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Entschädigung bei Flugausfällen und Verspätungen

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Entschädigung für Fluggäste
Die EU-Fluggastrechte helfen Reisenden bei Ausfällen und starken Verspätungen. © Peter Kneffel/dpa/dpa-tmn/Archiv

Ob Anreise zum ersehnten Ferienort oder wichtige Geschäftsreise: Wenn ein Flug ausfällt oder sich stark verspätet, bedeutet das Stress und miese Stimmung. Oft gibt es aber ein finanzielles Trostpflaster.

Brüssel - Es ist ein echtes Ärgernis: Der gebuchte Flug wird gestrichen oder verspätet sich stark. In vielen Fällen steht den Passagieren dann zumindest eine Entschädigung zu. Das sieht die EU-Fluggastrechteverordnung vor. Die wichtigsten Fakten:

Anspruch auf Entschädigung bei Streik

Fluggäste haben in der Regel auch dann ein Anrecht auf Entschädigung, wenn ihre Verbindung wegen eines Streiks des Kabinenpersonals gestrichen wurde, wie aus einem nun veröffentlichten Urteil des Europäischen Gerichtshofs hervorgeht.

Entschädigungssumme

Bei kurzfristigen Annullierungen und Verspätungen von mehr als drei Stunden steht Flugreisenden oft eine Ausgleichszahlung zu. Die Höhe richtet sich nach der Flugdistanz: 250 Euro sind es bei maximal 1500 Kilometern, 400 Euro bei 1500 bis 3500 Kilometern und 600 Euro bei mehr als 3500 Kilometer. Eine deutliche Verschiebung des Fluges - etwa vom Morgen in den Abend - ist rechtlich ebenfalls als Annullierung zu bewerten.

Bedingungen und Ausschlusskriterien

Die Entschädigung nach EU-Recht steht Kunden nur zu, wenn die Fluggesellschaft für die Annullierung oder Verspätung verantwortlich ist. Eine Airline muss nicht zahlen, wenn die Probleme auf sogenannte außergewöhnliche Umstand zurückgehen, die sie nicht beeinflussen kann. Dazu zählen zum Beispiel ein Ausfall der IT-Systeme am Flughafen und oft auch Sturm und Gewitter - nicht aber technische Probleme des Fliegers. Häufig kommt es auf den Einzelfall an. Streitfälle landen oft vor Gericht.

Nicht zahlen muss die Airline auch, wenn sie Flugstreichungen und größere Änderungen der Flugzeiten mindestens 14 Tage im Voraus angekündigt hat. Dann kann der Kunde zwar vom Vertrag zurücktreten und bekommt sein Geld zurück. Eine Entschädigung gibt es aber nicht.

Erstattung oder alternative Beförderung

Die Fluggesellschaft ist verpflichtet, für die Passagiere eine Ersatzbeförderung zum Zielort zu organisieren oder die Kosten für das Flugticket zu erstatten. Das gilt auch dann, wenn die Airline den Flugausfall nicht zu verantworten hat. Sie muss ihre gestrandeten Kunden betreuen und verpflegen. Wird eine Hotelnacht nötig, kommt sie dafür auf.

Geltungsbereich

Die EU-Fluggastrechte gelten für alle Flüge, die in der Europäischen Union starten. Und sie greifen für alle Flüge, die in der EU landen - hier jedoch mit einer Bedingung: Die Airline muss ihren Sitz in der EU haben. Wer etwa mit einer US-amerikanischen Airline von New York nach Frankfurt fliegt, bekommt bei einer langen Verspätung keine Entschädigung. Andersherum schon.

Durchsetzung der Rechte

Nicht immer zahlen Fluggesellschaften, obwohl sie es rechtlich müssten. Sie versuchen teils, Kunden abzuspeisen oder hinzuhalten. Daher kann es manchmal schwierig sein, das Geld von der Airline zu bekommen. Hartnäckigkeit lohnt sich.

Verbraucherschützer raten dazu, sich erst einmal direkt an die Fluggesellschaft zu wenden. Und am besten eine Frist zu setzen. Zeigt sich die Airline trotz berechtigten Anspruchs nicht einsichtig, können sich Kunden an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) wenden. Eine Alternative sind Inkassodienste, oft Fluggastrechtportale genannt. Sie klagen die Ansprüche ein, kassieren dafür aber häufig teils hohe Provisionen. Außerdem können sich Fluggäste eine Anwältin nehmen und vor Gericht ziehen. dpa

Weil sein Flug von Salzburg nach Berlin streikbedingt gestrichen wurde (Rechtssache C-613/20), hatte ein Verbaucher die Airline Eurowings auf 250 Euro Entschädigung verklagt.

Die Airline hatte sich darauf berufen, dass die Arbeitsniederlegung einen sogenannten außergewöhnlichen Umstand darstellt, und das Unternehmen alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen habe, um die Auswirkungen des Streiks zu begrenzen. Das oberste europäische Gericht vertritt aber die Auffassung, dass es vorhersehbar sei, dass wenn eine Muttergesellschaft zum Streik aufruft, Beschäftigte anderer Konzernteile sich diesem Streik anschließen. Wie jeder Arbeitgeber könne eine Airline, deren Beschäftigte für bessere Arbeitsbedingungen streiken, „nicht behaupten, es habe keinerlei Einfluss auf diese Maßnahmen“.

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