+
Windpocken, berufliche Termine, Trauerfall - es gibt viele Gründe, warum man einen gebuchten Flug plötzlich nicht antreten kann. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

EuGH-Urteil

Gut für Verbraucher: Flugstornierungen künftig leichter

Millionen Deutsche starten dieser Tage mit dem Flieger in die Ferien. Wer seinen Flug nicht antreten kann, hat oft auch finanziellen Schaden. Der Europäische Gerichtshof hat ein Grundsatzurteil zu Gebühren und Bedingungen bei Rückerstattungen gefällt.

Luxemburg (dpa) - Der Europäische Gerichtshof stärkt die Rechte von Verbrauchern, die nach einer Flugstornierung von der Airline Geld zurückfordern. Die Luxemburger Richter erklärten es für rechtens, dass in Deutschland Sondergebühren bei Erstattungsanträgen ausgeschlossen werden.

Zudem verpflichtete der EuGH alle Fluglinien, den Anteil von Steuern, Gebühren und Zuschlägen im Flugpreis genau auszuweisen.

Anlass des EuGH-Urteils war eine Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands gegen Air Berlin. Die Verbraucherschützer monierten, dass die Fluglinie eine Bearbeitungsgebühr von 25 Euro erhebt, wenn ein Passagier einen Spartarif-Flug storniert oder nicht antritt.

Zudem kritisierten sie, dass Steuern, Gebühren und Zuschläge nicht genau genug aufgeschlüsselt wurden. Das ist von Bedeutung, weil Kunden zumindest diese Zusatzkosten nach einem nicht angetretenen Flug zum Teil zurückverlangen können.

Der mit der Sache betraute Bundesgerichtshof hatte den Luxemburger EU-Richtern zwei Rechtsfragen zur Klärung vorgelegt. Aus Sicht des BGH darf nach deutschem Recht keine Bearbeitungsgebühr wie bei Air Berlin verlangt werden, weil sie Verbraucher einseitig benachteiligen würde.

Die Karlsruher Richter fragten, ob das deutsche Recht in dem Punkt mit EU-Recht vereinbar ist. Der EuGH bejahte das. Zudem bestätigte er, dass Fluglinien den Anteil der Zusatzkosten am Flugpreis aufschlüsseln müssen.

Die Verbraucherzentrale begrüßte das Urteil. "Wir freuen uns wirklich darüber, dass es die Verbraucher künftig bei Stornierungen leichter haben werden, an ihr Geld zu kommen", sagte ihre Expertin Kerstin Hoppe auf Anfrage.

Musterbrief der Verbraucherzentralen

Mit Musterbrief Geld von Airline zurückfordern

Reisende können bei einer Flugstornierung Geld von der Airline zurückfordern, wie die Verbraucherzentrale Brandenburg erklärt. Dazu gibt es einen passenden Musterbrief bei den Verbraucherzentralen. Betroffenen steht auf jeden Fall die Erstattung der Steuern und Gebühren zu. Denn diese fallen für die Fluggesellschaften nur an, wenn Reisende tatsächlich mitfliegen.

Zusätzlich können sie eine Rückzahlung des Ticketpreises einfordern und sich dabei auf ein Urteil des Landgerichts Frankfurt berufen (Az.: 2-24 S 152/13). Die Airline muss demnach nachweisen, inwieweit sie das stornierte Ticket weiterverkaufen konnte. Ohne Belege darüber können Kunden den vollen Ticketpreis abzüglich einer Pauschale von fünf Prozent beanspruchen. Allerdings hat das Landgericht Köln in diesem Punkt anders geurteilt (Az.: 6 S 220/15) und bei speziellen Spartarifen eine Erstattung des Ticketpreises ausgeschlossen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Genialer Trick: So bekommen Sie Ihren Koffer am Gepäckband immer zuerst
Sie sind das lange Warten am Gepäckband an Flughäfen leid? Dann können Sie jetzt aufatmen: Mit diesem Trick bekommen Sie Ihren Koffer immer zuerst.
Genialer Trick: So bekommen Sie Ihren Koffer am Gepäckband immer zuerst
Hätten Sie es gewusst? Darum weinen wir im Flugzeug schneller
Es gibt viele Theorien, warum und wann Menschen weinen. Aus Trauer, vor Freude, vor Schmerz - doch warum weinen viele Menschen im Flugzeug schneller als sonst?
Hätten Sie es gewusst? Darum weinen wir im Flugzeug schneller
Auf diesen Kreuzfahrten müssen Sie mit Einschränkungen rechnen
Wer eine Kreuzfahrt bucht, der rechnet mit einigen Tagen Entspannung und vollem Programm an Bord. Warum es auf manchen Fahrten zu Einschränkungen kommt.
Auf diesen Kreuzfahrten müssen Sie mit Einschränkungen rechnen
Kinder dürfen auf Rügen abends nicht mehr in "Omas Küche"
Tausende Familien machen jedes Jahr an der Ostseeküste Urlaub. Ein Wirt auf Rügen heißt sie nicht mehr willkommen: Am Abend dürfen keine Kinder mehr in sein Restaurant. …
Kinder dürfen auf Rügen abends nicht mehr in "Omas Küche"

Kommentare