Politisches Graffiti im Viertel Kerameikos: In Athen ist die Krise Griechenlands offensichtlich. Foto: George Fiorakis, InExarchia/discovergreece.com
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Politisches Graffiti im Viertel Kerameikos: In Athen ist die Krise Griechenlands offensichtlich. Foto: George Fiorakis, InExarchia/discovergreece.com
Zachos Varfis auf der unfertigen Skatebowl Latraac - heute ein wichtiger Anlaufpunkt im Viertel Kerameikos. Foto: Patrizia Schlosser
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Zachos Varfis auf der unfertigen Skatebowl Latraac - heute ein wichtiger Anlaufpunkt im Viertel Kerameikos. Foto: Patrizia Schlosser
Das Athener Viertel Kerameikos ist heruntergekommen und bei jungen kreativen Griechen gerade sehr angesagt - Street Art gibt es an vielen Ecken zu sehen. Foto: Patrizia Schlosser
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Das Athener Viertel Kerameikos ist heruntergekommen und bei jungen kreativen Griechen gerade sehr angesagt - Street Art gibt es an vielen Ecken zu sehen. Foto: Patrizia Schlosser
Graffiti in einem verlassenen Gebäude in Athen: Wo sich die Stadt zurückzieht, entsteht oft Street Art. Foto: discovergreece.com
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Graffiti in einem verlassenen Gebäude in Athen: Wo sich die Stadt zurückzieht, entsteht oft Street Art. Foto: discovergreece.com
Graffiti in Kerameikos: "All you need is joke" (Alles was du brauchst, ist ein Witz). Foto: Patrizia Schlosser
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Graffiti in Kerameikos: "All you need is joke" (Alles was du brauchst, ist ein Witz). Foto: Patrizia Schlosser
Das ehemalige Hotel "City Plaza" in Athen - heute ist es ein besetztes Haus, in dem Migranten leben. Foto: Zoltan Balough/epa
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Das ehemalige Hotel "City Plaza" in Athen - heute ist es ein besetztes Haus, in dem Migranten leben. Foto: Zoltan Balough/epa
Lässige Atmosphäre, Live-DJs: Das BIOS, einen Kultur- und Musikzentrum mit Café, ist ein Epizentrum der Hipster in Athen. Foto: discovergreece.com
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Lässige Atmosphäre, Live-DJs: Das BIOS, einen Kultur- und Musikzentrum mit Café, ist ein Epizentrum der Hipster in Athen. Foto: discovergreece.com
Das SNFCC ist Athens neues Kulturzentrum samt riesigem Park - ein öffentlicher Ort, der von Einheimischen wie Touristen geschätzt wird. Foto: Yiorgis Yerolympos/SNFCC
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Das SNFCC ist Athens neues Kulturzentrum samt riesigem Park - ein öffentlicher Ort, der von Einheimischen wie Touristen geschätzt wird. Foto: Yiorgis Yerolympos/SNFCC

Ausgehen gegen die Krise

Athens Trend-Viertel Kerameikos

Die Finanzkrise hat Athen verändert. Alles ist politisch. Auch Kaffee trinken. Ganz in der Nähe des Touristenmagneten Akropolis lockt eine neue Kulturszene, die Griechenlands Hauptstadt zu einem der momentan spannendsten Orte Europas macht.

Athen (dpa/tmn) - Mit einem lauten Rasseln öffnet sich das mit Graffiti besprühte Stahltor. "Willkommen", sagt Zachos Varfis und deutet auf das Gelände hinter dem Tor hier im Viertel Kerameikos.

Dort sieht man: frisch gepflanzte Bäume und Sträucher, Holztische mit Bänken und dahinter, wie eine zu beiden Seiten schwungvoll nach oben gebogene Bühne, eine kleine Skate-Anlage, die Skatebowl Latraac.

Zur Anlage gehört ein Café, von dem aus man die Skater beobachten kann. "Als wir hierher kamen", erzählt der Architekt mit dem schwarzen Lockenkopf und breitet die Arme aus, "war das alles eine einzige Ruine." Die Gegend war lange nicht besonders entwickelt, aber inzwischen tut sich was: Kunst-Galerien und Cafés eröffnen. "Kein Wunder: die Miete ist niedrig, das Viertel mitten im Zentrum und es gibt eine Menge ungenutzten Platz", erklärt Zachos.

Kerameikos liegt nur 15 Minuten zu Fuß Richtung Norden von der Akropolis entfernt. Es geht vorbei an Hauswänden voller Graffiti. Auf der Leonidou-Straße ist heute Markt: Bauern preisen Orangen, Kartoffeln, Granatäpfel und Nüsse an.

Im BIOS, einem Kultur- und Musikzentrum mit einem schäbig-schicken Café, sitzen Hipster vor ihren Macbooks und trinken Kaffee Frappé. Ums Eck, mitten auf dem Bürgersteig, zieht ein Drogenabhängiger mit einer Hand einen Gürtel am Oberschenkel fest und setzt sich mit der anderen Hand einen Schuss. Hinter ihm leuchtet die Akropolis.

Ein bisschen erinnern Kerameikos und angrenzende Viertel wie Gazi an Berlin nach der Wende in den 1990er Jahren. Künstler und Aktivisten bemächtigen sich der zerfallenen Stadt mit ihren leerstehenden Häusern. Sie nutzen die billigen Mieten und Grundstückspreise. Und bekommen Platz zum Ausprobieren und kreativ sein. Genau das, was in vielen europäischen Großstädten fehlt - und was früher oder später Touristen anlockt. So auch in Kerameikos.

Der Grund für den Athener Aktionismus ist allerdings bitter: Dem Staat traut niemand mehr. "Es ist wie, wenn man erfahren hat, dass man eine schlimme Krankheit hat", so beschreibt Costis Peikos den Gemütszustand der Athener: "Zuerst ist man traurig, dann wütend - und schließlich resigniert man. In diesem Stadium sind wir. Die Krise hat uns bitter und zynisch gemacht", sagt er.

Costis sitzt mit Freunden in einem angesagten Restaurant in Kerameikos. Im "Laika" gibt es gegrillten Manouri-Käse mit süßem Paprika-Chutney, Schweinehappen mit einer Sauce aus Honig und Dijon-Senf, Fava-Bohnen-Püree mit Babyzwiebeln in traditioneller Stifado-Sauce. Die Menschen reden, essen, trinken, qualmen durcheinander. Alle Plätze sind besetzt.

Das ist keine Ausnahme. Athen ist eine lebendige Stadt, in der die Cafés Tag und Nacht voller Menschen sind. Es herrscht ein Gewusel, Lachen und Feiern, um das Urlauber diese Stadt nur beneiden können. Das Leben pulsiert hier nur so in den Straßen.

Das Lieblingsgetränk der Athener ist ein altmodischer Frappé oder die modernere Variante Freddo Cappuccino. Ein tiefschwarzer starker Kaffee, im ersten Fall mit cremig geschäumtem Nescafe-Pulver und Kondensmilch oder als Freddo mit Espresso und kaltem Milchschaum. In jedem Fall mit Eiswürfeln. Das Gebräu ist derart stark, dass man es problemlos mit Wasser verlängern kann. Praktisch, wenn man sich nicht mehr als ein Getränk leisten kann, aber trotzdem ausgehen muss. Ja, muss.

Ein Athener kann nicht zuhause bleiben und seine Depression pflegen. Er muss raus ins Café und sich gegenseitig Mut machen mit sarkastischen Witzen über die Lage. Zum Beispiel über das neue Stavros Niarchos Foundation Culture Center, kurz SNFCC, mit dem Taxi 15 Minuten vom Kerameikos-Viertel entfernt.

Es handelt sich um ein brandneues, futuristisches Gebäude aus Glas und Stahl, in dem nun die Zentralbibliothek und die Oper Athens untergebracht sind. Es steht auf einem Hügel vor den Toren der Stadt und bietet einen wunderbaren Blick auf das Meer, den Hafen von Piräus und Athen. Von hier gesehen ergießt sich die Stadt wie ausgeschüttete Milch über braune Hügelketten.

Das Beste am SNFCC ist der riesige Park voller Rosmarinsträucher, Thymianbüsche und knorriger dicker Olivenbäume, die extra hierhin verpflanzt worden sind. Es gibt Kinderspielplätze, eine Laufbahn, mehrere Cafés - und überall kostenloses WLAN.

"Wir hoffen, dass die Regierung das SNFCC nicht innerhalb eines Jahres kaputt macht - so wie sie unser Land kaputt gemacht hat", witzelt Costis mit seinen Freunden. In Athen sieht der Reisende nicht nur die weltberühmten Kulturschätze längst vergangener Zeiten, sondern auch die Krise der Gegenwart. Wenn er denn möchte.

Discover Greece - Offizielle Tourismus-Website

BIOS Kulturzentrum (Englisch, Griechisch)

Stavros Niarchos Foundation Cultural Center (Englisch)

Latraac Skatebowl (Englisch)

Athen

Anreise: Athen ist mit Direktflügen aus Deutschland etwa ab München oder Hamburg in zwei bis drei Stunden erreichbar. Vom Flughafen Athen sind es rund 45 Minuten ins Stadtzentrum. Der Taxi-Festpreis beträgt 38 Euro, die U-Bahn kostet 10 Euro. Sie fährt jede halbe Stunde - sofern nicht mal wieder gestreikt wird.

Adressen: BIOS Kulturzentrum, Pireos 84. Stavros Niarchos Foundation Culture Center, Besucherzentrum täglich von 9.00 bis 20.00 Uhr geöffnet. Latraac Skatebowl, Leonidou 65, öffnet jeden Tag um 13.00 Uhr bis abends außer montags. Restaurant Laika, Pellis 30. Louis Cafe, Leonidou 87.

Informationen: Marketing Greece, Voukourestioustraße 20, 10671 Athen (Tel.: 0030/210/364 90 84, E-Mail: contact@discovergreece.com, www.discovergreece.com).

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