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Wer all-inclusive bucht, will finanzielle Überraschungen vermeiden. Deshalb gibt es häufig Streit darüber, was das Hotel-Angebot alles zu beinhalten hat.

Reiserecht

Wenn der Ärger all-inclusive ist

All-inclusive-Angebote versprechen auch für die Urlaubssaison 2013 wieder Essen, Getränke und Unterhaltung satt in den gebuchten Hotels. Nicht selten gibt es vor Ort die Ernüchterung. Wenn der „Rundum-Sorglos-Urlaub“ Ärger macht – Beispiele aus der Rechtsprechung.

Kein Transfer

Ein Urlauber-Ehepaar stand um 6.40 Uhr morgens am Flughafen in Dubai und wartete vergeblich auf den Bus, der sie – laut All-inclusive-Paket zugesagt – zum Hotel fahren sollte. Die beiden nahmen ein Taxi und forderten den Fahrpreis vom Veranstalter. Es ging um 55 Euro. Der verweigerte die Zahlung, weil es zuvor keine Kontaktaufnahme mit ihm in Deutschland gegeben habe. Die habe auch nicht sein müssen, so das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg. Weil es in Deutschland erst 4.40 Uhr in der Früh gewesen sei, habe auf diesen formalen Schritt verzichtet werden dürfen.

Keine Getränke

Dieselben Urlauber wunderten sich später, dass es zum Mittagessen keine Getränke gab. Nach der Reklamation dieses Mangels durften sie immerhin zwei Getränke rationiert genießen. Sie beschwerten sich und bekamen auch in diesem Punkt Recht. 347 Euro musste der Veranstalter für die gekauften Mittagsgetränke erstatten. Eine Entschädigung wegen vertaner Urlaubszeit gab es allerdings nicht. Der beklagte Mangel sei dafür nicht ausreichend und durch die Preisreduzierung ausgeglichen (Az: 233 C 165/10).

Kein Mittagessen

In folgendem Fall ging es um fehlendes Mittagessen. Vor dem Amtsgericht Leipzig musste ermittelt werden, ob zu einem „All-inclusive“-Angebot automatisch eine Mahlzeit am Mittag zählt. Das Gericht bejahte das. Denn stehe im Vertrag „Verpflegung: all-inclusive“, so bedeutet das „alle Verpflegungen eingeschlossen“. Daher bleibe es unverständlich, „wie der Reiseveranstalter auf die Idee kommen konnte, ihm sei es einseitig möglich, bestimmte, ganz üblicherweise zum Tageskreis ihrer Kunden gehörende Mahlzeiten ohne jeden vorherigen Hinweis an die Vertragspartner für vertraglich nicht eingeschlossen zu erklären“. Müssen Urlauber den Mittagstisch extra bezahlen, so liege ein erheblicher Reisemangel vor, für den sie einen Teil des Reisepreises (hier 20 Prozent) erstattet bekommen müssen. Auch hätten sie Anspruch auf Schadenersatz für vertane Urlaubszeit: 250 Euro wurden hier zugebilligt. Das Argument des Veranstalters, „die Kunden hätten nachfragen können, was er unter all-inklusive versteht“, zog nicht. Damit mache er vielmehr seinen arglistigen Täuschungsversuch deutlich (Az: 109 C 5850/09).

Keine Snacks

Das Landgericht Duisburg hat entschieden, dass die im Reisekatalog versprochenen Snacks „zusätzlich von 10 bis 23 Uhr“ in einem Hotel nicht fehlen dürfen. Ein Urlauberehepaar hatte das während des Aufenthaltes in einem mallorquinischen Mittelklassehotel beim Personal moniert – Abhilfe wurde aber nicht geschaffen. Sie konnten dafür später eine Reisepreisminderung (in Höhe von fünf Prozent) durchsetzen. Das Gericht stellte übrigens noch fest, dass die Anzeige beim Hotel-Personal ausgereicht hatte, wenn von dort keine Information folge, nach der dann auf jeden Fall auch die Reiseleitung in Kenntnis gesetzt werden müsse (AZ: 12 S 26/05).

Keine Aufsicht

Anders als in den bisher geschilderten Fällen gab es für eine Urlauber-Familie nicht zu wenig – sondern zu viel: und zwar Alkohol für den 16-jährigen Sohn. Der Filius bekam in einem Hotel auf Kos nämlich Spirituosen ungeachtet seines Alters, und er ließ sich regelmäßig volllaufen. Das (neben einer Liste anderer Unzulänglichkeiten) werteten sie als Reisemangel und verlangten eine Reisepreisminderung. Angesichts der Tatsache, dass im Reiseprospekt ausdrücklich versichert wurde, dass kein Alkohol an Minderjährige ausgegeben werde, war der Gedanke nicht abwegig.

Das Amtsgericht Duisburg entschied aber anders: Sie hätten selbst darauf aufpassen müssen, dass sich der Filius nicht betrinkt. Die Aufsichtspflicht der Eltern für ihre minderjährigen Kinder ergibt sich aus dem Gesetz. Der Reiseveranstalter habe ihnen mit der Buchung diese Verantwortung nicht abgenommen.

Die Eltern könnten ihr Versäumnis, dem Sohn beizubringen, dass er nicht „bis zur Besinnungslosigkeit Alkohol zu sich“ nehmen solle, nicht auf andere abwälzen (Az: 27 C 1039/08).

Nachtflug

Bei einem All-inclusive- Billigangebot („63 Euro pro Tag, incl. Fluganteil“) wurde eine bestimmte Abflugzeit nicht zugesichert. Schließlich wurden die Reisenden um kurz vor Mitternacht in die Türkei geflogen. Das gefiel den Urlaubern nicht, und sie beantragten später eine Reisepreisminderung – vergeblich. Ohne besondere Zusicherung stelle der Hinflug in der Nacht keinen Reisemangel dar. Abflüge in Touristenhochburgen bei Pauschalreisen in der Preiskategorie „einschließlich Fluganteil“ würden üblicherweise auch nachts durchgeführt. Das Amtsgericht Düsseldorf: „Nur durch eine derartige Zeitorganisation kann dem steigenden Interesse der Reisenden an preisgünstigen Flugreisen zu touristisch begehrten Zielen Rechnung getragen werden.“ Der Spätflug stelle eine „entschädigungslos hinzunehmende Unannehmlichkeit und keinen zur Minderung berechtigenden Reisemangel“ dar, urteilten die Richter in diesem Fall (Aktenzeichen: 56 C 13943/05).

Wofür Urlauber Geld bekamen – und wofür nicht

  • Fehlender Hummer in der Karibik: zwei Prozent
  • Extragebühr für Windsurfen: zwei Prozent (LG Duisburg, 12 S 27/03)
  • Verschüttete Getränke in der Anlage: 0 Prozent (LG Düsseldorf, 8 O 388/02)
  • Tagsüber nicht durchgehend geöffnete Bar: fünf Prozent. 50 Liegestühle für ein 100-Zimmer-Hotel: 0 Prozent (LG Hannover, 17 S 1073/01)
  • Lahme Bedienung: fünf Prozent (AmG Köln, 122 C 171/00)
  • Betrunkene, pöbelnde Briten: 0 Prozent (LG Kleve, 6 S 369/00)
  • Plastikarmbandzwang: fünf Prozent (LG Frankfurt, 2/24 S 341/98)

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