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Der Strand von Barceloneta einem Standviertel von Barcelona.

„Sauftouristen raus!“

Barcelona protestiert gegen Partyurlauber

In Barcelona herrscht Unmut über die Exzesse trinkfreudiger Partyurlauber. Der aufgestaute Ärger entlädt sich nun erstmals in öffentlichen Protesten im Strandviertel Barceloneta.

„Sauftouristen raus!“ Die Bewohner von Barceloneta haben genug von trinkfreudigen Urlaubern, die ihnen mit ihren Partys den Schlaf rauben. In dem unmittelbar am Strand gelegenen Stadtteil von Barcelona kommen seit Anfang der Woche Nacht für Nacht Hunderte Menschen zu Kundgebungen zusammen, um gegen lärmende Partytouristen zu protestieren.

Ähnlich wie in Berlin-Kreuzberg hatte sich in dem ehemaligen Fischer- und Arbeiterviertel schon seit längerem Unmut über die wachsende Zahl junger Urlauber breitgemacht, die mit Billigreisen zum Feiern in die zweitgrößte Stadt Spaniens kommen. Die Bewohner klagten darüber, dass betrunkene Touristen in die Hauseingänge pinkelten und in Ferienwohnungen bis tief in die Nacht lautstark gefeiert werde. „Ich bin arbeitslos und lebe mit drei Kindern in einer kleinen Wohnung“, berichtete Andrés Antebi der Zeitung „El País“. „Wir haben kein Geld für Urlaubsreisen und müssen jede Nacht von nebenan das Geschrei der feiernden Touristen hören. Das ist nicht auszuhalten.“

Der aufgestaute Ärger entlud sich nun erstmals in offenen Protesten gegen die Exzesse des Tourismus. So etwas hatte es in der katalanischen Metropole bisher nicht gegeben. „Rebellion in Barceloneta“, titelte die Zeitung „La Vanguardia“ am Donnerstag. Die Bewohner fürchten, dass ihr Viertel zu einem „zweiten Lloret de Mar“ wird. Der Badeort an der Costa Brava hatte schon häufiger als Hochburg trinkfreudiger Partytouristen für Schlagzeilen gesorgt.

Benimm-Regeln für Touristen

Das auf einer Halbinsel gelegene Barceloneta war von Touristen lange Zeit gemieden worden, obwohl es unmittelbar an einen breiten Sandstrand angrenzt. Der Stadtteil galt als Armenviertel, in den kleinen Wohnungen lebten vor allem Fischer und Industriearbeiter. Dies änderte sich, als zu den Olympischen Spielen 1992 eine Strandpromenade angelegt und ein Teil der Gebäude in den engen Straßenschluchten renoviert wurde. Damit wurde das Viertel auch für den Tourismus interessant.

Die Proteste richten sich vor allem dagegen, dass Wohnungen illegal als Ferienappartements vermietet werden. Dort kontrolliert niemand, wie viele junge Urlauber Quartier beziehen und ob die Nachtruhe eingehalten wird. Nach Informationen der Lokalpresse sind in Barceloneta, wo etwa 16.000 Menschen leben, nur 72 Ferienwohnungen legal zugelassen. Die Demonstranten schätzen die Zahl der illegalen Quartiere auf mehr als 1000.

Illegale Ferienwohnung

Ausgelöst hatte die Proteste ein eher harmloser Vorfall. Eine kleine Gruppe von Urlaubern war völlig nackt durch die Hauptstraße des Viertels spaziert und in einen Supermarkt gegangen. Der Besitzer wies die jungen Männer hinaus. Ein Anwohner fotografierte die Szene und verbreitete die Bilder im Internet. „Dies war kein Einzelfall. Die Touristen tun hier, was sie wollen“, beklagte der Hobbyfotograf.

Die Einheimischen sahen darin nicht nur eine Unanständigkeit oder ein schlechtes Benehmen. „Sie empfanden den Vorfall zutiefst als eine Provokation und als eine beleidigende Demonstration von Respektlosigkeit“, berichtete „La Vanguardia“. Das Blatt wies allerdings auch darauf hin, dass die Urlauber Barcelona viel Geld einbringen. „Gegen den Tourismus insgesamt zu demonstrieren, ist so, als würde man Steine auf das eigene Dach werfen.“

Die Stadtverwaltung verstärkte die Polizeikräfte in dem Viertel und kündigte an: „Wir werden mit ungesittetem Benehmen null Toleranz walten lassen.“ Barcelona hatte schon vor Jahren eine Verordnung mit „Benimmregeln“ erlassen. Die angedrohten Geldstrafen scheinen jedoch die erhoffte Wirkung verfehlt zu haben.

dpa

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