Die Jeeps driften über den feinen Sand, liefern sich kühne Rennen mit fast 100 Sachen, rasen nebeneinander her.

Wüste deluxe

Ägypten jenseits der Massenstrände am Roten Meer und dem Touristenstrom Nil entdeckte Autor Matthias Busch auf einer Wüstentour. Und einen Hotelier...

...der hier das höchste Gut, die Stille, um alles in der Welt erhalten will.

Abdullah schweigt und fährt. Seit Stunden. Seine Augen sind starr auf den Asphalt gerichtet. Ein graues Band, das die Wüste teilt. Links und rechts davon weite Ödnis. Monotonie in Stein und Sand. Darüber spannt sich ein Himmel, der nichts als blau ist. Man ahnt sie, die mörderische Hitze da draußen. Doch in dem auf gefühlte Kühlschrank-Temperatur klimatisierten Geländewagen bleibt sie unwirklich wie die an den Autoscheiben vorbeiziehende Mondlandschaft.

„Fata Morgana!“im Geländewagen

Fast 1000 Kilometer soll es in den nächsten sechs Tagen durch Ägypten gehen. Durch die Schwarze und Weiße Wüste. Von Kairo über die Oasen Bahariya, Dakhla und Kharga bis nach Luxor. Übernachtung in Desert Camps und noblen Öko-Lodges.

Landrover-Konvoi in der Wüste. Die Jeeps driften über den feinen Sand, liefern sich kühne Rennen mit fast 100 Sachen, rasen nebeneinander her.

Und nun das! Kaum ist der 15-Millionen-Einwohner-Moloch Kairo verlassen, hat man sich am eintönigen Sand da draußen bereits satt gesehen. Nach einer Stunde verebbt das Gespräch mit den Mitreisenden. Dann verschwindet das wettergegerbte Gesicht Abdullahs hinter einem Schleier von Schläfrigkeit. Im Traum steuert der „Diener Gottes“ – so die Übersetzung des arabischen Vornamens – keinen Geländewagen über den Asphalt, sondern schaukelt auf einem Kamel daher, lässt sich von Sternen statt Satelliten den Weg weisen.

Jäh holt Abdullah uns ins Jetzt zurück: „Fata Morgana!“ Tatsächlich: am Horizont ein See, Palmen. Sie rücken näher und näher, bis auf einer Kuppe die Illusion jäh in sich zusammenfällt. Nur ein 20 Meter langer versteinerter Baum, Relikt aus Zeiten, als das ganze Land ein Urwald war, liegt abseits der Straße im Sand, in tausend Jahren von der Sonne konserviert.

Die erste Oase rund 370 Kilometer südwestlich von Kairo

Hier, im Angesicht der Erdgeschichte, spürt man die Faszination des Meeres aus Stein und Sand, atmet die unendliche Weite, nimmt die unbeschreibliche Stille wahr. Die Leere weitet das Herz. Ein sinnliches Erleben, das sich in den kommenden Tagen steigern wird: Wenn die Wüste schwarz überzuckerte Hügel aufwirft, weiß gepuderte Skulpturen bildet und sich zu haushohen Dünen aufschwingt. Dazwischen leuchtend grüne Palmen-Inseln, Oasen, deren Üppigkeit im krassen Gegensatz zur potenziell tödlichen Umgebung steht.

Ob es gerade die Existenz zwischen den Extremen ist, die die Menschen hier so ausgeglichen macht? Winkende Kinder empfangen die Fremden in Bahariya, der ersten Oase rund 370 Kilometer südwestlich von Kairo. Unverschleierte Frauen lächeln selbstbewusst, ohne Scheu. Die Männer – immer zu Scherzen aufgelegt – sind begeisterte Musiker und Tänzer.

Landrover-Konvoi in der Wüste. Die Jeeps driften über den feinen Sand, liefern sich kühne Rennen mit fast 100 Sachen, rasen nebeneinander her.

Nachdem die hungrigen Wüstenfahrer die Köstlichkeiten vom abendlichen Büffet verdrückt haben, lädt das Personal der liebevoll im Eco-Stil gestalteten Lodge Qasr El Bawity zur Party, mit Trommeln und Flöten und einem rasenden Rhythmus, der auch im Münchner Techno-Club Ekstase auslösen würde. Nur gut, dass der Kater ausbleiben wird. Weil Alkohol verpönt, aber nicht verboten ist, trinkt man weniger. So erklimmt man tags darauf locker den Jebel El Aswat, den Schwarzen Berg. Die Schwarze Wüste, ein erhabener Anblick – entstanden durch Mangan, das in den Steinen oxidiert ist.

Abdullah fährt und grinst. Minuten später ahnt man den Grund. Der aus fünf Geländewagen bestehende Reisetrupp verlässt die Straße. Jetzt driften die schweren Jeeps über den feinen Sand, liefern sich kühne Rennen mit fast 100 Sachen, rasen nebeneinander her. Der Fahrer freut sich wie ein Kind am Spielzeug.

Wohnen im Shahrazad Camp

Rechtzeitig zum Sonnenuntergang taucht die Märchen-Landschaft der Weißen Wüste am Horizont auf: Riesige Pilze wachsen ins Dämmerlicht. Lange Schatten verstärken den mystischen Eindruck, den die bizarren, vom Wind gestalteten Skulpturen aus Kalkstein hinterlassen.

Die Nacht fällt wie ein Vorhang über die Szenerie. Schnell ins nahegelegene Camp! In der Finsternis, wenn die Piste kaum mehr zu erkennen ist, sind selbst erfahrene Wüsten-Führer ungern unterwegs.

Da vorne schimmert Licht, schemenhaft schälen sich Zelte aus der Dunkelheit. Willkommen im Shahrazad-Camp! Kuschelige Safari-Zelte erwarten die verstaubten „Off-Roader“ mitten im Nichts. Später werden Delikatessen der Beduinen wie marinierte Auberginen, zartes Lamm und Süßspeisen kredenzt. Luxus pur.

Desert Lodge in Lehmbauweise

Dass die Abgeschiedenheit derart komfortabel erlebt werden kann, ist ein Verdienst von Ahmed Moussa. Der Ägypter liebt die Wüsten seines Landes. Als Vorsitzender eines einflussreichen Komitees, das sich dem Schutz der Wüste und der Entwicklung eines sanften Öko-Tourismus verschrieben hat, und als Chef des Expeditionsunternehmens Pan Arab Tours setzt er diese Ziele konsequent um. Nur heimische Handwerker gestalten seine kleinen, feinen Unterkünfte (s. Infoteil unten). Wo es möglich ist, wird Gemüse und Obst direkt neben den Lodges angebaut. So will Ahmed Moussa die Bevölkerung in den Oasen in Lohn und Brot halten, traditionelle Handwerkskunst bewahren und die Abwanderung stoppen.

Es ist ein Konzept, das auch die Konkurrenz wie „Desert in Style“ (drei Camps) und die Inhaber der Al Tarfa Desert Sanctuary Lodge in der Oase Dakhla mitträgt. Letztere ist Ziel der Prominenz aus aller Welt. Die Exklusivität – ein Reitstall gehört neben Bio-Küche und Thai-Spa ebenso zum Leistungsumfang wie der private Flugtransfer von Kairo – will mit Tarifen ab 440 Euro pro Nacht erkauft werden. Die Frage, ob dieser Luxus sein muss, tritt hinter der Erkenntnis zurück, dass derartige Lodges nur personalintensiv betrieben werden können und daher Jobmotoren in der Region sind.

Es ist ein Konzept, das auch die Konkurrenz wie „Desert in Style“ (drei Camps) und die Inhaber der Al Tarfa Desert Sanctuary Lodge in der Oase Dakhla mitträgt. Letztere ist Ziel der Prominenz aus aller Welt. Die Exklusivität – ein Reitstall gehört neben Bio-Küche und Thai-Spa ebenso zum Leistungsumfang wie der private Flugtransfer von Kairo – will mit Tarifen ab 440 Euro pro Nacht erkauft werden. Die Frage, ob dieser Luxus sein muss, tritt hinter der Erkenntnis zurück, dass derartige Lodges nur personalintensiv betrieben werden können und daher Jobmotoren in der Region sind.

Abdullah schweigt und fährt. Längst sind wir zurück auf der Asphaltstraße Richtung Luxor. Polizeikontrollen nehmen zu, Esel-Karren und Traktoren fordern seine Konzentration. Der Nil kommt in Sicht. Schließlich Luxor. Im Tal der Könige drängen sich die Kulturreisenden, Hektik und Lärm überall. Wir werden ganz still – und wünschen uns zurück in die Wüste.

DIE REISE-INFOS ZU ÄGYPTEN

REISEZIEL Ägypten im Nordosten Afrikas ist flächenmäßig dreimal so groß wie Deutschland. Das Land grenzt im Norden an das Mittelmeer, im Osten an das Rote Meer, den Gaza-Streifen und Israel, im Westen an Libyen und im Süden an den Sudan.

TOURISMUS Mit 1,2 Millionen Gästen stellen deutsche Touristen die größte Urlaubergruppe (2008, Quelle: Ägypt. Tourismusministerium). Tourismus-relevant sind aber hauptsächlich die Ziele am Roten Meer, Kairo, Luxor und Assuan (Nilkreuzfahrten). 95 Prozent der Landfläche sind Wüsten und werden bislang kaum besucht.

ANREISE Eine Wüstentour kann in Kairo oder Luxor starten. Charter- und Linienflüge (Air Berlin, TUIfly, Egypt Air) gehen von München aus täglich in beide Städte. Hin- und Rückflug ab ca. 300 Euro.

REISEZEIT/KLIMA Die beste Reisezeit für eine Wüstentour ist Oktober bis Ende April. Die Höchsttemperaturen liegen dann bei maximal 40 Grad. Die Luftfeuchtigkeit ist angenehm niedrig. Nachts kann es empfindlich kalt werden (bis null Grad). Im März/April Gefahr von Sandstürmen.

WELCHER REISETYP Für Naturliebhaber mit Abenteuergeist, die gerne in kleinen Gruppen reisen. Aber auch Kulturinteressierte kommen nicht zu kurz. In den Oasen wurden Gräber aus der spätpharaonischen/griechisch-römischen Zeit entdeckt (Bahariya, Goldene Mumien). Auch die verlassene Altstadt von Al-Qasr (Oase Dakhla) mit ihren mehrstöckigen Lehmhäusern ist sehenswert.

VERANSTALTER Wüstentouren in Ägypten kann man unter anderem buchen bei Pan Arab Tours (Tel. 069/6657560,www. panarabtours.com), Oft Reisen (Tel. 07156/16110, www.oft-reisen.de), oder Studiosus (Tel. 089/50060700, www.studiosus.com).

WOHNEN Man braucht auf der Wüstentour auf Komfort nicht zu verzichten. Es gibt in nahezu jeder Oase eine Vier-Sterne-Lodge oder bequeme Zelt-Camps. Die Stationen dieser Reise BAHARIYA Ecolodge Qasr El Bawity in Lehm­architektur mit heißem Quellwasser-Pool (www. qasrelbawity.com/hotel.php).

WEISSE WÜSTE Shahrazad Camp, buchbar über Pan Arab Tours. DAKHLA Al Tarfa Lodge (exklusivstes Ressort in der ägyptische Wüste, www. altarfalodge.com), Desert Lodge Hotel (Öko-Hotel von Ahmed Moussa, www.desertlodge.net). Weitere luxuriöse Wüstencamps unter www.desertinstyle.com.

PREISBEISPIEL Ein elftägiger Wüstentrip mit Übernachtungen u.a. in der Ecolodge Qasr El Bawity, im Sharahazad Camp und in der Desert Lodge sowie jeweils zwei Übernachtungen in Kairo und Luxor kann bei Pan Arab Tours (Adresse s.o.) mit Verpflegung, Eintrittspreisen und deutschsprachigem Führer ab 1050 Euro pro Person gebucht werden. Flüge extra.

WEITERE INFOS Ägyptisches Fremdenverkehrsamt in Frankfurt. Tel. 069/252153. Internet: www.egypt.travel.

 

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