+
Das toskanische Dorf Fighine drohte, dem Zahn der Zeit zum Opfer zu fallen - zwei Südafrikaner fassten sich ein Herz und kauften es.

Stein auf Stein

Touristen retten toskanische Dörfer

Rom - Italien bietet mehr als schiefe Türme und schöne Strände - immer mehr Ausländer kaufen sich verfallene Häuser oder sogar ganze Dörfer und retten sie vor dem Zahn der Zeit.

Zypressen, Kastanienbäume, Pinien und Eichen umgeben das malerische Dorf Fighine in den toskanischen Bergen bei Siena. Es drohte, wie so viele verlassene Mini-Ortschaften irgendwo in Italien, ganz dem Zahn der Zeit zum Opfer zu fallen. Die „Retter“, Max und Joy Ulfane, stammen aus Südafrika - und hatten aus Liebe zur pittoresken Toskana nicht nur eine Villa, sondern dieses ganze Dorf gekauft. Um die mittelalterlichen Steingebilde rund um ein Schloss nach und nach wieder auf Vordermann zu bringen. „Wir wollten immer etwas in Italien besitzen“, erinnert sich Joy. Also gut, dass Max ein Bankexperte ist.

Seit 18 Jahren arbeiten die beiden Südafrikaner an dem toskanischen Dorf

Von Ligurien im Nordwesten von „Bella Italia“ bis nach Sizilien legten Deutsche, Schweizer, Holländer, Engländer und vor allem auch Amerikaner in den vergangenen Jahren Hand an, um sich im Schweiße ihres Angesichts und mit einer Finanzierung im Rücken den mediterranen Traum zu erfüllen. So wie Max und Joy Ulfane, die von London aus immer wieder nach Italien zum Urlaub angereist waren, bevor sie dann Nägel mit Köpfen machten. Das restaurierte Fighine ist heute fest in angelsächsischer Hand, präsentiert sich im Internet nur auf Englisch.

„Es sah aus wie eine schlafende Schönheit, mit Efeu bedeckt“, sagt Max Ulfane der dpa, wie es in Fighine vor 18 Jahren aussah, als sie das Mini-Dorf erwarben. Nach zähen Verhandlungen machten sie dann aus dem Chaos über die Jahre hinweg Ordnung. „Was man noch mehr braucht als Geld, das ist Geduld“, fügt Joy an. Immerhin hatte in dem verlassenen Dorf, in das sie sich verliebt hatten, kaum ein Haus noch ein heiles Dach. So war über Jahre viel fachmännische Hilfe gefragt.

Der "italienische Traum" lebt trotz Eurokrise weiter

Landflucht in Boomzeiten ließ anmutige kleine Dörfer, oft mit einer bereits wackeligen Burg oder einem Kastell, in italienischen Tälern oder an den Berghängen im Landesinneren zurück. Meist waren es dann ausgesprochene Italien-Freaks, die mit ansteckender Energie dann andere mitzogen. Wie in dem 450-Seelen-Dorf Airole im ligurischen Val Roja. Dort ist heute jeder dritte stolze Hausbesitzer ein Ausländer, Deutsche, Niederländer und Franzosen tragen zu einem kosmopolitischen Europa im Mini-Format bei. Krise hin, Krise her, 2012 kauften 4600 ausländische Familien Häuser in Italien, Tendenz steigend, hielt der „Corriere della Sera“ fest. Der „italienische Traum“ besteht weiter.

Aber auch ausländische Unternehmen möbeln italienische Dörfer auf und modernisieren sie. So kaufte der Touristikkonzern TUI vor sechs Jahren das Dorf Castelfalfi im Herzen der hügeligen Toskana. Ein paar Leute lebten dort noch, die insgesamt 26 Bauernhäuser waren zu Ruinen verfallen. Der Konzern investierte Hunderte Millionen Euro in das mittelalterliche Dorf: Landhäuser und Appartements entstanden, auch ein Golfplatz und eine Osteria eröffnet, die Burg wird noch umgebaut. „Nachhaltigkeitsaspekte haben dabei oberstes Gebot“, hält TUI fest, ökologische Landwirtschaft und eigene Energieversorgung sind wichtig. So wird die Jahrhunderte alte Kulturlandschaft Toskana runderneuert.

Auch viele Deutsche und Engländer gehören zu den "Erneuerern"

Wie man so einen Boom beschleunigt, das hat die Autorin Frances Mayes von der US-Westküste Ende des Jahrhunderts vorgemacht: Mit dem Bestseller „Under the Tuscan Sun“ (Unter der toskanischen Sonne) hat sie vielen ihrer Landsleute Italien nahegebracht, wie der Engländer Peter Mayle den Briten die Provence. „Ich bin dabei, ein Haus in der Toskana zu kaufen“, beginnt sie darin ihre Liebesbeziehung zu dieser Landschaft der Olivenhaine, Weinberge und Mischwälder. Indem sie eine aufgegebene Villa in der Toskana erwirbt und liebevoll restauriert (und anschaulich beschreibt), öffnet Mayes eine „Tür der Sehnsucht“ in eine neue Welt. Der reinen Faszination werden so Beine gemacht.

Heute sind Amerikaner nicht nur in Fighine präsent. Das Dorf Casole bei Siena ist fest in ihrer Hand, und auch in Irsina in der Basilikata gehören sie neben Deutschen und Engländern zu den „Erneuerern“. Die Faszination des Südens scheint so jeder Krise zu widerstehen. Landschaftlich reizvoll, von Natur wie von Nostalgie etwa des Mittelalters umgeben, abgeschieden und sicher ist man hier. Und das sehen auch Kanadier, Belgier, Schweizer, Österreicher und Südafrikaner so, die vielerorts ebenfalls Stein auf Stein setzen - nachdem sie diese zuvor zu erschwinglichen Preisen aufgekauft haben.

dpa

Die Top 10 Reiseziele für Weinfreunde

Die Top 10 Reiseziele für Weinfreunde

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Die F.re.e 2018 als Reise- und Freizeitmesse zum Mitmachen
Am Tag, als wir uns zum Interview treffen, hat Thomas Dreßen gerade das Hahnenkammrennen in Kitzbühel gewonnen und Messechef Reinhard Pfeiffer ist noch ganz beseelt von …
Die F.re.e 2018 als Reise- und Freizeitmesse zum Mitmachen
Dauerbrenner: So lacht das Netz über dieses Urlaubsfoto
"Dein Körper ist wie ein Tempel" besagt eine Weisheit. In diesem Fall trifft aber wohl eher etwas anderes zu: Sein Körper gleicht einer Insel.
Dauerbrenner: So lacht das Netz über dieses Urlaubsfoto
Weiterhin sehr gute Schneeverhältnisse
Der Winter hat Deutschland fest im Griff. Das sind gute Nachrichten für die Ski-Enthusiasten. In den Skigebieten gibt es durchweg gute Bedingungen für Langläufer …
Weiterhin sehr gute Schneeverhältnisse
"Ekelhaft": So skandalös reiste ein Paar durch Neuseeland
Ein Paar wollte auf Reisen Geld sparen - und machte sich damit richtig unbeliebt. Denn dazu wählte es skandalöse Methoden.
"Ekelhaft": So skandalös reiste ein Paar durch Neuseeland

Kommentare