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Nichts, was es nicht gibt: Sogar Matratzen und Glühbirnen werden aus Hotels geklaut. 711 Hoteliers sind für die Statistik befragt worden.

Vorsicht Langfinger!

Von Handtuch bis Stereoanlage: Was Hotelgäste am liebsten stehlen

Was in Hotelzimmern steht, ist Eigentum des Gastgebers. Doch viele Gäste nehmen das nicht so genau. Auch und gerade in Luxushäusern wird gestohlen, was nicht niet- und nagelfest ist. Münchner Hotelmitarbeiter erzählen kuriose Geschichten.

Am besten, man malt sich das Szenario bildlich aus: Man ist gemütlich in der Stadt unterwegs, vielleicht auf dem Weg in die Mittagspause, blickt gedankenverloren auf das Hotel am Straßenrand und sieht, wie sich zwei Jugendliche an Bettlaken aus einem Fenster abseilen – mit einem Flachbildfernseher in den Armen.

Was wie eine Szene aus einem schlechten Film wirkt, ist wirklich passiert: In München, an der Bodenseestraße. Die beiden Münchner Jugendliche, 19 und 20 Jahre alt, absolvierten nicht etwa eine fragwürdige Mutprobe. Sie wollten den Fernseher schlicht und einfach stehlen. Die Nacht zuvor hatten sie sich in das Hotel eingemietet, auf dem Zimmer eine Party mit viel Alkohol, Marihuana und Zigaretten gefeiert, und am nächsten Tag den Flachbildfernseher von der Wand montiert und eine Schlinge aus den Bettlaken geknotet. Der Hoteldirektor, der nicht genannt werden will, kann nach wie vor nur den Kopf schütteln. Die Jugendlichen seien zwar ertappt worden, hätten sich aber offenbar vor dem Prozess abgesetzt und seien untergetaucht. In ihrer Abwesenheit fiel jetzt das Urteil des Amtsgerichts: Beide müssen 200 Euro Strafe zahlen, der 19-Jährige weitere 200 Euro Verfahrenskosten, der 20-Jährige vier Tage in Arrest.

Auch wenn der Fall besonders spektakulär in der Ausführung war, überrascht er Branchenkenner nicht. Vor allem in gehobenen Münchner Hotels haben die Mitarbeiter schon einiges erlebt. „Wie in allen Hotels kommt es natürlich durchaus vor, dass Bademäntel, Kissen, Handtücher verschwinden“, erzählt eine Sprecherin des Mandarin Oriental. Das Doppelzimmer in dem Fünf-Sterne-Hotel in der Altstadt kostet pro Nacht mindestens 675 Euro. Viele der Gäste, die sich das leisten, nehmen Handtücher und Bademäntel wie selbstverständlich als Souvenir mit – am liebsten mit eingesticktem Logo des Luxushotels. Darüber wundert sich kaum mehr jemand. Die Sprecherin des Mandarin Oriental hat aber noch eine dreistere Geschichte parat: Einmal habe ein Gast eine komplette Musikanlage aus dem Zimmer geschmuggelt. Wert: mehrere hundert Euro.

Auch die Mitarbeiter des Vier-Sterne-Hauses Eden Hotel Wolff am Hauptbahnhof können kuriose Geschichten erzählen. Besteck und Geschirr aus dem Hotelrestaurant werden oft geklaut, aber auch teure Kunstwerke. „Ein Gast hat sich einmal ein Bild aus dem Flur geschnappt und in seinem Koffer verpackt“, erzählt eine Mitarbeiterin. Den Koffer ließ er allerdings offen im Zimmer liegen, die Putzfrau sah das Kunstwerk darin und nahm es wieder heraus. Ende der Geschichte? Keineswegs! Der Gast packte das Diebesgut wiednner ein. „Wie die Gäste so etwas aus dem Hotel schmuggeln, ist ein Rätsel“, sagt ein Unternehmenssprecher. Die Bilder seien samt Rahmen bis zu eineinhalb Meter breit. „Das versteckt man nicht unterm Mantel.“

Trotzdem werden Bilder öfter geklaut. In einer Statistik, die das Online-Bewertungsportal Wellness-Heaven erstellt hat, stehen sie auf Platz sieben – nach Batterien aus Fernbedienungen zum Beispiel, Besteck, Kleiderbügeln und Handtüchern. Das Portal mit Sitz in München hat dazu mehr als 700 Hoteliers befragt. Manche Antworten lassen sogar Fernseher- und Bilder-Diebe gewöhnlich wirken. Ein Berliner Hotel zum Beispiel berichtet von geklauten Toilettensitzen, Duschköpfen und Waschbecken. In Frankreich wollte ein Gast einen ausgestopften Wildschweinkopf von der Wand nehmen.

Genau genommen darf übrigens gar nichts aus dem Hotelzimmer mitgenommen werden. Auch nicht der Kugelschreiber vom Tisch oder das Shampoofläschchen – darauf weist der deutsche Hotelverband hin. Weil das schwer zu überwachen ist, drucken viele Hotels ihre Logos auf diese Kleinteile. Dann sind Handtücher, Kugelschreiber und Co. nicht mehr nur Diebesgut, sondern zumindest auch Werbemittel.

Von Franziska Bär

Wie im Märchen: Die schönsten Burghotels Deutschlands

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