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Wilde Kerle und die große Freiheit: Autor Hauke Schrieber machte mit Sohn Anton Familienurlaub auf einer Farm in Argentinien.

Mit Papa in die Pampa

Ferien auf dem argentinischen Bauernhof. Eine Autostunde südlich von Buenos Aires genießen Familien das Landleben zwischen Gauchos und Grillorgien. Gastgeber ist ein Münchner.

Ein argentinischer Hahn kräht, wann er will, gern auch mal etwas später. Und so steht die Sonne schon ein gutes Stück am Himmel über der weiten Ebene der Pampa, als der Weckruf vom Misthaufen aus ertönt. Der Sohn springt aus dem Bett, läuft aus dem Haus und in das noch feuchte Gras. Es ist Zeit, nach den Ferkeln zu schauen. Er rennt zwischen Feigen- und Orangenbaum hindurch, die drei Hofhunde Legolas, Kenja und Maggi dösen noch. Heiß wird es heute wieder, knapp 30 Grad, aber die „buenos aires“, die „schönen Winde“ und die Schatten der beiden großen Eukalyptusbäume machen die Hitze angenehm, auch für Kinder.

Seit 2003 lebt der Deutsch-Argentinier Ricardo Kunz aus Ammerland am Starnberger See mit Ehefrau Virginia auf der Estancia La Quemada eine Autostunde südlich von Buenos Aires.

Familienurlaub auf dem Campo La Quemada, einem 400 Hektar großen Landgut rund eine Autostunde südlich der argentinischen Metropole Buenos Aires. Ferien auf dem Bauernhof nach südamerikanischer Art. Ricardo Kunz (30), Deutsch-Argentinier, in München geboren, in Ammerland am Starnberger See aufgewachsen, zog 2003 nach Argentinien und betreibt dort mit seiner Frau Virginia (27) die Ranch, die sein Vater vor 30 Jahren kaufte. Vor vier Jahren beschloss er, das leer stehende alte Ranch-Haus zu renovieren, seit kurzem vermietet er die Estancia La Quemada an Touristen. Drei Zimmer, drei Bäder, Wohnraum, Küche – zu Preisen ab 29 Euro pro Person und Nacht.

Urlaub auf einem argentinischen Bauernhof, das ist große Freiheit. Wer sich selbst versorgen möchte und zum Einkaufen in den nächsten Ort, die gemütliche Kleinstadt San Vicente, fahren will, sollte sich aber einen Geländewagen mieten. Die letzten vier Kilometer bis zur Estancia, wie hier die Landgüter heißen, werden auf einer unbefestigten Sandstraße gefahren, die sich nach einem Sommergewitter in eine Schlammpiste verwandelt und nur mit Allradantrieb zu befahren ist.

Um Gäste, die dagegen lieber auf dem Hof bleiben, kümmern sich Ricardo und seine Frau Virginia. Aufmerksam, nie aufdringlich. „Wir möchten unsere Gäste wie gute Freunde behandeln, die uns an einem Sonntag zum Asado besuchen“, sagt Ricardo Kunz.

Auf Gaucho-Pferden durch die Pampa reiten

Asado, das ist diese unglaubliche Grillorgie der Argentinier, bei der jegliche Teile vom Rind bei niedriger Temperatur mit Holzglut gegart werden. Und das dauert schon so seine drei, vier Stunden. Während der Papa also von Ricardo lernt, was einen echten Asador ausmacht („die Rippenstreifen zunächst mit den Knochen nach unten und dem Fett nach oben auf den Grill“, „lass dir Zeit“, „nicht zu viel Hitze!“), planscht der Sohn in dem überdachten Pool, und Mama döst unter einem Walnussbaum.

Am nächsten Tag steigen Vater und Sohn auf ein Criollo, eines dieser echten Gaucho-Pferde, von denen zwei auf der Quemada zu reiten sind. Unser Pferd heißt Cartucho, ist zwölf Jahre alt und so zahm, dass es sich nicht mal von einem vorbeihuschenden Mulita, einem argentinischen Gürteltier, irritieren lässt.

Am frühen Abend, neben dem Grillfeuer, kann das Kind sich nicht entscheiden, was heute spannender war: der Austritt auf Cartucho oder die Fahrt auf dem alten Fiat-Trecker über die Felder, vorbei an den brauen Rindern und schwarz-weißen Milchkühen, die den Rohstoff liefern für den hauseigenen Mozzarella, den Ricardo Kunz’ Farm produziert.

Jetzt hat Kunz das alte Farmhaus ausgebaut und vermietet es an Feriengäste.

Am Wochenende lässt sich die Familie von Gastgeber Ricardo und seinem Pick-Up nach Buenos Aires fahren. Gewohnt wird für einen Nacht im „Mine“, einem wunderhübschen kleinen Hotel mitten im Szene-Stadtteil Palermo Soho mit seinen Bars, Restaurants, Klamottenläden, Plätzen, Parks und Spielplätzen. Und während der Junge aus Deutschland in seinem Fußballtrikot schnell argentinische Kinder zum Spielen findet, kauft die Frau in Ruhe neue Schuhe. Erst abends um zehn wird zum Essen gegangen (Fleisch!); die Stadt ist warm und voller Kinder.

Nach einem Stadtbummel am nächsten Sonntag holt Ricardo seine Gäste wieder ab, es geht zurück zur Estancia, die Ruhe tut gut. Der Sohn geht noch eine Runde in den Pool und dann ins Bett, die Erwachsenen sitzen mit den Gastgebern bis tief in die Nacht zusammen, trinken große Gläser Quilmes-Bier und kleine Gläser Legui, einen leckeren, argentinischen Likör. Morgen können ja alle wieder etwas länger im Bett unter dem Deckenventilator liegen bleiben. Bis der argentinische Hahn kräht, steht die Sonne schon längst am hellblauen Himmel.

Hauke Schrieber

DIE REISE-INFOS ZU ARGENTINIEN

Argentinien

REISEZIEL Argentinien im Süden Südamerikas ist mit 2,78 Millionen Quadratkilometern und 3695 Kilometern Länge von Nord nach Süd der achtgrößte Staat der Welt und der zweitgrößte des Kontinents. Besiedelt ist er extrem dünn: Im Durchschnitt kommen gerade einmal 14 Einwohner auf einen Quadratkilometer. Das Land grenzt im Osten an den Atlantik, im Westen an Chile, im Norden an Bolivien und Paraguay und im Nordosten an Brasilien und Uruguay.

ANREISE Flug nach Buenos Aires täglich mit Lufthansa. Ab 900 Euro, Kinder von zwei bis elf Jahren haben 25 Prozent Ermäßigung, Babys kosten zehn Prozent vom Netto-Flugpreis. Im Reisebüro oder online unter www.lufthansa.de.

MIETWAGEN Mietwagen kosten zwischen 300 und 500 Euro/Woche. Firmen wie AVIS, Hertz und Budget haben Büros am Flughafen Buenos Aires.

REISEZEIT/KLIMA Die beste Reisezeit ist im deutschen Frühjahr und Spätherbst. Dann liegen die Tagestemperaturen in der argentinischen Pampa bei rund 25 Grad. Von Dezember bis Januar ist Hochsommer mit Werten über 30 Grad und zum Teil hoher Luftfeuchtigkeit. Im argentinischen Winter kühlt es nur selten auf Werte unter 15 Grad (Tag) bzw. fünf Grad (Nacht) ab.

GESUNDHEIT Empfehlenswert ist eine Impfung gegen Hepatitis A, ansonsten braucht man in dem Reisegebiet um die Estancia keine weiteren Impfungen. Auch Malaria-Prophylaxe ist in dieser Region nicht erforderlich. Insektenspray ist auf jeden Fall in ausreichender Menge mitzunehmen.

WOHNEN Die Estancia La Quemada liegt eine Autostunde südlich der Zwölf-Millionen-Metropole Buenos Aires und eine halbe Autostunde vom internationalen Flughafen entfernt (Transfer kostenlos). In das Dorf San Vicente (Einkaufsmöglichkeiten) sind es zehn Kilometer. Vermietet werden eine Wohnung mit drei Schlafzimmern oder ein Appartement. Ab 29 Euro pro Person und Tag bzw. 174 Euro pro Woche. Infos unter www.la-quemada.net, Kontakt/Buchung per E-Mail info@la-quemada.net und auch über Tel. 08177/677 bei den Eltern von Ricardo Kunz in Ammerland bei München.

AKTIVITÄTEN Reiten, Tennis, Wandern, Radfahren, Golf, ein Tag bei den Gauchos.

AUSFLÜGE Buenos Aires (Tagesausflug) sowie San Antonio de Areco, Kleinstadt 100 Kilometer nordwestlich von Buenos Aires mit tollem Gaucho-Museum oder ein Badeausflug nach Mar del Plata an die Atlantikküste (450 Kilometer südlich von Buenos Aires).

 

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