Fluggesellschaft bittet Passagiere vor Abflug zur Kasse

London - Für Essen, Trinken, Platzreservierung und Gepäck kassieren einige Gesellschaften schon länger Zusatzgebühren. Eine ganz neue Art des Abkassierens hat sich aber die indische Chartergesellschaft Comtel einfallen lassen.

In Wien und Indien wurden Flugzeugpassagiere an Bord dazu aufgefordert, für Treibstoff und Gebühren zu zahlen, damit der Flug fortgesetzt wird.

Am vergangenen Wochenende waren hunderte Comtel-Passagiere auf dem Weg von Indien nach Großbritannien bei einem Zwischenstopp in Wien von der Besatzung aufgefordert worden, insgesamt mehr als 20.000 Pfund (23.000 Euro) nachzuzahlen, sofern sie nach Birmingham weiterbefördert werde wollten.

Kein Geld, um nach Zwischenstopp weiterzufliegen

Die Situation am Wiener Flughafen hat in Österreich und Großbritannien zu einem Medienwirbel geführt. Der britische Sender Channel 4 zeigte Filmaufnahmen aus der Kabine, auf denen ein Crew- Mitglied den Gästen eröffnete: “Wir benötigen etwas Geld, um das Benzin, den Flughafen und alles, was wir brauchen, zu bezahlen. Wenn Sie nach Birmingham wollen, müssen Sie zahlen.“

Einige Passagiere berichteten, dass sie von Bord geschickt wurden, um Bargeld am Bankautomaten zu besorgen. “Wir haben uns zusammengetan und das Geld aus unseren Portemonnaies geholt - 130 Pfund (152 Euro)“, erzählte die Passagierin Reena Rindi, die mit ihrer zwei Jahre alten Tochter unterwegs war. “Kinder unter zwei waren frei, wie meine Kleine. Wer kein Bargeld hatte, wurde einer nach dem anderen aufgefordert, hinauszugehen und in Wien Bares zu besorgen“, fügte Rindi hinzu.

Anteilseigner Kandra erklärte der Nachrichtenagentur AP von Wien aus, dass Reiseveranstalter das Geld der Passagiere vor dem Abflug kassiert, es aber nicht an die Fluggesellschaft weitergeleitet hätten. “Das ist nicht mein Problem“, sagte Kandra, “das ist das Problem der Veranstalter“. Er versicherte, dass die Gesellschaft solvent sei und dass “die Show weitergeht“. “Wir haben keinen Geldmangel“, sagte Kandra, “wir haben genug Geld“.

Der Geschäftsführer von Comtel, Richard Fluck, machte gegenüber dem Österreichischen Rundfunk ebenfalls Zahlungsprobleme bei der spanischen Leasinggesellschaft Mint Airways für den Zwischenfall in Wien verantwortlich. Mint Airways stelle demnach Crew und Flugzeuge, während das geleaste Flugzeug von einem britischen Reiseveranstalter bezahlt werde.

In Indien wiederholte sich nun das Vorgehen von Wien. In der Stadt Amritsar saßen wieder 180 Comtel-Passagiere fest, weil Comtel forderte, sie sollten für Treibstoff und Gebühren Geld zuschießen. Keiner werde nach Großbritannien befördert, bevor er nicht 10.000 Rupien (145 Euro) nachgezahlt habe, teilte Bhupinder Kandra, Hauptanteilseigner von Comtel, der BBC am Donnerstag mit. Unklar blieb, wann der Start des Flugs geplant war.

Flughafen-Funktionäre in Birmingham teilten am Donnerstag mit, dass die Wochenendflüge der Comtel gestrichen seien.

dapd

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