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Das ist meine Stadt: Berlin Greeter Hans Strömsdorfer (li.) zeigt zwei australischen Touristen die charmanten Ecken der Spree-Metropole.

Berlin ganz privat

Sie planen in diesen Tagen eine Reise nach Berlin? Sie wollen von der Hauptstadt mehr sehen als die einschlägigen Touristen-Attraktionen?

Dann sollten Sie sich mit einem Berlin Greeter verabreden. Diese privaten Fremdenführer nehmen Besucher an die Hand und zeigen ihnen die Stadt aus ihrer ganz persönlichen Perspektive.

Verwundert stehen die beiden Australier in dem kleinen Wäldchen mitten in Berlin Kreuzberg, Prinzessinnengarten genannt. Bess Moylan zeigt auf die vielen Vogelhäuschen und fragt nach der Bedeutung dieser Holzkästen mit Loch. „Ach so“, sagt sie nach der Erklärung und lacht: „Bei uns bauen die Vögel Nester.“

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Hans Strömsdörfer weiß eine Antwort auf alle Fragen seiner Touristen. Gerade zeigt er den Gästen von down under, wie ein nachbarschaftliches Garten-Projekt funktioniert. Wie Pflanzen in Kisten wachsen, damit sie problemlos an den nächsten Ort transportiert werden können, falls die kurzfristigen Verträge der Hobby-Gärtner mal wieder nicht verlängert werden und sie umziehen müssen. Jetzt klärt er über Vogelhäuschen auf.

Strömsdörfer ist ein freiwilliger Berlin Greeter. Der 29-Jährige, der seine Mütze lustig schräg auf dem Kopf trägt, bietet Spaziergänge durch die Stadt an. „Aber wir sind keine Tour Guides“, betont Strömsdörfer. Für jeden Besucher denkt er sich ein individuelles Programm aus, jeder Gast darf seine eigenen Wünsche und Präferenzen formulieren, aus welchem Blickwinkel ihn die Stadt besonders interessiert. Und jeder bekommt ganz persönliche Berlin-Geschichten zu hören.

Die Idee, Besuchern wie einem Freund die Stadt zu zeigen, entstand 1992 in New York. „Momentan schwappt es über den Globus“, sagt Philipp Wilimzig, der die Greeter in der deutschen Hauptstadt zusammen mit Stefanie Jost gegründet hat. Die Berliner sind das jüngste Mitglied im Global Greeter Network, das momentan 23 Städte umfasst.

Die Geschichte der Berliner Mauer

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Jeder Greet, wie die Touren entsprechend dem englischsprachigen Vorbild heißen, laufe anders ab, erklärt Stefanie Jost. Einmal hätten die Besucher stundenlang in einer Kneipe Anekdoten über den Prenzlauer Berg gelauscht, weil die Kälte draußen einen langen Spaziergang unmöglich machte. Ein andermal fragte eine Familie nach Plätzen in Berlin, wo sie Ostereier suchen kann.

Wer einen Greeter treffen will, muss zuerst in einem Formular auf der Homepage angeben, welche Sprache er spricht und was ihn interessiert. „Wenn wir den Eindruck haben, da will jemand Berlin nur von außen sehen, dann verweisen wir auf professionelle Stadtführungen – was wir vermitteln, sind Begegnungen“, sagt Jost.

Das australische Pärchen hat Strömsdörfer geschrieben, dass es etwas über Nachhaltigkeit erfahren möchte. „Wir haben gehört, dass es in Deutschland viele umweltfreundliche und langfristige Konzepte gibt. Davon wollten wir etwas in der Praxis sehen“, sagt Lachlan Anderson. Strömsdörfer beschließt, sie zum Tempelhofer Feld zu führen.

Doch lässt er es sich nicht nehmen, den beiden zuvor noch den Kontrast zwischen dem bunten Leben auf der Neuköllner Karl- Marx-Straße und der Ruhe im direkt daneben liegenden Rixdorf zu zeigen. Auch seine türkische Lieblings-Konditorei liegt wie zufällig auf dem Weg.

Auf dem alten Flughafengelände, wo bis 2008 Flugzeuge starteten und landeten, staunen Anderson und Moylan darüber, wie schnell der Teer aufbricht und sich die Natur die Rollfelder zurückholt. Auf einem der Besuchertürme am Rand des weiten Felds diskutieren die drei die „Tonnen von Ideen“ zur Weiternutzung, während Inline- Skater, Kiteboarder, Jogger, Radfahrer und Spaziergänger vorbeikommen. Strömsdörfer sagt, dass die Berliner das Feld schon jetzt nicht mehr hergeben wollen.

 „Das ist einer der coolsten Plätze, die wir derzeit in Berlin haben. Ich hatte wundervolle Picknicks hier.“ Die Berlin Greeter haben täglich Anfragen aus aller Welt, weswegen sie dringend weitere Freiwillige suchen. Für Stefanie Jost sind es die persönlichen Erfahrungen, die sie anspornen. „Wenn Leute nach Berlin kommen und sagen, „stimmt, das ist eine tolle Stadt“ und das in die Welt hinaustragen, dann habe ich etwas für die Stadt getan.“

INFOS & BUCHEN

Nähere Infos über die Berlin-Greeter und andere Stadtführungen durch Berlin gibt es im Internet unter www.berlin.de/ tourismus/stadtfuehrungenbzw. unter www.berlin-greeter.org

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