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Hiddensee ist kein Seebad von Welt - aber der Strand muss sich hinter anderen nicht verstecken.

Langer Strand an der Ostsee

Hiddensee ist die Insel der Künstler und Dichter

Vitte/Kloster - Hiddensee liegt westlich von Rügen und ist nur per Fähre zu erreichen. Autos dürfen dort nicht fahren, dafür gibt es Kutschen. Für Schriftsteller Gerhart Hauptmann war Hiddensee die Insel seines Lebens.

Im Hafen von Vitte riecht es nach Pferdeäpfeln. Benzingeruch gibt es auf Hiddensee nicht - Autos sind auf der kleinen Ostseeinsel verboten. Gerade hat die „Sundevit“ aus Zingst angelegt, ein Schwung neuer Touristen geht von Bord. Einige Gäste reisen gleich vom Hafen aus mit der Ein-PS-Kutsche weiter. Der Rest geht zu Fuß in den Ort. Die Wege sind hier kurz.

Wer auf Hiddensee angekommen ist, schaltet fast automatisch einen Gang runter. Die Insel ist viel kleiner als der Nachbar Rügen und viel ruhiger. Nicht einmal 17 Kilometer ist sie lang und an der schmalsten Stelle nur 250 Meter breit. Fahrradfahren ist hier das reinste Vergnügen.

Ziele gibt es genug - der Leuchtturm im Norden der Insel gehört dazu. Erbaut wurde er 1888 und ist immerhin 72 Meter hoch. Attraktiv für Urlauber war die kleine Insel schon zu Kaisers Zeiten, der Tourismus hat Tradition. Um 1900 gab es bereits mehrere Hotels. Gerade Künstler und Schriftsteller zog die Insel an: Gottfried Benn und Carl Zuckmayer spazierten hier über den Strand, der Brücke-Maler Erich Heckel hatte hier ein Sommerhaus. Hans Fallada schrieb seinen Roman „Kleiner Mann, was nun?“ auf Hiddensee zu Ende.

Joachim Ringelnatz, Autor humorvoller Reime, fühlte sich immer wieder im Haus von Asta Nielsen wohl: Die Stummfilm-Ikone kaufte sich Ende der 1920er Jahre das noch heute als „Karusel“ bekannte Haus in Vitte, in das die Dänin jeden Sommer Freunde und Kollegen aus der Künstlerszene in Berlin einlud. Heute gibt es regelmäßig Führungen, bei denen man ins Innere kommt. Dort erinnert eine kleine Ausstellung an das Leben der Schauspielerin.

In Vitte steht auch die Blaue Scheune: In dem Reetdachhaus in kräftigem Blau gab es etliche Ausstellungen des 1922 gegründeten „Hiddensoer Künstlerinnenbundes“. Clara Arnheim gehörte dazu, die von den Nazis verfolgt wurde und 1942 in Theresienstadt starb.

Der Künstler, für den Hiddensee die Insel schlechthin wurde, war aber Gerhart Hauptmann. Sein Geburtstag jährt sich in diesem Jahr zum 150. Mal, und genau 100 Jahre ist es her, dass er den Literaturnobelpreis bekam. Hauptmann kam im Juli 1885 das erste Mal auf die Insel - im „Gasthof Schlieker“ trug er sich ins Gästebuch ein. Bald kam er regelmäßig, begeisterte sich für die ewig brandende Flut und das Schauspiel der Sonne.

Seit 1926 wohnte er immer wieder im „Haus Seedorn“ in Kloster, das er 1930 kaufte. „Bis 1943 hat er dann so gut wie jeden Sommer hier verbracht“, sagt Franziska Ploetz, Leiterin der Gerhart-Hauptmann-Stiftung, die ihren Sitz auf Hiddensee hat. „Hier ist auch ein Großteil seines Alterswerks entstanden.“ Nach seinem Tod 1946 in Schlesien, im Süden des heutigen Polen, wurde sein Leichnam auf Hiddensee beigesetzt - er hatte sich das ausdrücklich gewünscht.

„Schon seit Ende der 40er Jahre kamen Besucher, um zu sehen, wo er gelebt hat“, erzählt Ploetz. Sein „Haus Seedorn“ steht leicht erhöht und ist von einem immer noch lauschigen Garten umgeben. Die alte Villa ließ Hauptmann um einen Anbau ergänzen. Beide Teile verbindet ein „Kreuzgang“ mit gotisch anmutendem Deckengewölbe, in dem der Dichter auf und ab spazierte. „Er hat sich damit ein Stück italienisches Kloster nach Hiddensee geholt“, sagt Franziska Ploetz.

Sein Arbeitszimmer beeindruckt noch immer: Der Flügel steht am alten Platz, ein Globus, das Pult, an dem Hauptmann oft gearbeitet hat - und die riesige Bücherwand mit Hunderten von Titeln. Bei Schlafstörungen nutzte Hauptmann die Wand neben dem Bett für Notizen, einzelne Worte, Satzfetzen - „Schweigen ist die größte Kunst“ etwa.

Und wer ein bisschen Zeit mitbringt, sollte in den Weinkeller hinabsteigen. Seine guten Tropfen lagerte Hauptmann in Tonröhren in der Kellerwand. Der Sommer beginnt, wenn die jährliche Weinlieferung für Hauptmann kommt, hieß es auf der Insel. Und er geht zu Ende, wenn der Weinkeller leer ist.

dpa

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