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In der ersten Reihe: Zehn Münchner Jugendliche klettern 1966 auf das Dach des „Bayerischen Hofs“, um die Beatles (u.) hautnah zu erleben.

175-jähriges Jubiläum

Herberge der Prominenten: Hotel Bayerischer Hof

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Der Bayerische Hof ist Münchens ältestes Luxushotel. Im Auftrag von König Ludwig erbaut, blühte das Haus unter der Leitung der Familie Volkhardt auf. Hier gehen die Prominenten ein und aus – und hier dürfen sie sein, wie sie sind.

Popsänger Robbie Williams gehört gleich die erste Seite im Jubiläumsbuch des Bayerischen Hofs. Das sagt schon viel aus, denn der Kindskopf hat schlicht „Oh, Shit!“ ins Gästebuch geschrieben. Das hätten er und seine Tourbegleiter unisono gerufen, als sie das Hotel wieder verlassen mussten. 175 Jahre wird Münchens erste und bekannteste Luxusherberge alt, und noch immer scheint ihre Maxime zu sein, dass hier zwar nicht jeder sein kann (dafür ist’s zu teuer). Aber jeder kann hier sein, wie er ist.

Einen populären Schelm wie Williams – oder sogar einen Pop-König wie Michael Jackson, dessen Denkmal heute vor dem Haus steht – kann sich Joseph Anton von Maffei sicher noch nicht als Gast vorstellen. Im Jahr 1839 betraut der Unternehmer Architekt Friedrich von Gärtner mit dem Bau eines neuen Hotels. König Ludwig I. hat sich eine standesgemäße Herberge für die vielen Gesandten und Politiker gewünscht, die er einlädt. Sie soll „Bayerischer Hof“ heißen. Maffei lässt sie gleich neben seinem eigenen Palais am Promenadeplatz errichten.

Michael Jackson zeigt sich volksnah.

Anfangs wechseln die Pächter schnell, das Hotel scheint seiner Aufgabe nicht wirklich gerecht zu werden – auch wenn Richard Wagner gerne nach abendlichen Konzerten zum Tee hierher kommt. Erst ein Zuckerbäcker aus dem Odenwald macht aus dem Prachtbau ein wahres Grandhotel: 1897 kauft Herrmann Volkhardt das Haus für stolze 2,85 Millionen Goldmark, wenig später noch weitere 5000 Quadratmeter an der benachbarten Prannerstraße. Dafür muss der Vater von neun Kindern fast seinen gesamten Besitz veräußern und hohe Kredite aufnehmen. Doch er hat eine Vision: Wie in anderen Metropolen und in Luftkurorten der Belle Époque sollen die Hotelgäste elegant zwischen Traum und Wirklichkeit wandeln könnnen.

Manchesmal wird hier auch Geschichte geschrieben. So hält Franz Kafka hier seine einzige Lesung in Deutschland – und wird von der Presse verrissen. Die Väter der Psychoanalyse, Siegmund Freud und C.G. Jung überwerfen sich während eines Aufenthalts im Luxushotel.

Nach Herrmanns Tod übernimmt Sohn Hermann – und muss gleich mit mehreren Katastrophen klarkommen. 1911 brennt es im Hotel. 1918 wollen die Revolutionäre der Räterepublik hier mit vorgehaltenem Revolver ihr Hauptquartier beziehen. In der Eingangshalle tritt Volkhardt ihnen entgegen und erklärt würdevoll: „Ich bin machtlos, wenn Sie das Hotel mit Gewalt beschlagnahmen – aber dann beginnen Sie ihre Regierung mit einem Unrecht.“ Die Revolutionäre ziehen wieder ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg muss der Hotelier sein Haus komplett wieder aufbauen, doch er sagt zu seinem Sohn Falk nach dessen Rückkehr: „Es ist besser, unser Hotel ist kaputt, als dass du nicht aus dem Krieg zurückgekommen wärst.“

Curd Jürgens mit Gattin Margit beim Filmball 1977.

Unter Falk Volkhardt wird der Bayerische Hof – ab 1969 erweitert durch das Palais Montgelas – dann der glanzvolle Mittelpunkt des Münchner Gesellschaftslebens. Das sieht man nicht zuletzt daran, dass der Klatschreporter-Pionier Hannes Obermaier, genannt Hunter, hier quasi ein zweites Büro aufmacht. Er lässt sich mit Volkhardts Duldung eine Telefonleitung und einen Briefkasten an die Tagesbar des Hotels installieren – Falk selbst weiß sich zu amüsieren. Im Rahmen des Filmballs. In den 60ern ist das. „Mein Vater hat Hunter ganz offenherzig mit Informationen versorgt“, erinnert sich dessen Tochter Innegrit, die das Hotel heute in vierter Generation leitet. Derlei Transparenz sei heute freilich nicht mehr möglich.

2500 Veranstaltungen im Jahr finden hier heute statt, ins öffentliche Bewusstsein dringen vor allem große wie der illustre Filmball und die weithin abgeschirmte Sicherheitskonferenz. Fast die Hälfte des Umsatzes macht das Unternehmen heute mit Gastronomie. Es gibt eine Rooftop-Bar, den „Nightclub“, in dem internationale Jazz-Größen auftreten. Das Hotel beherbergt zudem mit der „Komödie“ einen eigenen Theatersaal.

Mit Herrmann Volkhardt nahm eine glorreiche Ära ihren Anfang.

Und natürlich kommen sie nach wie vor, die Mick Jaggers und Woody Allens, die Claudia Schiffers und Cameron Diazes. Sie alle dürfen hier luxuriös nächtigen und doch sein, wie sie sind. Denn diese Unkompliziertheit habe sie sich von ihren Vorfahren erhalten, sagt Innegrit Volkhardt. Und so gelingt im Hotel Bayerischer Hof noch heute der Spagat zwischen Exklusivität und Volksnähe, zwischen höchstem Niveau und Wohlfühl-Atmosphäre. „Alles ist auf eine beglückende Art und Weise gar nicht wahr“, hat ein anderer Kindskopf ins Gästebuch geschrieben – der Zeichner Janosch. Und damit beschreibt er wohl ziemlich genau das, was sich schon König Ludwig und Herrmann Volkhardt gewünscht haben.

Von Johannes Löhr

Das Buch

„Begegnungen – 175 Jahre Bayerischer Hof“ erschienen im Condé Nast Verlag GmbH ist für 39,90 Euro im Handel erhältlich.

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