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Eine andere Wahrnehmung: Teilnehmer eines Blindwalks gehen mit Axel Rudolph, dem Erfinder dieser außergewöhnlichen Stadtführung, am Kölner Dom vorbei.

Augen zu und los: Blindwalk durch Köln

Städte kann man zu Fuß, mit dem Radl oder per Bus erkunden, man kann unter einem bestimmten Thema unterwegs sein oder nur in ausgewählten Vierteln, mit einheimischen Experten oder auf eigene Faust.

In Köln geht es seit Kurzem mit verbundenen Augen durch die Stadt – bei Deutschlands erstem sogenannten Blindwalk. In zwei bis zweieinhalb Stunden marschiert die kleine Gruppe mit maximal sechs Teilnehmern vom Museum Ludwig aus am Hauptbahnhof vorbei zum Dom, danach am Heinzelmännchen-Brunnen und Römisch-Germanischem Museum vorbei zum Heinrich-Böll-Platz und dann über die Hohenzollernbrücke bis zum Endpunkt Bruegelmannhaus. Dabei laufen je drei Blindwalker hintereinander und halten sich an den Rucksackschlaufen des Vordermannes fest, der Tourguide geht mit einem Rucksack voran, an dem zwei Halterungen für die Hintermänner befestigt sind.

Die blickdichten Masken sorgen für ungewohnte Sinneseindrücke.

Die Augen der Teilnehmer sind mit lichtdichten Masken verbunden, Kontakt zum Führer der Gruppe haben sie per Ohrstöpsel und Mikrofon. Neben den klassischen Informationen zu den architektonischen, archäologischen und künstlerischen Höhepunkten im Zentrum Kölns sollen die Teilnehmer die Stadt auch ertasten, riechen und fühlen. Zum Rundgang gehören zudem ein Picknick oder eine Weinprobe als Abschluss, wobei selbstverständlich die Maske aufgesetzt bleibt. Auf die ersten Gruppen reagierten die Kölner zumeist interessiert und überhaupt nicht abweisend. Meist sei es zu einem sehr aufgeschlossenen Austausch zwischen Passanten und Blindwalkern gekommen, sagt der Erfinder des Blindwalk, Axel Rudolph.

„Ein paar fragten aber auch, was für eine Therapiegruppe da unterwegs sei“, und ein ganz Lustiger wollte die verunsicherten Blinden noch mehr verwirren, indem er sie fragte, wie ihnen Hamburg denn so gefalle. Teilgenommen haben an den Führungen auch Blinde und Sehbehinderte. Sie müssen sich ansonsten im Alltag mühsam orientieren und sind fast immer am Analysieren der Eindrücke auf potenzielle Gefahren hin. „Beim Blindwalk konnten sie dagegen die Geräusche und Bodenbeläge ganz entspannt genießen“, sagt Axel Rudolph. Der Tour­guide sorge für die Sicherheit und alle Informationen über die Umgebung.

Nach der Tour berichten die Teilnehmer von ganz besonders intensiven Eindrücken. Kaffeedüfte, frisch gebackenes Brot, Parfüm, selbst den Geruch von Kölsch aus einer Kneipe hätten sie wahrgenommen. Auch ob man in der Sonne oder im Schatten unterwegs war, habe man gespürt und die Gespräche der anderen Passanten, die Klänge der Straßenmusikanten viel intensiver registriert. Besonders beeindruckend, so Rudolph, sei der Gang über die Hohenzollernbrücke am Hauptbahnhof: „Die lauten Geräusche und die Vibrationen unter den Füßen erinnern die Teilnehmer an eine rasante Achterbahnfahrt.“ Zum Abschluss des Blindwalks, wenn die Masken wieder abgenommen sind, erhalten die Teilnehmer eine Karte, auf der die gerade gegangene Route eingezeichnet ist. Damit man das Erlebte noch einmal sehend nachvollziehen kann.

V. Pfau

DIE INFOS ZUM BLINDWALK

Der Blindwalk durch Köln findet nach der Winterpause wieder ab dem 17. März immer samstags (15 Uhr) und sonntags (11 Uhr) statt. Die Teilnahme kostet 35 Euro (inkl. Picknick). Weitere Info und Buchung bei Köln Ticket unter Tel. 02 21/28 01 oder im Internet unter www.blindwalk.de.

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