - Das Foto eines Friseur-Aushangs hat sich am Wochenende im Netz sehr rasch verbreitet. Auf den Facebook-Post reagierten viele Nutzer besonders heftig. Zu sehen war ein Aushang in einer Friseur-Filiale der Kette Klier in Zwickau, der auf einen Personalengpass hinweisen sollte. Allerdings war die Wortwahl etwas unglücklich. Dass es einen „missverständlichen Aushang gegeben hätte“, räumt die Klier-Geschäftsleitung selbst via Facebook ein.

Auf diesem Facebook-Screenshot ist der Aushang in einer Friseur-Filiale in Zwickau zu sehen.

Doch allein die Tatsache, dass ein syrischer Friseur dort am Nachmittag ausschließlich Herren bedient, ging scheinbar vielen Facebook-Usern gegen den Strich. „In diesem Zeitraum haben wir einen syrischen Herrenfriseur im Salon, der ausschließlich nur Herren bedient“, heißt es auf dem Aushang.

Wie bild.de berichtet, hatte eine Mitarbeiterin des Salon das Schild ins Fenster gestellt. Eine Kundin aus Zwickau hatte ein Foto des Schildes dann auf ihrer Facebookseite gepostet. 

Auf die hässlichen Kommentare und den missverständlichen Aushang reagierte die Geschäftsleitung der Klier-Kette recht schnell via Facebook.

„Die Geschäftsleitung von Frisör Klier bedauert, dass es diesen missverständlichen Aushang gegeben hat. Außerdem wurde der Personalengpass zwischenzeitlich abgestellt. Frisör Klier beschäftigt viele Menschen aus vielen verschiedenen Ländern – darauf sind wir sehr stolz (...)

Bei dem Mitarbeiter in besagtem Salon handelt es sich um einen Herrenfrisör aus Syrien. Das heißt, dass er in seiner Heimat ausschließlich zum Herrenfrisör ausgebildet worden ist. Das macht er perfekt. Aber er hat keine beruflich-fachliche Qualifikation, einen Damen-Haarschnitt auszuführen. 

Folglich bedient er ausschließlich aus diesem Grund nur Herren. Den Unterstellungen, dass es sich um eine religiös motivierte Diskriminierung von Frauen handeln würde, möchten wir entschieden widersprechen. Gleichzeitig entschuldigen wir uns ausdrücklich für das Missverständnis.

Die Geschäftsleitung von Frisör Klier“.

Der Hetze auf Facebook konnten diese Wort keinen Einhalt gebieten.

Ohne Zweifel sind einige Kommentare ein Fall für die Polizei. Auch die Friseurkette behält sich vor, wie in einem aktuellen Post zu lesen ist, Kommentare, bei denen es „eventuell zu Persönlichkeitsrechtsverletzungen, rassistischen Äußerungen, Aufrufen zu Gewalt oder anderen einen Straftatbestand erfüllenden Aussagen gekommen ist oder kommt, zu sichern, zu löschen und zu melden.“

Ob nach diesen deutlichen Worten etwas Ruhe einkehrt?  

Warum wollen viele den Aushang falsch verstehen, fragen immer wieder Leute in den Kommentaren; auch zu diesem Post. Dagegen können andere Nutzer allerdings kaum nachvollziehen, warum das Schild beim Friseur eigentlich genau so formuliert wurde.

Das Internet ist lange kein rechtsfreier Raum mehr. Beleidigungen und Drohungen können auch online richtig teuer werden. Wie diePolizei Hass-Kommentatoren auf die Schliche kommt, lesen Sie bei Merkur.de*.

ml

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

  

Rubriklistenbild: © Via facebook

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