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Oftmals erster Anlaufpunkt für Reisende: Am Schalter werden die letzten offenen Fragen geregelt.

Zusatzkosten müssen aufgeschlüsselt werden

Gericht stärkt Verbraucher bei Flug-Stornierungen: Die wichtigsten Fragen

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Der Europäische Gerichtshof hat die Verbraucher gestärkt. Künftig müssen Fluggesellschaften Kosten bei Stornierungen transparenter machen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

München - Millionen Deutsche jetten im Sommer zu ihren Urlaubszielen. Dem einen oder anderen wird leider noch etwas dazwischenkommen, sodass das Ticket storniert werden muss. Zumindest wird zu der Enttäuschung über eine entgangene Reise nicht mehr der Ärger über unangemessene finanzielle Forderungen von Airlines beim Rücktritt von der Buchung kommen: Dafür hat am Donnerstag der Europäische Gerichtshof (EuGH) gesorgt. Fluggesellschaften dürfen kein Geld verlangen, wenn Kunden die Erstattung von Gebühren und Steuern beantragen. Außerdem verfügten die Richter , dass der Anteil von Steuern, Gebühren und Zuschlägen im Flugpreis exakt ausgewiesen werden muss. Die Details:

Welche Airline wurde ursprünglich verklagt?

Es handelte sich um Air Berlin. Die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hatte festgestellt, dass die Fluglinie eine Bearbeitungsgebühr von 25 Euro erhebt, wenn ein Passagier einen Spartarif-Flug storniert oder nicht antritt. Schon das Berliner Kammergericht urteilte 2014, dass es dem Kunden nach deutschem Recht zustehe, seine Reise jederzeit vor Abflug zu stornieren: Die Airline habe also die Pflicht zur Erstattung der Gebühren und Steuern - Kosten, die auch der Airline nicht entstehen, wenn ein Passagier nicht fliegt. Eine Bearbeitungsgebühr dürfe sie dafür nicht verlangen.

Auch die Lufthansa hat schon solche Gebühren erhoben - 30 Euro für ein Ticket im Billigtarif „Economy Saver“. Das Landgericht Köln erklärte diese Entgeltforderung 2013 für unwirksam. Der EuGH bestätigte gestern die Urteile der deutschen Gerichte und des Bundesgerichtshofes (BGH), bei dem der Fall Air Berlin inzwischen liegt, und der sich an die Luxemburger Richter gewandt hatte.

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Was war falsch an den Angaben von Steuern und Gebühren bei Air Berlin?

Die Verbraucherschützer kritisierten, dass die Angaben nicht genau aufgeschlüsselt wurden. Der VZBV monierte, Air Berlin weise bei der Flug­buchung zu geringe Steuern und Gebühren aus. „1 Euro“ und „3 Euro“ waren den Verbraucherschützern bei Probebuchungen für Flüge zwischen Berlin und Frank­furt als Summe für „Steuern und Gebühren“ auf der Internetseite Air Berlin ange­zeigt worden, sagte Rechtsreferentin Kerstin Hoppe zur tz. Dabei verlange der Flughafen Frankfurt als Passagiergebühr im innerdeutschen Flugverkehr schon 14,70 Euro.

Warum Sie Toilettengänge auf Flughäfen vermeiden sollten

Welchen Vorteil bringt diese Finte einer Fluggesellschaft?

„Die scheinbar gering­fügigen Beträge sollten Kunden davon abhalten, nach einer Stornierung die nicht angefallenen Steuern und Gebühren von Air Berlin zurück­zufordern“, sagt Hoppe. Der EuGH sieht das ebenso und vergattert Airlines dazu, die Zusatzkosten im Flugpreis aufzuschlüsseln.

Was sagt Air Berlin zum Urteil?

Man habe die EuGH-Entscheidung zur Kenntnis genommen, so eine Sprecherin. Abgeschlossen sei das Verfahren aber damit noch nicht, erst der BGH treffe eine rechtskräftige Entscheidung.

Was bedeutet das EuGH-Urteil von Donnerstag letztlich?

In dem Verfahren gegen Air Berlin muss nun der BGH das letzte Wort sprechen. Doch gelten die Maßgaben des EuGH grundsätzlich für die ganze EU. Die Vorgabe zur Aufschlüsselung der Zusatzkosten bringt Fluggästen mehr Klarheit. Kerstin Hoppe freut sich „wirklich darüber, dass es die Verbraucher künftig bei Stornierungen leichter haben werden, an ihr Geld zu kommen“.

BW

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