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Die Hängematte wartet. Immer mehr Menschen wollen ihren Ruhestand im Ausland verbringen. Doch vor dem Abenteuer sollte man sich gründlich beraten lassen.

Ab in den Süden

Der Traum vom sonnigen Ruhestand

Viele Rentner träumen von einem sonnigen Ruhestand im Ausland. Die Rente können Sie sich in das Traumland der Wahl überweisen lassen. Trotzdem sollte ein solch folgenschwerer Schritt gut überlegt und akribisch geplant sein.

Viele Ruheständler leben schon ihren Traum. Ende 2013 wurden rund 220 000 Renten an Deutsche überwiesen, die im Ausland leben. „Das Thema wird zunehmend häufiger aufgegriffen. Immer mehr Menschen überlegen diesen Schritt. Die Hauptargumente für die Auswanderung von Ruheständlern ins Ausland sind besseres Klima und Kaufkraft der Rente“, sagt Uta Koch vom Raphaelswerk. Der gemeinnützige katholische Verein berät Auswanderungswillige schon seit 1871. Der wichtigste Tipp der Experten für das Leben im Ausland: Nicht blauäugig in das Abenteuer gehen und sich gründlich beraten lassen.

„Wichtig ist ein Check ohne Illusionen. Auf jeden Fall sollte man zur Rentenversicherung gehen und sich persönlich beraten lassen, mit welchen Zahlungen man nach möglichen Einbußen durch Steuern und Überweisungsgebühren zu rechnen hat. Es muss die Frage geklärt werden, was passiert, wenn man krank wird. Und dann sollte man das Land auch in einer Schlechtwetterperiode kennenlernen. Wer jahrelang nur Winterurlaub in der Türkei oder Spanien macht, verträgt womöglich die Hitze im Sommer nicht“, sagt Uta Koch. Auch andere heikle Fragen müssen vorab geklärt sein – zum Beispiel was passiert, wenn der Partner im Ausland zum Pflegefall wird oder gar stirbt. Wir erklären in Zusammenarbeit mit dem Raphaelswerk und der Arag einige der wichtigsten Fragen.

Rente im Ausland

Bei zeitweisem Aufenthalt: Im Sommer bei der Familie sein – und den Winter dort verbringen, wo es keinen Winter gibt: Das ist ein gutes Modell, wenn das Geld für zwei Wohnsitze reicht. Wer als Rentner nicht länger als sechs Monate im Jahr außerhalb Deutschlands verweilt, erhält nämlich seine Rente im Ausland hürdenlos in voller Höhe. Mögliche Abzüge tauchen nur dann auf, wenn die Rente auf ein Konto bei einem ausländischen Geldinstitut überwiesen wird. Denn die anfallenden Kursverluste und Bankspesen übernimmt die Deutsche Rentenversicherung nicht.

Beim dauerhaften Aufenthalt: Mit dem Renteneintritt wollen viele Ruheständler ihren Lebensmittelpunkt komplett außerhalb Deutschlands verlegen. In Sachen Rentenüberweisung gibt es keine Probleme: Ruheständler, die in Deutschland Ansprüche haben, erhalten ihre Rente im Ausland in voller Höhe. Natürlich wieder abzüglich Bankspesen und möglicher Steuern. Allerdings tauchen oft ganz andere Probleme auf. „Es wissen zum Beispiel viele nicht, dass man in den USA als Rentner ab 60 keinen Daueraufenthalt bekommt. Da kann die Rente noch so üppig sein – mehr als ein Besuchervisum für sechs Monate erhält man in der Regel nicht“, erklärt Uta Koch.

Bei verminderter Erwerbsfähigkeit: Die Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit erhalten diejenigen, die aufgrund einer Krankheit oder Behinderung erwerbsgemindert sind, also nicht mehr oder nur eingeschränkt arbeiten können. Ist der Betroffene wegen seines Gesundheitszustandes voll erwerbsgemindert, steht ihm diese Form der Rente auch im Ausland zu. Anders kann es aussehen, wenn die gesundheitlichen Einschränkungen eine Teilzeitarbeit erlauben, der Arbeitsmarkt in Deutschland dies aber nicht hergibt. Die in diesem Fall bewilligte volle Erwerbsminderungsrente wird nur weitergezahlt, wenn der Betroffene in einen Mitgliedsstaat der EU, in die Schweiz, nach Norwegen, Liechtenstein, Island oder in Staaten, in denen eine entsprechende bilaterale Regelung mit Deutschland besteht, auswandert.

Wer seinen Wohnsitz dauerhaft in ein anderes Land verlegt, kommt dagegen oft nicht mehr in den Genuss der vollen Erwerbsminderungsrente, sondern erhält nur noch eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung.

Versicherungen

In Europa: Auch hier empfiehlt sich bei der Planung der Auswanderung dringend eine persönliche Beratung bei der Krankenversicherung. Anders als bei der Rente werden hier nämlich Unterschiede zwischen Europa und dem Großteil des Rests der Welt gemacht. Rentner, die dauerhaft im europäischen Wirtschaftsraum (EWR – dazu gehört auch die Schweiz) und einigen anderen Staaten leben, mit denen Sozialversicherungsabkommen bestehen, können weiter in der Gesetzlichen Krankenversicherung verbleiben. Bedingung dafür ist allerdings, dass sie ausschließlich eine Rente aus Deutschland erhalten. „Man muss dabei aber beachten, dass im Land der Wahl nur die Leistungen bezahlt werden, die auch Einheimische bekommen“, erklärt Koch. In Spanien bekommt man zum Beispiel den Zahnersatz nicht bezahlt. Auch bei den Leistungen der Pflegeversicherung gelten im Ausland andere Regeln. Privat Krankenversicherte erhalten wie im europäischen Ausland die gleichen Leistungen wie in Deutschland.

Im nichteuropäischen Ausland: Wer seinen Ruhestand fernab Europas verbringen will, verliert seine Mitgliedschaft in der Gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. „Dann muss man eine Auslandskrankenversicherung abschließen und das kann zum Beispiel bei einer Auswanderung nach Thailand schnell mal 600 Euro monatlich kosten“, berichtet Koch. Seine Pflegeversicherung kann man mit einer Anwartschaftsversicherung bei der gesetzlichen Pflegekasse aufrechterhalten. Allerdings sollte man sich zu diesem Thema intensiv bei seiner Krankenversicherung beraten lassen. Privat Krankenversicherte müssen genau ihren Vertrag checken, bevor sie ihren Lebensabend in der Ferne verbringen. Einige private Krankenversicherungen leisten nämlich zeitlich nicht unbegrenzt im nichteuropäischen Ausland.

Steuern im Ausland

Auch so ein häufig unterschätztes Thema bei der Auswanderung von Ruheständlern ins Ausland. Denn auch dort müssen Renten und Einkünfte beim deutschen Fiskus zumeist versteuert werden. Wer 2005 und früher in Rente gegangen ist, muss 50 Prozent seiner Rente versteuern, mit jedem weiteren Jahr, in dem die Rente beginnt, steigt die Besteuerung um zwei Prozentpunkte. Auch Auslandsrentner müssen deshalb eine Steuererklärung abgeben. Zentral verantwortet wird die Besteuerung deutscher Auslandsrenten vom Finanzamt Neubrandenburg.

Es droht in jedem Fall eine Nachzahlung, denn Rentnern mit Wohnsitz im Ausland steht kein steuerfreier Grundbetrag von 8472 Euro (Einzelpersonen) oder 16 944 Euro (Verheiratete) im Jahr zu. Damit wird die Rente vom ersten Euro an versteuert. Unter bestimmten Voraussetzungen (90 Prozent des Einkommens werden in Deutschland besteuert) können Auslandsrentner allerdings einen Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht stellen und somit wie beim Leben in Deutschland vom Grundfreibetrag profitieren.

Interessierte können sich auch hier an die gemeinnützigen Auswanderungsberatungsstellen wenden.

Von Lars Becker

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