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Motorsport pur: Der Gewinner des Indy 500 küsst traditionell den Streifen aus Ziegelsteinen an der Ziellinie.

Tradition auf Ziegelsteinen

Die 500-Meilen-Rennen von Indianapolis

Am 26. Mai heißt es wieder „Start your engines!“. Danach jagen 33 PS-starke Boliden mit Geschwindigkeiten von bis zu 380 Stundenkilometern durch das Oval von Indianapolis, bis nach 200 Runden der Sieger des Indy 500 feststeht.

Unser Autor Thomas Oßwald hat sich vor dem traditionsreichen Rennen schon mal im Brickyard umgeschaut:

Die Lieferung kommt in einer großen Holz-Box. Eine Bauanleitung ist beigefügt, doch die dürfte selbst erfahrene Ikea-Kunden vor unlösbare Aufgaben stellen – es sei denn, sie sind in der Automobilbranche bestens bewandert, Schwerpunkt Rennwagen. 700 Teile umfasst die Lieferung von Dallara aus Speedway bei Indianapolis, Kostenpunkt: 365 000 US-Dollar, rund 280 000 Euro, ohne Motor, den stellen die Adressaten als Rennstallbesitzer selbst. Für Insider ein Schnäppchenpreis, der jedoch nur für diejenigen gilt, die in der Indycar-Serie starten, dem amerikanischen Pendant zur Formel 1.

45 Fahrer sind in diesem Jahr gemeldet, jeder verfügt über zwei Boliden. Höhepunkt der Saison: das Indy 500, Kurzform des 500-Meilen- Rennens von Indianapolis. Eines der ältesten und traditionsreichsten Rundstreckenrennen der Welt. 200 Mal geht es um den 2,5 Meilen langen Kurs des Ovals mit den vier Steilwandkurven, in dem laut Eigenwerbung nebeneinander der komplette Vatikan samt Petersplatz, das Rose- Bowl-Stadion von Pasadena, die Tennisanlage von Wimbledon, das Kolosseum von Rom, das Yankee-Stadion in New York und die Galopprennbahn Churchill Downs in Kentucky Platz finden würden. 300 000 Zuschauer passen in das größte Sportstadion der USA, allein die 250 000 fest installierten Tribünensitze reichen – würde man sie nebeneinander reihen – gut 150 Kilometer weit.

Wenn am 26. Mai das mittlerweile 97. Indycar- Rennen ausgetragen wird, stehen aber auch noch andere Superlative an: Mit 53 000 Liter Bier und 60 000 Liter Softdrinks werden Pommes im Gesamtgewicht eines ausgewachsenen Elefanten und rund 4500 Kilo Burger runtergespült, dazu kommt noch die üppige Selbstverpflegung, denn das Infield innerhalb der Rennstrecke wird eine einzige große Picknick-Fläche bilden. Das Indy 500 ist mehr als nur ein Rennen, es ist ein Volksfest für Amerikas Motorsport- Fans, es ist deren Mekka. Und nicht zuletzt ist es die größte jährlich stattfindende Eintages-Sportveranstaltung der Welt.

Auch Michael Schumacher triumphierte dort fünfmal. Zwischen 2000 und 2007 gastierte der Formel-1- Zirkus auf dem Speedway- Kurs. Einer von Schumis Rennwagen ist im Museum Hall of Fame ausgestellt, neben einer Reihe weiterer historischer PS-Boliden, zu denen der Mercedes Formel- 1-Rennwagen, Baujahr 1954, und auch der Spirit of America Sonic 1 gehören, mit dem Craig Breedlove 1965 erstmals schneller als 600 Meilen pro Stunde (das entspricht 966,961 km/h) fuhr.

Wenn gerade kein Renn- Wochenende ist, kann man von der Hall of Fame aus mit einem Bus die vier Kilometer lange Rennstrecke umrunden. Und es den Siegern gleichtun, die seit 1969 regelmäßig den einen Yard (rund 91 cm) breiten Zielstreifen küssen, eine schmale Reihe aus Ziegelsteinen. Eine Reminiszenz an die Anfangsjahre des unter Insidern auch Brickyard genannten Speedways, der 1909 eröffnet wurde und einen Belag aus rund drei Millionen Ziegelsteinen erhielt. Ab dem Jahr 1936 wurde dieser dann asphaltiert.

Nur ein paar Kilometer weiter steht die Fabrik von Dallara, wo aktuell das Einheits- Chassis für alle Indycar- Teilnehmer gefertigt wird. Der ehemalige Ferrari- Konstrukteur Gian Paolo Dallara hat das Unternehmen 1972 in dem Dörfchen Varano de’Melegari bei Parma gegründet, seit letztem Jahr ist er exklusiver Lieferant der Indy-Serie und hat deshalb die Fertigung nach Speedway verlegt, dem rennverrückten Städtchen in Indianapolis. Wer will, kann dort nach einer Fabrik- Führung für 30 Dollar in einem umgebauten Zwei- Sitzer echtes Indycar-Feeling bekommen, aber nur als Passagier eines Testpiloten. Und nach der Probefahrt bei Gefallen und genügend Kleingeld selbst eine Bestellung für das 700-Teile-Bastel- Set mit der aktuellen Typen-Bezeichnung DW 12 (benannt nach dem 2011 im letzten Saisonrennen tödlich verunglückten Indy- Sieger Dan Wheldon) in der Holz-Box aufgeben.

Thomas Oßwald

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