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Bikini, Burkini und Badehose: Ist Bademode nicht gleich Bademode?

Verbot gerechtfertigt?

Bikini, Burkini & Co.: Wie (un-)hygienisch ist Bademode?

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Der Burkini hat sich als Bademode für viele, größtenteils islamische Frauen etabliert - und ist vieldiskutiert. Dabei wird dem Kleidungsstück mangelnde Hygiene vorgeworfen. Doch was ist dran?

Aktuell kam die Debatte um das umstrittene Schwimmgewand wieder auf, nachdem eine Burkini-Trägerin in der südfranzösischen Küstenstadt La Ciotat eines Swimmingpools verwiesen worden war.

Der Besitzer eines Ferienhauses, in dem sich der Vorfall abspielte, soll sogar die von der Familie hinterlegte Kaution in Höhe von 490 Euro behalten haben. Er wolle damit den Pool leeren und ihn reinigen lassen.

Deckmantel der Hygiene

Was ist ein Burkini? Die Wortschöpfung stammt von der Modedesignerin Aheda Zanetti, die mit zwei Jahren mit ihrer Familie aus dem Libanon nach Australien auswanderte. Burkini, oder englisch "burqini", meint eine Mischung aus Burka und Bikini und ist eine Badebekleidung für Frauen, die den ganzen Körper außer Gesicht, Händen und Füßen bedeckt.

Doch was ist dran an der Behauptung, der Burkini sei nicht hygienisch? Ist herkömmliche, "westliche" Bademode hygienischer als ein Burkini? Oder ist es möglicherweise andersrum? Schließlich sind durch den Burkini alle Körperteile sowie die Haare an Körper und Kopf abgedeckt. Oftmals tragen Frauen zusätzlich unter der Ganzkörper-Bademode einen weiteren Badeanzug oder Bikini.

Dagegen tragen Badegäste unter ihrer Bademode nicht selten noch ihre Unterwäsche. Dies verstößt gegen die Hygienevorschriften in den meisten Schwimmbädern. Zudem gelangen Haare und Körperflüssigkeiten durch den meist knappen Stoff leichter ins Wasser.

Die Hygienevorschriften, heißt es in einem kulturwissenschaftlichen Gutachten zum Baden mit dem Burkini in öffentlichen Bädern der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen e.V., und der Umgang mit dem Burkini "wird von den Bädergesellschaften in Deutschland nicht einheitlich gehandhabt."

Burkini-Verbot, weil unhygienisch?

Wie aus einem Beitrag der Friedrich Naumann Stiftung aus dem Jahr 2016 hervorgeht, könnten Schwimmbäder und andere Einrichtung, in denen Bademode erforderlich ist, aber maximal das Tragen von Burkinis aus "hygienischen Gründen" verbieten. Der Burkini müsse zumindest aus Lycra oder Elastan sein. Es wird darin darauf verwiesen, dass ein Mangel an Hygiene von Burkinis aktuell nicht durch Studien gestützt werde. Damit sei ein Verbot aufgrund des Diskriminierungsgesetzes rechtlich anfechtbar.

Bereits im Jahr 2014 erstellte die Universität Konstanz ein Gutachten zum Thema "Baden mit Burkini in öffentlichen Bädern". Darin wird der Burkini als hygienisch unbedenklich eingestuft. Zudem heißt es in dem Dokument: "Öffentliche Einrichtungen, wie die Konstanzer Bäder, haben neben der Gewährleistung von Hygiene- und Sicherheitsstandards, denen der Burkini nach Material und Erfahrungen anderer Bäder entspricht, auch die Aufgabe, so vielen Bürgern wie möglich den Zugang in die Bäder zu ermöglichen."

Gefertigt sei der Burkini oftmals, ebenso wie auch viele Bikinis, Badeanzüge und Badehosen, aus Elastan, so Kurt Staska, ein Verantwortlicher der Wirtschaftskammer Niederösterreich für den Bereich Bäder gegenüber dem Newsportal ORF.at. "Wenn man Stoffe verwendet, die unbedenklich sind hinsichtlich bakterieller Eingänge, dann ist das vom Rechtlichen her in Ordnung."

Und wie hygienisch sind Bikini, Badehose und Badeanzug?

Warum sollte etwas mehr Stoff auch unhygienischer sein als ein kleineres Stück des gleichen Materials? Badehosen für Männer haben in den USA beispielweise eine Standardlänge bis zum Knie. Die Verhüllung am Wasser gleiche dortzulande fast einer Tugend, wie das Nachrichtenportal N-tv.de berichtet. "Strandknigges warnen Europäer, sich an US-Stränden und Pools allzu freizügig zu zeigen", heißt es hier.

Der Bikini galt in den 1950er Jahren als eine Art Befreiung der Frau, ein Symbol für ihre Selbstbestimmtheit. Brigitte Bardot verwendete ihn zu dieser Zeit quasi als Markenzeichen.

Heutzutage sieht es damit jedoch wieder anders aus, ist es doch für Frauen heute fast schon ein Muss, sich im knappen Bikini am Strand oder im Schwimmbad zur Schau zu stellen. Wann wird eine Frau das tragen dürfen, was sie möchte?

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Von Simona Asam

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