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Paradies der Tiere: Galapagos-Inseln.

Galapagos-Inseln

Paradies der Tiere

Echsen, Robben, Flamingos und unzählige andere Tierarten leben auf den Galapagos-Inseln völlig ursprünglich. Eigentlich stört der Mensch dort nur.

Aber wenn er vorsichtig reist, ist er als Gast auf Zeit herzlich willkommen im Paradies der Tiere.

Ein Tag zwischen den Inseln

Fregattvögel gleiten im Sonnenuntergang am Himmel entlang, während sich unser Schiff langsam zur nächsten Insel aufmacht. An Deck steht Roland aus Bayern und umarmt seine Frau Susi. „Unglaublich, oder?” Dutzende Länder hat das Rentner-Paar schon bereist, war auf allen Kontinenten, aber so etwas wie die Galapagos-Inseln haben die beiden noch nicht gesehen. „Unglaublich”, sagt Susi alle paar Minuten auf der fünftägigen Kreuzfahrt. „Unglaublich.”

Auf den Galapagos-Inseln sind die Tiere die Chefs

Schon am Kai von Puerto Ayora, der größten Stadt des Archipels vor der Küste Ecuadors, wo diese Kreuzfahrt begonnen hat, wird die wundersame Eigenheit und Ursprünglichkeit dieser Tierwelt deutlich. Passagiere und Gepäck müssen mit Schlauchbooten auf die etwa 50 Meter entfernt im Wasser schaukelnde Jacht übersetzen, aber eine Robbe liegt ausgestreckt auf dem kleinen Holzsteg und sonnt sich. Vorsichtig trippeln Crew und Passagiere an dem Tier vorbei, Fotoapparate klicken. Die Robbe scheint sich nicht daran zu stören, winkt freundlich mit der Flosse und bewegt sich ansonsten keinen Zentimeter. Auf den Galapagos-Inseln sind die Tiere die Chefs.

Auf den Spuren von Charles Darwin

Rund 200.000 Menschen besuchen das 1978 zum Unesco-Weltnaturerbe erklärte Archipel jedes Jahr. Für die rund 25 000 Einwohner der fünf besiedelten Inseln ist der Tourismus die wichtigste Einnahmequelle. „Niemand kommt doch nach Ecuador, nur um in der Hauptstadt Quito einen Poncho zu kaufen”, sagt Carlos, der Reiseleiter. „Galapagos hat eine wahnsinnige Anziehungskraft auf Menschen aus aller Welt.”

Ein Grund dafür heißt Charles Darwin. Fast 200 Jahre ist es her, dass der junge Engländer mit der HMS Beagle auf das Archipel kam – und erstmal gar nichts entdeckte. Rund einen Monat lang wanderte Darwin 1835 über die Inseln und sammelte Proben von Tieren und Pflanzen. „Die Naturgeschichte dieses Archipels ist wirklich erstaunlich: Es scheint eine eigene Welt zu sein”, schrieb er in sein Tagebuch.

Zwei Meerechsen bei Puerto Ayora auf den Galapagos-Inseln.

Aber erst zurück in Großbritannien, als er seine gesammelten Schätze noch einmal durchging, fielen ihm vor allem an den Finken Unterschiede auf: Auf jeder Insel sah die dort lebende Art geringfügig anders aus, hatte beispielsweise eine andere Schnabelform entwickelt, um die nur dort wachsenden Früchte besser essen zu können. Der Grundstein zu Darwins Buch „Die Entstehung der Arten” war gelegt.

Heute flattern Darwins berühmte Finken immer noch über die Inseln, stellen aber bei weitem nicht die größte Attraktion in dieser wundersamen Tierwelt dar: Hunderte Tierarten kommen auf den Inseln. Fast die Hälfte davon lebt nur hier, nirgendwo anders auf der Welt. Die Inseln sind isoliert, aber nicht zu sehr. Es gibt nicht zu viel und nicht zu wenig Essen, so dass ein gesunder Wettbewerb zwischen den Tieren entsteht, erklärt Carlos.

Schildkröten größer als Autoreifen tapsen über einige Inseln, Tölpel mit Schlumpf-blauen Füßen watscheln über die Strände, fliegen beim Jagen wie ein Pfeil ins Meer und füttern ihre weißfedrigen, zerzausten Jungen. Galapagos-Pinguine, die einzige Pinguin-Art der nördlichen Hemisphäre, schwimmen in kleinen Grüppchen gleich daneben.

Wo Urlauber nur Zaungäste sind: Tourismus auf den Galapagos-Inseln geht nach den Regeln der Tiere.

„An alle Tiere kommt man total nah ran”, erzählt Roland, der Bayer. „Sie scheinen uns überhaupt nicht zu bemerken, oder sich nicht an uns zu stören.” Aber auf den weitgehend isolierten Galapagos-Inseln waren eben schon immer die Tiere die Chefs, das hat sie nie richtig Angst vor dem Menschen entwickeln lassen, sagt Reiseleiter und Meeresbiologe Carlos, als er sich Schnorchel und Taucherbrille anlegt.

Ein paar Regeln sind ihm sehr wichtig: Es darf nichts als Souvenir mitgenommen werden, weder die bunten Muscheln an Land noch die prachtvollen Seesterne unter Wasser. „Das bringt das Ökosystem hier sofort aus dem Gleichgewicht.” Und: Nie zu nah an die Tiere herangehen, sie in Ruhe lassen und auf keinen Fall anfassen. „Wir tun ihnen nichts, sie tun uns nichts”, sagt der Ecuadorianer und taucht mit seinem Schnorchel unter, die Reisegruppe hinterher.

Sekunden später herrscht Aufregung. „Ein Hai! Ein Hai!”, ruft jemand, erschrocken schwimmen alle ineinander. „Ach, auch der tut doch nichts, das ist ein Riffhai”, sagt Carlos mit Blick nach unten. „Einfach ruhig weiterschnorcheln und in Ruhe lassen.” Er taucht ab und bläst einer vorbeischwimmenden Robbe sanft ein paar Luftblasen ins Gesicht. Die Robbe blubbert zurück. „Mit denen kann man das machen – ganz vorsichtig”, sagt Carlos zurück über Wasser und grinst. „Robben spielen einfach gerne.”

Christina Horsten Horsteneof

Die Reise-Infos zu den Galapagos-Inseln

REISEZIEL Die Galapagos-Inseln sind ein Archipel im östlichen Pazifik. Sie liegen in Höhe des Äquators etwa 1000 Kilometer westlich der Küste von Equador in Südamerika. Der Name ist vom spanischen Galápago abgeleitet, das bedeutet soviel wie „Wulstsattel“ und bezieht sich auf den Schildkrötenpanzer. Die Galapagos-Inseln sind Unesco-Weltnaturerbe. 97 Prozent der Fläche und 99 Prozent der umgebenden Gewässer stehen unter strengem Naturschutz.

ANREISE Von Deutschland aus gibt es keine Direktflüge auf die Galapagos-Inseln. Vom Festland Ecuadors, meist entweder der Hauptstadt Quito oder der Hafenstadt Guayaquil, starten Flüge zu den beiden Flughäfen des Archipels auf den Inseln Bal­tra und San Cristobal. Die Einreise in den Nationalpark der Galapagos-Inseln kostet eine Gebühr von etwa 75 Euro für Erwachsene. Eine Individual-Reise auf das Archipel ist wegen der mangelnden Infrastruktur schwierig zu organisieren. Die meisten Touristen machen eine Kreuzfahrt.

REISEZEIT Grundsätzlich ist eine Reise auf die Galapagos-Inseln ganzjährig möglich. Zwischen Januar und Juli herrscht Regenzeit, das übrige Jahr ist es meist trocken. Trotz der Lage der Inseln am Äquator bleibt die Wassertemperatur aufgrund des kühlen Humboldt-Stroms ganzjährig eher niedrig und das Klima ist gemäßigt.

Unsere Leserreise auf die Galapagos-Inseln

Professor Henning Wiesner

Vom 7. bis 22. Oktober 2014  veranstalten wir eine insgesamt 16-tägige Leserreise nach Ecuador und auf die Galapagos-Inseln, die von Professor Henning Wiesner, dem Wildtier-Experten und langjährigen früheren Chef des Münchner Tierparks Hellabrunn begleitet wird. Mit ­Linienflug ab/bis München nach Quito, Festland-Tour durch Ecuador (Nationalpark Cotopaxi mit einem der höchsten aktiven Vulkane der Erde) und fünf Tage Inselhopping auf Galapagos kostet sie insgesamt 5490 Euro.

Info und Buchung über Kiwi Tours, Tel. 089/746 62 50, info@kiwitours.com. Bitte Leserreise tz/Münchner Merkur angeben.

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