Februar 2018: Das Geburtshaus von Karl Marx in der Brückenstraße in Trier. Heute befindet sich hier das Karl-Marx-Museum. Foto: Christoph Driessen/dpa-tmn
1 von 16
Februar 2018: Das Geburtshaus von Karl Marx in der Brückenstraße in Trier. Heute befindet sich hier das Karl-Marx-Museum. Foto: Christoph Driessen/dpa-tmn
Im teuren Londoner Stadtteil Primrose Hill befindet sich das Wohnhaus von Engels - hier mit Blick auf den Stadtteil "West End". Foto: Pawel Libera/visitlondon.com/dpa-tmn
2 von 16
Im teuren Londoner Stadtteil Primrose Hill befindet sich das Wohnhaus von Engels - hier mit Blick auf den Stadtteil "West End". Foto: Pawel Libera/visitlondon.com/dpa-tmn
In diesem Haus wurde Karl Marx geboren. Es befindet sich in der Brückenstraße in Trier. Foto: ttm Trier/dpa-tmn
3 von 16
In diesem Haus wurde Karl Marx geboren. Es befindet sich in der Brückenstraße in Trier. Foto: ttm Trier/dpa-tmn
Marx&#39 erstes Haus im Londoner Stadtteil Hampstead, Adresse Grafton Terrace 46, ist nahezu unverändert erhalten. Hier lebte er von 1856 bis 1864. Foto: Christoph Driessen/dpa-tmn
4 von 16
Marx' erstes Haus im Londoner Stadtteil Hampstead, Adresse Grafton Terrace 46, ist nahezu unverändert erhalten. Hier lebte er von 1856 bis 1864. Foto: Christoph Driessen/dpa-tmn
Das Universitätsmuseum im Kurfürstlichen Schloss stellt Originaldokumente aus, die belegen, dass Karl Marx als junger Mann "wegen nächtlichen ruhestörenden Lärmens" eingebuchtet wurde. Foto: Christoph Driessen/dpa-tmn
5 von 16
Das Universitätsmuseum im Kurfürstlichen Schloss stellt Originaldokumente aus, die belegen, dass Karl Marx als junger Mann "wegen nächtlichen ruhestörenden Lärmens" eingebuchtet wurde. Foto: Christoph Driessen/dpa-tmn
Im Jahr 1845 setzte sich Marx nach Brüssel ab. Im Zunfthaus mit der Nummer 9 - leicht am barocken Schwan über der Eingangstür zu erkennen - verbrachte er viele Abende. Foto: Jean-Paul Remy/Visit Brussels/dpa-tmn
6 von 16
Im Jahr 1845 setzte sich Marx nach Brüssel ab. Im Zunfthaus mit der Nummer 9 - leicht am barocken Schwan über der Eingangstür zu erkennen - verbrachte er viele Abende. Foto: Jean-Paul Remy/Visit Brussels/dpa-tmn
Im Pub "Jack Straws Castle" versorgte sich Karl Marx sonntags regelmäßig mit Bier und Picknickproviant. Foto: Christoph Driessen/dpa-tmn
7 von 16
Im Pub "Jack Straws Castle" versorgte sich Karl Marx sonntags regelmäßig mit Bier und Picknickproviant. Foto: Christoph Driessen/dpa-tmn
Zeitgenössischer Vermerk (roter Pfleil links) über die Inhaftierung des jungen Karl Marx im Studentenkarzer (mit Abbildung des Karzers rechts) - ausgestellt im Universitätsmuseum im Kurfürstlichen Schloss in Bonn. Foto: Christoph Driessen/dpa-tmn
8 von 16
Zeitgenössischer Vermerk (roter Pfleil links) über die Inhaftierung des jungen Karl Marx im Studentenkarzer (mit Abbildung des Karzers rechts) - ausgestellt im Universitätsmuseum im Kurfürstlichen Schloss in Bonn. Foto: Christoph Driessen/dpa-tmn

Von Trier nach London

Auf den Spuren von Karl Marx durch Westeuropa

Im Jahr seines 200. Geburtstages ist Karl Marx allgegenwärtig. Der Mensch hinter dem Mythos ist dabei mitunter schwer zu fassen - es sei denn, man folgt ihm auf seiner Odyssee quer durch Westeuropa.

London (dpa/tmn) - Karl Marx und Friedrich Engels waren ziemlich beste Freunde. In ihrem gemeinsamen Londoner Exil trafen sie sich täglich, wohnten nur zehn Fußminuten voneinander entfernt.

Touristen können den genauen Weg noch heute nachgehen - und dabei das Wohlstandsgefälle erleben, das den meist erwerbslosen Philosophen von dem reichen Industriellensohn trennte.

Das perfekt erhaltene Haus von Engels befindet sich in der Regents Park Road 122 im superteuren Stadtteil Primrose Hill. Hippe Läden und Cafés reihen sich aneinander, und der gleichnamige Park Primrose Hill lockt mit einer fantastischen Aussicht über London.

Der Weg zu Marx führt über eine alte Eisenbrücke und quer über den steil ansteigenden Haverstock Hill, der die Londoner Innenstadt mit Hampstead verbindet. Ein kurzer Weg, nur wenige Straßen, und doch sind es unterschiedliche Welten: Marx' Adresse, die Maitland Park Road, ist geradezu trist. Das vierstöckige Haus, in dem der Autor des "Kapitals" seine letzten acht Lebensjahre verbrachte, steht nicht mehr, stattdessen ist hier sozialer Wohnungsbau entstanden. Viele Bewohner sind Migranten - wie Marx es war.

Es ist die Endstation eines Lebenswegs, der ganz woanders beginnt - im fernen Rheinland-Pfalz, in Trier. Ein Besuch dort macht vor allem eines deutlich: Der sozialistische Cheftheoretiker war selbst kein Proletarier. Dafür reicht ein Blick auf sein barockes Geburtshaus. Es hat durchaus etwas Herrschaftliches.

Das Haus in der Brückenstraße beherbergt heute ein Museum, das aber nicht mehr über die ursprüngliche Einrichtung verfügt und bisher hauptsächlich textlastige Schautafeln bot. Am 5. Mai 2018 - Marx' 200. Geburtstag - soll es neu gestaltet wiedereröffnen. Marx selbst hatte nie Erinnerungen an das Haus, denn schon ein Jahr nach seiner Geburt zog die Familie in die Simeongasse um.

Mit 18 Jahren verließ Marx seine Heimatstadt und ging zum Studieren nach Bonn. Im Universitätsmuseum im Kurfürstlichen Schloss sind Originaldokumente ausgestellt, die vermerken, dass er "wegen nächtlichen ruhestörenden Lärmens und Trunkenheit" im Studentenkarzer eingebuchtet wurde. Merkwürdigerweise hat sich das Museum deshalb zu einem Pilgerort für Touristen aus der Volksrepublik China entwickelt. "Sie amüsieren sich darüber", erzählt Archivdirektor Thomas Becker. "Vielfach sind sie sehr beeindruckt - wir haben aber auch schon die absolut gegenteilige Reaktion gehabt."

Da ihm seine Veröffentlichungen bald Probleme mit den preußischen Behörden brachten, setzte sich Marx 1845 nach Brüssel ab. Auch hier muss man sich nicht in die einstigen Arbeiterviertel begeben, um dem Autor des "Kommunistischen Manifests" nachzuspüren. Nein, der Weg führt geradewegs zum Grand Place. Hier befindet sich die Kneipe, in der er mit anderen Exilanten aus Deutschland zu debattieren pflegte. Das prächtige Zunfthaus mit der Nummer 9 ist leicht an dem barocken Schwan über der Eingangstür zu erkennen.

Das Revolutionsjahr 1848 verbrachte er dann überwiegend im liberalen Köln. Dort verlegte er die einflussreiche "Neue Rheinische Zeitung". Leider sind die Redaktionsräume am Heumarkt im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges untergegangen.

Als der Elan der Revolution 1849 verpuffte, verließ Marx seine Heimat, um nie mehr zurückzukehren. Er zog mit seiner Frau Jenny von Westphalen - eine echte Adelige, worauf er ungemein stolz war - und drei kleinen Kindern nach London. Genauer: ins Ausgehviertel Soho. In der Dean Street 28 erinnert an ihn eine der blauen Plaketten, mit denen die Stadt auf berühmte Bewohner hinweist.

1856 konnte es sich Marx dank einer kleinen Erbschaft von Jenny erlauben, in eine bessere Gegend im Norden Londons zu ziehen, nach Hampstead. Zunächst wohnte er im Haus Grafton Terrace 46, das von außen unverändert erhalten ist. Nach weiteren Erbschaften mieteten sie 1864 sogar ein frei stehendes Haus mit großem Garten ganz in der Nähe: Modenas Villas Nr. 1, in der Maitland Park Road. Dieses Haus ist schon lange zu Staub zerbröselt. Schließlich zog das Ehepaar 1875 in ein kleineres Haus mit der Adresse Maitland Park Road 41. 

Mit dem Bus, damals noch von Pferden gezogen, fuhr Marx jeden Tag zur British Library, wo er von morgens bis abends im Lesesaal anzutreffen war. Er arbeitete dort an der "ökonomischen Scheiße", wie er es nannte. Gemeint war "Das Kapital". Sonntags entspannte sich Marx mit seiner Familie auf Hampstead Heath, einem Wald- und Wiesengebiet, auch heute noch eines der beliebtesten Ausflugsziele der Londoner.

Marx lebte von 1849 bis zu seinem Tod 1883 in London, aber er bewegte sich dort fast ausschließlich unter Landsleuten und verlor nie seinen starken deutschen Akzent. Anfang der 1880er Jahre ging es mit seiner Gesundheit bergab. Als Engels am Nachmittag des 14. März 1883 zu seinem üblichen Besuch bei ihm in der Maitland Park Road eintraf, fand er ihn tot in seinem Lieblingssessel am Kamin vor. Drei Tage später, am 17. März, wurde Marx im benachbarten Highgate neben der 15 Monate zuvor verstorbenen Jenny bestattet.

Ein Besuch auf dem verwunschenen Friedhof ist der krönende Abschluss der Marx-Reise. Schiefe Kreuze, verwitterte Grabsteine, halb überwuchert von Bäumen und Sträuchern - und dann plötzlich der Kopf eines bärtigen Riesen. "Charlie", wie er hier auf dem Friedhof genannt wird. Das bombastische Grabdenkmal stammt aus den 1950er Jahren. Marx als Ikone, als Held des Sozialismus. Aber wer es bis hierher geschafft hat, ahnt nun, dass sich hinter dem Prophetenbart ein echter Charakterkopf verbarg: ein Mensch mit Ecken und Kanten, mit dem man zu gern mal einen Abend im Pub verbracht hätte.

Karl-Marx-Haus

Universitätsmuseum

Friedhof Highgate

London

Anreise und Formalitäten: Nonstop-Flüge gibt es von den meisten deutschen Flughäfen. Per Zug fährt man mit dem Eurostar zentral im Hauptbahnhof St Pancras ein. Deutsche Staatsangehörige brauchen für die Einreise nur einen gültigen Personalausweis.

Währung: Das britische Pfund ist nach der Brexit-Entscheidung deutlich billiger geworden und kostet jetzt noch 1,12 Euro.

Informationen: Visit Britain, Alexanderplatz 1, 10178 Berlin, Tel.: 030/315 71 90.

Auch interessant

Meistgesehene Fotostrecken

Warum Chalet-Dörfer in den Alpen so beliebt sind
Ob Sommer, Herbst oder Winter: Chalet-Dörfer in den Alpen sind die gemütliche Alternative zum Hotel. Die Ferienhäuser bieten viel Platz und oft jede Menge …
Warum Chalet-Dörfer in den Alpen so beliebt sind
Zehn Gründe für Sylt im Winter
Sylt ist den meisten eher als Sommerziel geläufig. Bietet sich ja auch an bei dem ellenlangen Strand. Aber auch im Winter hat die Nordseeinsel einiges zu bieten: neben …
Zehn Gründe für Sylt im Winter
In Leipzigs Baumwoll-Spinnerei herrscht die Kunst
Die Neue Leipziger Schule hat hier ihre Wurzeln, Kunststar Neo Rauch noch immer ein Atelier: Die Leipziger Baumwoll-Spinnerei hat sich zu einer kreativen Stadt in der …
In Leipzigs Baumwoll-Spinnerei herrscht die Kunst
Die Hafencity kommt langsam in Hamburg an
Vor 14 Jahren zog der erste Bewohner ein, vor rund 11 Jahren begann der Bau der Elbphilharmonie. Inzwischen ist die Hamburger Hafencity recht gut belebt, auch viele …
Die Hafencity kommt langsam in Hamburg an