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Reisen trotz drohender Staatspleite: Experten sehen in einem Staatsbankrott Griechenlands keine Gefahr für Touristen. Reisende könnten von einem Euro-Austritt der Griechen sogar profitieren.

Fragen und Antworten

Griechenland-Urlaub: Das sollten Athen-Reisende wissen

München - Die politische Diskussion um die Schulden Griechenlands verunsichert Touristen: Fliegt das Land aus der Eurozone? Was ist dann mit meinem Urlaub? Was bedeutet eine Einführung von Kapitalverkehrskontrollen? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Kann ich eine bereits gebuchte Pauschalreise auch dann antreten, wenn Griechenland pleite ist?

Ja. Für Griechenland-Urlauber, die eine Pauschalreise gebucht haben, ändere sich nichts, versichern die Reiseveranstalter. „Selbst wenn Griechenland die Eurozone verlassen sollte, hätte das für unsere Gäste keine Auswirkungen auf ihre gebuchten Reisemodalitäten“, teilte der Reisekonzern Tui mit. Das bestätigt auch der Thomas Cook: Flüge, Hotelübernachtungen oder Bustransfers seien bereits bezahlt und vertraglich abgesichert, betont das Unternehmen. Auch Tourismus-Experten geben Entwarnung: Reisende, die bei einem Veranstalter gebucht haben, hätten keine Konsequenzen zu fürchten, sagt Volker Böttcher von der Hochschule Harz in Wernigerode.

Was würde bei einer Einführung von Kapitalverkehrskontrollen passieren?

Die griechische Regierung müsste per Gesetz festlegen, dass Auslandsüberweisungen nur noch in beschränkter Höhe ohne Erlaubnis möglich sind. Wer beispielsweise mehr als 5000 Euro außer Landes bringen will, müsste sich das genehmigen lassen. Wollen Firmen größere Beträge an Empfänger in Nachbarländer schicken, wären sie verpflichtet nachzuweisen, „welche Geschäfte damit finanziert werden“, so Schröder. Davon betroffen sind dann auch deutsche Unternehmen.

Hätte das Auswirkungen auf die Bargeldversorgung mit Euro im Land?

Diese Möglichkeit besteht. Bei einer Einführung von Kapitalverkehrskontrollen ist vorstellbar, dass Bankautomaten in Griechenland nur noch geringe Euro-Beträge ausgeben, beispielsweise nicht mehr als 100 Euro.

Könnten Kapitalverkehrskontrollen auch Touristen treffen?

„Für deutsche Reisende hätten Zahlungsverkehrsbeschränkungen wahrscheinlich kaum Auswirkungen“, sagt Olga Drossou von der Heinrich-Böll-Stiftung in Thessaloniki. Wer aus Deutschland nach Griechenland reist, könnte wie bisher beliebige Euro-Summen einführen, um den Urlaub zu finanzieren. Es könne wegen möglicher Kapitalverkehrskontrollen aber durchaus sinnvoll sein, jetzt etwas mehr Bargeld mit ins Land zu nehmen, rät der Tourismus-Experte Thomas Bausch von der Münchner Hochschule für angewandte Wissenschaften. Allerdings sei dies eine Entscheidung, die jeder selbst treffen müsse. Denn das Mitführen von Bargeld berge auch das Risiko des Verlusts.

Wäre eine Pleite Griechenlands ein Grund für eine kostenlose Stornierung meiner Reise?

Nein – sagen die Reiseveranstalter. Die Möglichkeit einer Stornierung der Reise gebe es aus heutiger Perspektive nicht, bekräftigt der Urlaubskonzern Tui.

Komme ich aus dem Urlaub zurück, wenn durch eine Staatspleite meine Fluggesellschaft in den Bankrott gezogen wird?

Derzeit gibt es nach Aussagen von Ökonomen keinen Grund anzunehmen, dass eine Fluggesellschaft im Zuge einer Staatspleite mit in den Abgrund gezogen werde. „Griechische Fluggesellschaften sind international aufgestellt, verkaufen ihre Tickets im Ausland und betanken ihre Flugzeuge auf internationalen Flughäfen“, sagt Alexander Kritikos vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Aber selbst im Falle einer Pleite der Fluggesellschaft hätten Pauschalreisende das Recht auf einen Rückflug, sagt der Münchner Tourismus-Experte Bausch. „Dafür gibt es eine Garantie.“ Gleiches gelte für den Ausfall von Hotelübernachtungen. Auch hier müsse der Reiseveranstalter bei einer Pleite nach Alternativen suchen.

Ist es jetzt sinnvoll als Individualreisender nach Griechenland zu fahren?

Der Touristik-Experte Bausch rät in der momentanen Situation lieber eine Pauschalreise zu buchen, statt auf eigene Faust zu reisen. Der Grund: Bei einer Pauschalreise habe der Reisende mehr Sicherheiten.

Kann ich als Tourist auch von einem Austritt Griechenlands aus dem Euro profitieren?

Sofern Griechenland aus dem Euro aussteigt und eine eigene Währung einführt, könnten dadurch Vorteile für Touristen entstehen. Denn Griechenlands neue Drachme würde im Vergleich zum Euro vermutlich abgewertet – und die Kaufkraft des Euro würde steigen. „Wenn Gäste vor Ort ihre Euros in Drachmen umtauschen und dann damit bezahlen könnten, würden sie wahrscheinlich sogar weniger ausgeben“, erklärt ein Sprecher von Thomas Cook. Ähnlich sieht es Volker Böttcher: „Für die Touristen vor Ort wird es billiger.“ Davon könnten dann Individualreisende profitieren: Denn Hotelübernachtungen wären plötzlich vergleichsweise günstig.

Wie wird sich das Preisgefüge insgesamt ändern?

Volkswirte gehen davon aus, dass sich das Preisgefüge bei einer möglichen Abwertung erst mittelfristig ändern würde. „Anfangs wird sich überhaupt nicht viel ändern“, sagt DIW-Ökonom Kritikos. Denn es sei völlig unklar, in welchem Tempo Griechenland abwerte. Lokale Produkte würden sich im Falle einer Abwertung mittelfristig vergünstigen, Importgüter würden sich dann verteuern.

Kann es sein, dass man in Griechenland im Falle eines Euro-Austritts nicht mehr mit Euro bezahlen kann?

Laut Experten ist dieser Fall nahezu ausgeschlossen. „Dass der Euro nicht mehr als Zahlungsmittel angenommen wird, ist höchst unwahrscheinlich“, sagt der Tourismus-Experte Bausch. Hoteliers und Gastronomiebetriebe dürften sogar ganz froh über Devisen aus der Eurozone sein.

Werden Kreditkartenzahlungen weiterhin akzeptiert?

Ja. Reisende könnten davon ausgehen, dass Zahlungen weiterhin mit Kreditkarte abgewickelt werden könnten, sind sich sämtliche Experten einig.

Wie wirkt sich die Lage in Griechenland eigentlich auf das Geschäft der Reiseveranstalter aus?

Die Nachfrage nach Griechenlandreisen ist ungebremst hoch. Bei Thomas Cook seien Reisen nach Griechenland stark nachgefragt, teilte das Unternehmen mit. Griechenland sei das viertbeliebteste Reiseziel. Bei Tui rangieren Reisen nach Griechenland sogar auf Platz 3 – hinter Spanien und der Türkei. Die Buchungszahlen liegen leicht über denen des Vorjahres.  

Von Hannes Koch und Sebastian Hölzle mit dpa

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