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Lust auf Reisen? Bei der Urlaubsplanung sollten Urlauber aber auch an die medizinische Vorsorge denken.

Impfung und Mückenschutz

Gesundheitsrisiko Fernreise: Tipps vom Tropenarzt

Malaria, Dengue- und Chikungunya-Fieber, Sonnenbrand oder Durchfall -  Urlauber unterschätzen in fremden Ländern oft das Gesundheitsrisiko. Tropenarzt Prof. Thomas Löscher hat die wichtigsten Tipps.

Wohin geht es bei Ihnen in diesem Jahr? In die Alpen, an die Adria, oder steigen Sie in den Flieger und an irgendeinem exotischen Reiseziel wieder aus, wo Sie in eine fremde Kultur eintauchen, faszinierende Landschaften und Tiere sehen und einfach eine tolle Zeit haben wollen?

Für eine unvergessliche Reise sollten Sie nicht nur an einen neuen Fotoapparat, sondern auch an Ihre Gesundheit denken. Noch ist es dafür nicht zu spät – selbst, wenn Sie schon an Pfingsten reisen, können Sie jetzt noch alle Vorbereitungen treffen, um keine fiese Krankheit als unfreiwilliges Souvenir mitzubringen. Was dagegen hilft weiß Professor Thomas Löscher, Leiter des Infektions- und Tropeninstituts der LMU-München. Der Experte verrät auch, welche Reisekrankheit Urlauber am meisten unterschätzen.

Wie lange vor der Reise muss man sich vorbereiten?

Leiter des Tropeninstituts: Dr. Thomas Löscher.

Professor Thomas Löscher: Am besten sollte man sich mindestens sechs Wochen vorher bei einem Arzt beraten lassen, der sich auf Reisemedizin spezialisiert hat oder sich in diesem Bereich regelmäßig fortbildet. Natürlich muss man sich auf die speziellen Infektionsgefahren des Urlaubslandes vorbereiten. Doch zunächst empfehle ich, alle in Deutschland üblichen Impfungen aufzufrischen, soweit sie länger als zehn Jahre zurückliegen, wie die gegen Wundstarrkrampf, Diphtherie und Keuchhusten sowie auch gegen Polio bei Reisen nach Afrika oder Asien. Gerade jüngere Erwachsene haben oft keinen Schutz gegen die Masern.

Auch einen Impfschutz vor Hepatitis B sollte jeder haben. Dafür müssen im Abstand von vier Wochen zwei Spritzen gegeben werden. Eine dritte Impfung für einen lebenslangen Schutz ist dann nach einem weiteren halben Jahr nötig. Das Hepatitis-B-Virus wird vor allem über Sexualkontakte verbreitet – und viele wissen ja nicht, was der Urlaub so bringt. In manchen Ländern ist eine Gelbfieberimpfung vorgeschrieben. Gegen das ebenfalls durch Stechmücken übertragene Dengue-Fieber wird an einem Impfstoff gearbeitet, aber er wird wohl erst in einigen Jahren verfügbar sein. Daher muss sich der Reisende konsequent vor Mücken schützen. Wo es ein hohes Malariarisiko gibt, rate ich zusätzlich zur medikamentösen Prophylaxe. Allerdings sollten diese Mittel nicht im Ausland gekauft werden, weil sie dort billiger sind. In Asien zum Beispiel sind Malariamedikamente häufig gefälscht. Reisemedizinische Beratung, Reiseimpfungen und Malariamedikamente sind keine Pflichtleistungen der Krankenkassen, die Kosten werden jedoch von einigen Kassen ganz oder teilweise ersetzt.

Welchen Mückenschutz empfehlen Sie?

Löscher: Empfehlenswert ist weite Kleidung mit langen Ärmeln und Beinen. In Räumen, die nicht klimatisiert sind, sollte man unter einem Moskitonetz schlafen. Die Imprägnierung von Kleidung oder Moskitonetzen mit Insektiziden erhöht die Wirksamkeit erheblich und hält zwei bis drei Monate. Es gibt mittlerweile Netze, bei denen die Insektizide direkt in die Faser eingearbeitet sind und die mehrere Jahre wirksam sind. Als Insektizide werden meist Pyrethroide verwendet. Dies sind synthetische Abkömmlinge des Pyrethrums, einem Naturstoff der von Chrysanthemen stammt, die es als Schutz vor Insektenfraß produzieren.

Immer mehr Urlauber kommen mit Chikungunya heim

Zudem sollte man Mückenschutzmittel, sogenannte Repellents, auf die Haut auftragen. Ich empfehle entweder Mittel mit dem Wirkstoff DEET, die Konzentration des Wirkstoffs sollte 30 bis 50 Prozent betragen. Da DEET zum Teil über die Haut aufgenommen wird, ist es für Schwangere und kleinere Kinder weniger geeignet. Da empfehle ich eher Produkte mit dem Wirkstoff Icaridin. Es gibt Studien, dass diese Repellents, wenn sie regelmäßig aufgetragen und mit imprägnierter Kleidung und Moskitonetzen kombiniert werden, einen 90-prozentigen Schutz vor Malaria bieten. Sogenannte biologische Repellents, z. B. auf der Basis von Citronella, haben leider nur eine geringe Wirksamkeit.

Immer häufiger wird vor dem von Mücken übertragenen Chikungunya-Fieber gewarnt.

Löscher: Dieses Virus stammt ursprünglich aus Afrika und ist schon im ganzen indischen Ozean und Asien verbreitet, nun hat es den Sprung über die Karibik nach Lateinamerika geschafft und wird sich jetzt in ganz Südamerika ausbreiten. In den nächsten Jahren wird es dort eine der Haupt­erkrankungen werden. Im Gegensatz zu Dengue ist es selten lebensbedrohlich, aber eine hochfieberhafte, sehr unangenehme Erkrankung mit einer Besonderheit: Die akute Erkrankung klingt nach ein bis zwei Wochen ab. Aber die Patienten haben oft noch Monate oder sogar Jahre lang Gelenkbeschwerden, vor allem an den kleinen Gelenken. So sind Gehen und Laufen oft beeinträchtigt, weil die Fußgelenke betroffen sind, und jemanden die Hand zu geben, ist schmerzhaft. Wir haben schon viele Touristen, die mit Chikungunya infiziert zurückkommen. Das Wort bedeutet „gebeugter Mann“, weil die Kranken nicht aufrecht gehen können.

Viele Metropolen der Welt ersticken in Smog, wie gefährlich ist das?

Löscher: Das ist gefährlich für die Menschen, die dort wohnen. Die Rate an chronischen Lungenerkrankungen oder auch Lungenkrebs ist dort erhöht. Für Touristen ist das unangenehm, aber diese einmalig erhöhte Belastung stellt keine relevante gesundheitliche Gefahr dar.

Wie schützt man sich vor MERS ?

Löscher: Über Ebola und MERS liest und hört man natürlich viel, weil es direkt von Mensch zu Mensch übertragbare Erkrankungen mit einer sehr hohen Sterblichkeit sind. Aber das Risiko, dass ein normaler Reisender sich damit infiziert, ist doch sehr gering. Generell sollte man die üblichen Hygieneregeln beachten. Dazu gehört, sich regelmäßig mit Seife die Hände zu waschen und den direkten Kontakt mit akut fieberhaft Erkrankten in den Ausbruchsländern zu vermeiden. In den arabischen Verbreitungsgebieten des MERS-Virus sollte man den Kontakt zu Dromedaren meiden, da diese eine wesentliche Ansteckungsquelle sind.

Welche Gefahren überschätzen Reisende?

Löscher: Viele haben z. B. Angst vor Cholera. Aber auch da ist die Gefahr, dass man sich ansteckt, sehr klein. Und ein gesunder Mitteleuropäer wird kaum an Cholera sterben. Die Menschen, die sterben, sind meist die Ärmsten der Armen, die zudem nicht behandelt werden. Die Behandlung ist sehr einfach: Der Patient braucht Infusionen.

Welche Gefahren unterschätzen Reisende?

Löscher: Die mit Abstand gefährlichste „Tropenkrankheit“ ist der Verkehrsunfall. In fernen Ländern sind die Autos und die Straßen oft unsicher, trotzdem gibt es viel Verkehr, und die Fahrer rasen mit hohem Tempo über schlechte Straßen. Kommt es zum Unfall, ist die ärztliche Versorgung vor Ort oft sehr schlecht. Ich rate auch dringend davon ab, sich in solchen Ländern ein Motorrad zu leihen – das ist praktisch Harakiri.

„Autounfälle sind die gefährlichste Tropenkrankheit“

Aber immer wieder erstaunt mich auch die Sorglosigkeit vieler Menschen z. B. im Umgang mit Sexualpartnern. Das betrifft nicht nur Männer, sondern auch Frauen. Es gibt immer noch sehr viele Menschen, die sich auf Reisen mit HIV infizieren. Ein hohes Risiko gehen auch Reisende ein, die sich in Entwicklungsländern tätowieren oder piercen lassen. Natürlich sind die Preise viel niedriger, aber die Instrumente werden schlecht oder gar nicht desinfiziert und sind nicht selten mit Krankheitserregern wie Hepatitis-B- oder C-Viren kontaminiert. Eine Gruppe von Reisenden, die uns sehr am Herzen liegt, sind Menschen mit Migrationshintergrund, die in die alte Heimat reisen, um dort Familie und Freunde zu besuchen. Das sind Menschen z. B. aus Ghana oder aus Nigeria, die hier schon seit vielen Jahren leben. Die Flüge sind günstig, und viele nutzen das regelmäßig. Aber sie unterschätzen die Gesundheitsgefahren z.B. in Bezug auf Malaria und kommen krank zurück. Gerade die Kinder sind völlig ungeschützt und sehr gefährdet. Über die Hälfte aller gemeldeten Malariafälle in Deutschland betrifft nicht die normalen Urlauber, sondern Menschen, die auf Heimatbesuch waren.

Wer übrigens nach der Rückkehr merkt, dass es ihm nicht gut geht, sollte möglichst rasch zum Arzt gehen. Gerade eine Malaria kann in sehr kurzer Zeit lebensbedrohlich werden. Die meisten Tropen- bzw. Infektionskrankheiten können wir mittlerweile sehr gut diagnostizieren und auch behandeln. Man sollte allerdings den Arztbesuch nicht hinauszögern.

Der Experte

Professor Thomas Löscher ist Facharzt für Innere Medizin, Infektiologie und Tropenmedizin und leitet das Tropeninstitut der LMU-München.

tz

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