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Arbeiter fräsen am 15.08.2014 an der Autobahn 9 (A9) in der Nähe von Allershausen (Bayern) mit einer Maschine an einer Baustelle die alte Fahrbahndecke ab.

Die wichtigsten Projekte

Baustellen: Wo es in Bayern eng wird

München - Viele Autobahnen und Brücken in Bayern sind in die Jahre gekommen. Mehr als 155 Brücken werden saniert oder neu gebaut, an insgesamt 180 Kilometern Autobahn wird gearbeitet - teilweise sieben Tage in der Woche, rund um die Uhr.

Das Dorf Allershausen im Landkreis Freising ist für viele Autofahrer ein Synonym für Mega-Autobahnstau. Seit Monaten ärgern sich über die Engstelle tausende Pendler. 17 Kilometer lang ist die Baustelle an der A9 in Richtung Nürnberg, zeitweise staut sich der Verkehr bis nach München. Die Autobahn ist - wie viele andere im Freistaat - in die Jahre gekommen und wird ausgebaut. Bis zu 300 Arbeiter sind hier jeden Tag rund um die Uhr im Einsatz. Ein gefährlicher Job, für den sie von genervten Autofahrern oft beschimpft werden.

„Die Arbeiter haben einen extrem stressigen Job - und sie arbeiten für die Allgemeinheit“, sagt Josef Seebacher, Sprecher der Autobahndirektion Südbayern. Er appelliert an das Verständnis der Autofahrer. Bis zu 150 000 Fahrzeuge passieren täglich bei Allershausen den Baustellenbereich. Um die Arbeiter zu schützen, sei das Tempo hier auf 60 Stundenkilometer gedrosselt worden. Zudem werde von der Polizei intensiv kontrolliert und geblitzt. Anders ließen sich viele Autofahrer nicht bremsen, sagt Seebacher. „Am Steuer bricht irgendwie das Schlechte im Menschen durch.“

Ein großer Teil der Autobahnen wurde in den 70er- und 80er-Jahren gebaut. Bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von 30 Jahren seien sie nun alle in einem kritischen Alter, erklärt Seebacher. Brücken hätten eine Haltbarkeit von bis zu 80 Jahren und müssten nach etwa 30 bis 40 Jahren instand gesetzt werden. „Wenn das zu teuer wird, reißen wir eine Brücke ab und bauen neu.“

Auf die Autofahrer kommen also in den nächsten Jahren so einige Baustellen zu. „Warum soll ich mich aufregen?“, fragt zum Beispiel Gabriele Lippert. Sie fährt mehrmals im Monat aus dem sächsischen Vogtland nach München, die Handwerker ihres Betriebes pendeln jede Woche. „Wir wollen ja, dass gebaut wird, damit man dann schneller vorankommt.“ Bis zwei Stunden länger dauere die Fahrt zurzeit. „Wir hoffen einfach, dass die Baustelle bald vorbei ist.“

Immer öfter geht die Autobahndirektion dazu über, eine große Baustelle über einen längeren Streckenabschnitt einzurichten, statt vieler kleiner. In dieser einen Großbaustelle wird gleich alles Notwendige erledigt - auch eine Brücke, die vielleicht erst in zwei Jahren fällig wäre. Da passiert es Seebacher zufolge auch, dass nicht gleichzeitig in jedem Baustellenabschnitt gearbeitet wird. Worüber sich manche Autofahrer vielleicht ärgern.

Auf den 17 Kilometern bei Allershausen werden innerhalb von sechs Monaten die Standstreifen zu einer vierten Spur ausgebaut und 27 Brücken saniert. Die Standstreifen sind dünner gebaut, weil sie weniger belastet werden. Um sie für Lastwagen freigeben zu können, müssen sie erneuert werden. 2015 folgt das gleiche Projekt in der Gegenrichtung.

„Wir wollen den Verkehr so wenig möglich behindern“, sagt Seebacher. „Wir können es uns nicht leisten, die Hauptverkehrsadern unnötig lange zu unterbrechen.“ Getrödelt wird auf den Baustellen nicht. Davon hat sich kürzlich bei Allershausen auch Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) überzeugt. Allein die Nachtarbeit erhöhe die Baukosten um 25 Prozent. Wenn Baufirmen Termine nicht einhalten, müssen sie dem Minister zufolge Strafe zahlen. Rund 450 Millionen Euro investiere der Freistaat 2014 in die Autobahnen.

Bruno Seufert ist meist dabei, wenn es in Bayern eine Autobahn-Großbaustelle gibt. Der 54-Jährige ist bei Allershausen einer der Projektleiter. Mit einer orangefarbenen Warnweste geht er die Baustelle entlang. Etwas entfernt rollen Bagger über den sandigen Untergrund und verschwinden fast in einer Staubwolke. Im Hintergrund reiht sich Auto an Auto, Lastwagen an Lastwagen.

Der Baubereich reicht direkt an die Autobahn heran, Sattelzüge rollen vorbei - trotz der Tempobeschränkung wirkt es aus der Nähe, als würden sie rasen. „Sicherheitsabstand ist mindestens 80 Zentimeter“, sagt Seufert. Manchmal müssen die Arbeiter noch näher ran an die Autos. „Wenn ein Lkw den Außenspiegel tief hängen hat, kann es eng werden.“ Deswegen ist höchste Konzentration gefordert. Die Arbeiter müssen den Verkehr immer mit im Blick haben - und auch mal zur Seite springen. „Die Gefahr ist immer da, an sie gewöhnt man sich nie - und das ist auch gut so.“

Neben der Gefahr machen auch die Arbeitszeiten, schlechte Bezahlung und das Wetter den Bauarbeiter das Leben schwer. Schichtdienste im Sommer, Phasen ohne Arbeit im Winter, dazu Regen, Hitze, Dreck und Lärm. Für junge Menschen alles Argumente, einen anderen Beruf zu wählen. „Es ist schwierig, guten Nachwuchs zu bekommen“, sagt Seufert. Und beschimpft werden die Bauarbeiter auch oft. „Da geht schon mal ein Autofenster runter und ein Fahrer begrüßt uns.“

Aktuelle Großbaustellen auf Bayerns Autobahnen

Das Autobahnnetz in Bayern ist etwa 2500 Kilometer lang. Auf rund 180 Kilometern wird zurzeit gebaut. Investiert werden nach Angaben des Verkehrsministeriums in diesem Jahr rund 450 Millionen Euro in den Autobahnbau.

Zu den Großprojekten gehören die Baustelle auf der A9 bei Allershausen (Kreis Freising), der sechs- und siebenstreifige Ausbau der A3 im Spessart Richtung Frankfurt oder die Erneuerung der A70 bei Kulmbach. Hier wird das letzte Stück einer Vorkriegsautobahn erneuert, wie Ursula Birg von der Autobahndirektion Nordbayern sagt. „Das war noch eine alte Betonbuckelpiste.“

An einer sogenannten Blitzbaustelle auf der A9 bei Garching sollen Ende August eineinhalb Kilometer Fahrbahn an nur einem Wochenende komplett erneuert werden. Rund 300 Arbeiter sind dann im Einsatz. „Die Pendler, die am Freitag heimfahren, werden am Montag nicht merken, dass es eine Baustelle gab“, sagt Josef Seebacher von der Autobahndirektion Südbayern.

In dem Bereich sind täglich rund 200 000 Fahrzeuge unterwegs. Da soll der Verkehr so wenig wie möglich unterbrochen werden. Die Auswahl der infrage kommenden Wochenende für die Blitzbaustelle ist klein. „Es dürfen keine Messe, kein Fußballspiel in der Allianz-Arena und auch nicht das Oktoberfest stattfinden.“

Weil nur im Sommer gebaut werden kann, fallen die Baustellen zwangsläufig in die Hauptferienzeiten, wie Seebacher erklärt. Jedoch fällt während der Ferien ein Teil des Pendlerverkehrs weg.

Eine Großbaustelle, die den Autofahrern in Bayern noch bevorsteht ist Seebacher zufolge der Ausbau der A8 in Richtung Salzburg. „Die stammt noch von 1938, und seitdem wurde nichts daran gemacht.“

dpa

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