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Steinreich: Der Strand von Kokkinokastro auf Alonissos. Auf der kleinen Ägäis-Insel gibt es nur einen Sandstrand, und der liegt bei Chrissi Milia an der Ostküste.

Alonissos: Steinreiche Insel

Kann die Eurokrise Griechenland wirklich ruinieren? Nicht, solange es Inseln wie Alonissos gibt, die alles haben, was den Urlaub ausmacht.

Thymianduft für die Nase, das türkisblaue Meer für die Augen und Strände ohne Ende. Und die nächste Taverne, wo ein köstlicher Fisch auf dem Grill liegt, ist niemals weit.

In vielen Häusern der Chora werden inzwischen Ferienwohnungen vermietet. Laut und trubelig wird es hier dennoch nur, wenn im Sommer ein Dorffest gefeiert wird.

Was diese Insel im Norden der Ägäis ausmacht, sei ihr Duft, sagt Waltraud Alberti. Sie hält mir etwas Gelbes unter die Nase. Erinnert das nicht an Ouzo? Das ist doch bestimmt Anis. „Nein“, korrigiert sie, „das ist wilder Fenchel.“ Und das hier? Ein bisschen wie Pfirsich. Weinraute, erklärt die Deutsche. Sie muss es wissen: Die Insel ist ihr zweites Zuhause, und sie bietet hier seit Jahren Seminare zu Heilpflanzen an.

Ankunft im Hafenstädtchen Patitiri. An der Küste mischt sich die salzige Meerluft mit dem Geruch der Aleppokiefern. Alonissos gilt als grüne Insel. Eigentlich ist das Grün aber sehr bunt. Je nach Jahreszeit wachsen lila Heidekraut, rosa Alpenveilchen, weiße Meerzwiebeln oder gelber Fenchel. Hier und da sieht man Granatapfelbäume. Und Heilkräuter wie Salbei oder die Zistrose. Sie soll gegen Neurodermitis helfen, wie Waltraud Alberti erklärt. Die Naturheilkunde hat hier Tradition, es gibt sogar ein Ausbildungszentrum für Homöopathie.

Morgens krähen die Hähne, die Esel schreien

Am Rand der Bucht von Patitiri führt ein kleiner Weg auf den Kavos, den grünen Hügel, wo die Apartments in einem Meer aus Bougainvilleen versinken. Dort ruhen sich Elaine Jones und ihr Mann Allan gerade auf der Terrasse von einer Wanderung aus. „Das Gute ist, dass man hier fast alles zu Fuß erreichen kann“, sagt die 59-Jährige. Sie schwärmt von den Kräutern, die hier am Wegesrand wachsen, und vom betörenden Duft des Thymians. „Ein Jammer, dass man Gerüche nicht als Souvenir mit nach Hause nehmen kann.“

Insgesamt 14 ausgeschilderte Wanderwege gibt es auf der Insel. Chris Browne kennt sie alle auswendig. Er führt Urlauber seit Jahren zu Fuß über die Insel. Neben Heilkräutern gebe es dabei viele Vögel zu sehen, erklärt er, etwa den Eleonorenfalken.

Alonissos ist umgeben von kleinen, unbewohnten Inseln. Im 2200 Quadratkilometer großen Meeresnationalpark sehen Urlauber mit Glück Delfine und Mönchsrobben.

Ein Weg führt den Eselspfad hinauf in das alte Bergdorf, die Chora. Eigentlich sei es ja das neue Bergdorf, das alte wurde bei einem Erdbeben zerstört, erzählt Chris. Trotzdem wirkt es urig. Auf dem zentralen Platz liegen die Katzen auf warmen Steinen, die Alten trinken Ouzo und spielen an blau angemalten Holztischen vor weiß getünchten Häusern Tavli, die griechische Variante von Backgammon. Dahinter glitzert die blaue Ägäis – Griechenland wie im Bilderbuch.

Das Meer ist von der Chora aus nicht weit: Etwa zehn Minuten läuft man zur Bucht Megalos Mourtias hinunter, wo man sich im türkisblauen Wasser abkühlen kann. Mit dem Auto ist man genauso schnell in Chrissi Milia an der Ostküste, wo es den einzigen richtigen Sandstrand der Insel gibt.

Inzwischen werden in vielen Häusern der Chora Ferienwohnungen vermietet, auch einige Deutsche haben hier ein zweites Zuhause gefunden. Morgens krähen die Hähne, die Esel schreien. Welcher Tag ist heute eigentlich? Auf Alonissos wird nur zwischen Wochentag und Wochenende unterschieden.

Dann legen die Ausflugsboote an, vor allem im Juli und August, und es kommt Bewegung auf. Touristen springen an Land, man hat ihnen in der Chora einige Souvenirläden hingestellt. Zum Glück ist der Spuk meist schnell vorbei. Laut werde es eigentlich nur, wenn im Sommer ein Dorffest gefeiert wird, erzählt Chris. Dann tritt er mit seiner Band auf und spielt Sirtaki und auch ein bisschen Rock’n’Roll. Er bleibt eben Engländer.

Robben sind so etwas wie die Maskottchen der Insel

Normalerweise tummeln sich die Urlauber abends in den Restaurants in einer höher gelegenen Gasse der Chora. Beim Essen hat man von dort einen schönen Ausblick auf die kleinen, unbewohnten Inseln rund um Alonissos. Sie liegen in einem 2200 Quadratkilometer großen Meeresnationalpark.

Warten auf das letzte Stündlein - in Alonissos ist Läuten noch Handarbeit.

Im Sommer werden Touren zu den umliegenden Inseln angeboten, auch eine Klosterbesichtigung steht auf dem Programm. Kultur auf Odysseus’ Spuren. Auf Gioura soll der Zyklop aus dem Epos gehaust haben. Weiter entfernt ist Psa­thoura, eine Vulkaninsel, auf der schwarze Lavasteine die Sandstrände säumen. Wer Glück hat, sieht unterwegs vom Ausflugsschiff aus Delfine oder sogar eine der Mönchsrobben, für die das Gebiet zur Schutzzone erklärt wurde. Erwarten dürfen Urlauber das aber nicht: „Das ist hier kein Zirkus“, sagt Kapitän Pakis streng.

Die Robben sind so etwas wie die Maskottchen der Insel. In Patitiri gibt es ein kleines Museum, in dem Besucher mehr über sie erfahren. Und weiter nördlich in Steni Vala werden verirrte Robbenbabys in einer Aufzuchtstation aufgepäppelt. Später werden sie mit einigem Tamtam wieder ausgesetzt: Ein Priester segne sie sogar vorher, erzählt Chris.

Apropos Priester: Die Wanderrouten auf der Insel führen an einer Reihe von kleinen Kirchen vorbei. Ein gutes Ziel für einen Halbtagesausflug ist etwa Agii Anargiri direkt an der Westküste. Und auf der Ostseite: Kokkino Kastro – benannt nach dem leuchtend roten Felsen in der Bucht, wo Reste einer antiken Stadt entdeckt wurden. Die Funde sind größtenteils im Meer versunken.

Tobias Schormann

REISE-INFOS ZU ALONISSOS

REISEZIEL Alonissos gehört mit Skiathos, Skopelos und der Halbinsel Pilion zur Inselgruppe der Sporaden in der Ägäis. Da Alonissos mit seinen 20 mal vier Kilometern Größe weitestgehend autofrei ist, befindet sich vor allem das Ökosystem auf der Nordweite in einem sehr guten Zustand. Vermutlich ist deshalb dort das seltenste Säugetier Europas, die Mönchsrobbe, heimisch.

ANREISE Flüge ab Nürnberg nach Volos auf dem Festland, von dort Transfer zum Hafen (ca. 30 Minuten) und ca. drei Stunden Schiffsfahrt nach Alonissos. Letzter Hinflug am 30. September, letzter Rückflug am 7. Oktober, dann wieder ab Mai 2012.

Hotel Konstantia

WOHNEN Hotel Konstantia, einfaches, aber gemütliches Hotel (2,5 Sterne) in der Chora mit Panoramablick über die Mourtias-Bucht. Geöffnet bis 7. Oktober. Ab 760 Euro pro Woche mit Flug. Oder Hotel Atrium (Foto, dreieinhalb Sterne) am Ortsrand von Patiri, ab 796 Euro pro Woche. Buchung über Attika Reisen in München, kostenlose Infoline 0800/1671-800, www.attika.de.

STRÄNDE Alonissos hat vorwiegend Kiesstrände. Wer in der Chora, dem alten Bergdörfchen, Quartier nimmt, läuft etwa zehn Minuten zur Bucht Megalos Mourtias. In Chrissi Milia an der Ostküste gibt es den einzigen Sandstrand der Insel.

SEHENSWERT Das Sehenswerteste auf und um Alonissos ist das Meer. Die vorgelagerten unbewohnten Inseln sind Teil eines 2200 Quadratkilometer großen Meeresnationalparks. Bei Bootsausflügen kann man Delfine sehen und mit etwas Glück auch Mönchsrobben. In Steni Vala gibt es eine Aufzuchtstation für verirrte Robbenbabys.

WEITERE INFOS Griechische Zentrale für Fremdenverkehr in München, Tel. 089/22 20 35, ab Oktober in Frankfurt, Tel. 069/25 78 270, www.gzf-eot.de.

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