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Blutverschmierte Dokumente und Passbilder vor der Ausgabestelle für Personaldokumente. Foto: Rahmat Gul/AP

IS bekennt sich zu Tat

IS-Anschlag in Kabul: Zahl der Toten steigt auf 52

Der IS tötet Dutzende im kriegszerrissenen Afghanistan: Sie wollten im Oktober bei den Parlaments- und Provinzwahlen ihre Stimme abgeben. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich inmitten der Menschen in die Luft.

Kabul - Bei einem IS-Anschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens 52 Menschen getötet worden. Weitere 112 Personen seien verletzt worden, als eine Bombe an einer Ausgabestelle für Personaldokumente explodierte, sagte der Sprecher des afghanischen Gesundheitsministeriums.

Anschlag auf Kabuls Zentrum für Wählerregestrierung

Die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich über ihr Sprachrohr Amak zu dem Anschlag. Der afghanische Präsident Aschraf Ghani verurteilte den Angriff auf Twitter als "abscheulich".

Am 20. Oktober sollen in Afghanistan ein neues Parlament und neue Provinzräte gewählt werden. In dem Ausgabezentrum, vor dem die Bombe detonierte, können Bürger Ausweise beantragen, die sie für die Teilnahme an den Wahlen benötigen, erklärte der Sprecher des Innenministeriums, Nadschib Danisch.

Die afghanische Regierung hatte solche Zentren landesweit errichtet, um so die Wählerbeteiligung zu erhöhen. Die Ausweise sind Voraussetzung für die Stimmabgabe. Die lange überfällige Wahl sollte eigentlich im Juli stattfinden, wurde aber wegen der Sicherheitslage in dem kriegszerrissenen Land verschoben. Die Präsidentenwahl ist für April 2019 geplant.

Der mit einer Sprengstoffweste ausgestattete Angreifer kam nach Angaben des Innenministeriums zu Fuß zu der Ausweisstelle in einem schiitischen Stadtteil im Westen der afghanischen Hauptstadt. Er habe die Bombe vor dem Zentrum gezündet.

Die sunnitische Terrormiliz IS war in Afghanistan erst Anfang 2015 aufgetaucht und will dort sowie auf pakistanischem Gebiet eine Provinz namens "IS-Chorasan" etablieren. Die afghanische Regierung und die USA haben die Extremisten von Anfang an intensiv bekämpft.

Regelmäßig wird der IS in Afghanistan für so gut wie geschlagen erklärt. Trotzdem gelang es ihm, Attentate - auf Schiiten, aber auch Regierungseinrichtungen - vor allem in der Hauptstadt auszuweiten. Im März etwa reklamierte der IS einen Selbstmordanschlag nahe einer Moschee in Kabul mit mindestens 26 Toten für sich.

Ein Taliban-Sprecher hatte via Twitter erklärt, seine radikalislamische Gruppe stehe nicht hinter dem Anschlag. Die Taliban sind mit Abstand die größte Aufständischen-Gruppe in Afghanistan und kontrollieren derzeit knapp 15 Prozent des Landes. Sie lehnen die afghanische Regierung und Wahlen ab.

Die Sicherheitsbedenken für die Wählerregistrierung und die Wahlen sind groß. Nach Angaben des Chefs der unabhängigen Wahlbeobachtungsorganisation "Freies und Faires Wahlforum" (Fefa), Jusuf Raschid, könnten mehr als 40 Prozent aller Wahllokale für Wähler unzugänglich sein. Nach Fefa-Angaben liegen von rund 7400 Wahllokalen 948 in Gegenden, die von den Taliban kontrolliert werden.

In der afghanischen Provinz Baghlan wurden bei der Explosion einer am Straßenrand deponierten Bombe mindestens fünf Menschen getötet und vier weitere verletzt, wie ein Sprecher der örtlichen Polizei mitteilte. Der Vorfall habe sich unweit eines Zentrums zur Wählerregistrierung außerhalb der Provinzhauptstadt Pul-e Khumri ereignet. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag.

In Kabul kam es am Sonntag nach einem tödlichen Unfall mit einem Kind zu Protesten vor der US-Botschaft und der Nato-Mission Resolute Support (RS). Das Kind sei bei einem Unfall, an dem ein NATO-Konvoi beteiligt gewesen sei, getötet worden, sagte Innenministeriumssprecher Danisch. Nach Medienberichten gab die Polizei Warnschüsse ab. Eine NATO-Stellungnahme lag zunächst nicht vor.

dpa

Taliban-Sprecher auf Twitter

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