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Weltumsegler Wilfried Erdmann

Zwei Grenzgänger erzählen

Sehnsucht zwischen Wüste und Ozean

Die Sehnsucht nach Freiheit, Abenteuer und einem selbstbestimmtem Leben - ein Weltumsegler und ein Wüstendurchquerer erzählen in einem gemeinsamen Buch von ihrer großem Leidenschaft.  

Am Ende haben sie einen Dialog aufgezeichnet. Wilfried Erdmann sagt da: „Das Meer ist blau und grau, die Wüste braun und gelb. Womit wollen wir anfangen?“ Und Achill Moser antwortet: „Das Meer ist größer. Fang Du an.“

Zwei Grenzgänger, die sich zusammengetan haben, ein Buch zu schreiben. Um der Welt ihre Sucht zu erklären. Eine der schillerndsten Formen von Sucht – Sehnsucht. Sehnsucht nach Freiheit, Abenteuer und einem selbstbestimmtem Leben.

Von der Meereswüste zum Sandozean: Wüstenquerer Achill Moser

Wilfried Erdmann, 1940 in Pommern geboren, war in seiner Jugend Straßenradrennfahrer. 1957 fuhr er erst einmal der DDR davon in den Westen und dann nach Italien und weiter nach Afrika. Im Hafen von Alicante, Spanien, kaufte er sich 1965 für 800 englische Pfund ein Segelboot – der Anfang einer großen Leidenschaft. Ein Ende ist bis heute nicht abzusehen. Zwischenbilanz: Erdmann segelte als erster Deutscher allein um die Welt, nonstop in 271 Tagen und durchsegelte die Weltmeere ganz allein gegen den Wind in 343 Tagen. Das haben vor ihm erst vier andere geschafft.

Von der Meereswüste zum Sandozean: Der Hamburger Achill Moser, Jahrgang 1954, erwanderte auf mehr als 30 Expeditionen, die insgesamt fünf Jahre dauerten, als erster Mensch zu Fuß und per Kamel 25 Wüsten der Erde und legte dabei 20.000 Kilometer zurück. Das ist ungefähr die Hälfte des gesamten Erdumfangs.

Warum das Meer? Diese Frage stellt Wilfried Erdmann sich selbst in dem gemeinsamen Buch. Und beantwortet sie so: „Weil es da ist, weil es zwei Drittel unseres Planeten bedeckt und weil es nass ist. Ja, auch weil es einen vor Herausforderungen stellt.“ Keine andere „Landschaft“ biete diese Faszination in Kombination mit ernsthaften Aufgaben. „Alles ist für mich schöner am Meer, im Meer und auf dem Meer“, sagt Erdmann.

„Von der Wüste und vom Meer“ von Achill Moser und Wilfried Erdmann

Warum die Wüste? Das Lebensmotto von Achill Moser lautet: „Den Sand lieben und mit dem Wind wandern.“ Als er 15 war, wollte er zum Mare Tranquilitas, dem Meer der Ruhe, dessen steinerne Wellen wie von einem nicht vorhandenen Wind aufgekräuselt wirken. Er hat es im Fernsehen gesehen, damals, bei der ersten Landung auf dem Mond. Achill Moser ist da natürlich nie hingekommen, ins All. Sein Meer der Ruhe aber hat er zwei Jahre später auf der Erde entdeckt, im Süden Marokkos, wo sich die Sahara ausdehnt, die größte Wüste der Welt. Es war Liebe auf den ersten Blick. Und er ahnte, dass ihn die Wüste nie mehr wieder loslassen würde. Zu Fuß und per Kamel hat er seitdem 25 Wüsten erwandert, hat mehr als 2000 Tage in den Einöden verbracht und wie ein Nomade gelebt. „Die Weiten aus Sand und Stein wurden für mich zur Droge von der ich nicht mehr lassen kann.“

Am Ende des Buchs, das die beiden Grenzgänger zusammen geschrieben haben, sagt Moser: „Eigentlich wollte ich unsere Ziele noch ansprechen.“ Und Erdmann antwortet: „Meine Ziele sag ich nicht.“ Darauf Moser: „Vielleicht sollte ich mal ziellos durch die Wüste wandern. Und Erdmann: „Auch ziellos übers Meer würde mir passen.“ Hauptsache, der Sehnsucht ihren freien Lauf lassen.

Christine Hinkofer

DAS BUCH

„Von der Wüste und vom Meer“ von Achill Moser und Wilfried Erdmann ist bei Hoffmann und Campe erschienen. Preis: 22,99 Euro. ISBN: 978-3-455-50268-8.

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