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Der Bergpark mit der Herkulesfigur und den Wasserspielen ist Teil des Antrags zum Unesco-Weltkulturerbe.

Titel gegen graues Image

Kassel: Bergpark bald Unesco-Welterbe?

Die Herkulesstatue und der Bergpark in Kassel mit seinen Wasserkünsten könnten zum Unesco-Welterbe erklärt werden. Und Hessen hat für die kommenden Jahre noch mehr vor.

Die Entscheidung naht: Wird Kassel Welterbe? Ausgerechnet die Stadt, die ihr altes Image als graue Maus trotz Wirtschaftsaufschwungs, eines Titels als dynamischste Großstadt (2011) und der Weltkunstausstellung documenta außerhalb von Hessen bislang kaum aufmöbeln konnte? Auf ihrer Tagung in Phnom Penh (Kambodscha) entscheidet die Unesco darüber, ob der Kasseler Bergpark Wilhelmshöhe mit dem Herkules und den Wasserkünsten den begehrten Titel erhält. Es ist für dieses Jahr das einzige deutsche Eisen im Feuer, denn pro Jahr darf Deutschland nur einen Antrag zum Unesco-Welterbe einreichen.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) räumte Kassel schon zu Jahresbeginn gute Chancen ein - nicht zu Unrecht. Der Internationale Rat für Denkmalpflege empfahl im Mai den Bergpark Wilhelmshöhe für die Liste der Unesco-Welterbe. In einem Gutachten wurde der Bergpark als universell einzigartige Kulturlandschaft gewürdigt. „Damit ist ein weiterer, sehr wichtiger Meilenstein erreicht“, sagte die hessische Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU).

Die Wasserspiele unterhalb des Herkules im Bergpark Wilhelmshoehe in Kassel (Hessen).

Die Vorbereitungen in Kassel laufen seit mehr als einem Jahrzehnt. „Wir haben alles getan, was wir tun konnten, und wir haben große Hoffnung“, betonte Kühne-Hörmann. 500 Seiten dick ist der Antrag. Wichtig dabei war: Das Besondere betonen und das Alleinstellungsmerkmal herausstellen. „Es ist schwieriger, heute Welterbe zu werden, als vor 20 Jahren. In dem Antrag steckt eine wahnsinnige Arbeit“, erklärte die Ministerin.

Doch was macht den Bergpark, die Wasserspiele und den Herkules so einzigartig? Es ist die einmalige Verbindung von Technik, Natur und Kultur in der barocken Gartenanlage. Beim Bau wurde die Lage des Parks so ausgenutzt, dass den Wasserkünsten eine beeindruckende Monumentalität zukomme, heißt es auf der Internetseite der Bewerbung. Lesen Sie hier mehr zum Weltkulturerbe auf unserem Partnerportal.

Wie vor 300 Jahren funktionieren das Wassertheater und die Wasserspiele mit der rund 50 Meter hohen Fontäne nur durch Wasserkraft und ohne Pumpe. Bis heute werden dafür insgesamt 750.000 Liter Wasser in verschiedenen Becken gesammelt und durch unterirdisch unter dem Habichtswald verlaufende Röhren weitergeleitet. Selbst Teile der 300 Jahre alten Rohrleitungen sind noch immer in Gebrauch.

Zudem der Herkules: Auf dem Gipfel des Karlsbergs wurde die insgesamt 11,30 Meter hohe Figur vor 300 Jahren auf die Spitze einer steilen Pyramide auf einem Grottenbauwerk gesetzt. Damit habe Landgraf Karl von Hessen-Kassel seinen Willen betont, „das Unmögliche zu wagen und den Naturgewalten zu trotzen“, schreibt die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Das gelang auch, allerdings mit Folgen: Bis heute bleibt die zwischen 1713 und 1717 geschaffene Figur ein ständiger Sanierungsfall. Die Lage allerdings verhelfe dem Herkules zur Bedeutung einer Landmarke.

Der angestrebte Welterbetitel sei nicht nur lokal bedeutend, sagte Kühne-Hörmann. „Der Titel bringt uns in eine andere Liga. Dann werden wir mit Weltwundern verglichen.“ Die Ministerin betonte, dies hätte auch Auswirkungen auf Wirtschaft und Tourismus. „Der Welterbetitel ist eine Marke. Wir sprechen dann auch einen anderen Personenkreis an.“

Bislang gibt es auf hessischem Gebiet teilweise oder komplett fünf Welterbestätten: Das karolingische Kloster Lorsch, die Grube Messel (erstes Naturerbe in Deutschland), das Obere Mittelrheintal, der frühere römische Grenzwall Limes sowie die Buchenwälder im Nationalpark Kellerwald-Edersee. Zum hessischen Weltdokumentenerbe gehören zudem der Stummfilm „Metropolis“ von Fritz Lang sowie das Handexemplar der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, das im Brüder-Grimm-Museum Kassel ausgestellt ist.

Und weitere hessische Welterbestätten könnten dazukommen. In Darmstadt, Marburg und Wiesbaden laufen Vorbereitungen für einen Antrag. Die Vorschläge „Künstlerkolonie Mathildenhöhe Darmstadt“, „Universitätsstadt Marburg“ und „Bühne der Gesellschaftskur im 19. Jahrhundert Wiesbaden“ sind bei der Kultusministerkonferenz in Bonn eingereicht worden.

Deutschlands UNESCO Welterbestätten

Deutschlands UNESCO Welterbestätten

Von Timo Lindemann, dpa

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