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Ideales Ziel: Stadt, Strand, Bergnest, Kultur – Cefalù im Norden Siziliens ist alles in einem.

Mit dem Zug nach Sizilien – eine Schnapsidee?

Wer mit dem Flugzeug reist, kommt zwar als Erster an, aber es ist nicht billiger. Mit dem Auto braucht man sehr viel länger, und anstrengend ist es auch. Wer jedoch mit dem Zug nach Sizilien fährt...

...eineinhalbtausend Kilometer südwärts, hat das große Los gezogen. Es ist das reinste Vergnügen. Wolfgang Minaty machte sich auf zur Zeit-Reise.

Wir steigen in München in den Nachtzug, lassen uns über die Gleise tragen, und sind am nächsten Morgen halbwegs ausgeruht in Rom. Wir lassen den direkten Anschlusszug davonfahren. Kurzvisite in der Heiligen Stadt, am nächsten Morgen Weiterfahrt mit dem Intercity.

„Im Frühling zum Staunen, im Herbst zum Genießen.“

Kann Reisen irgendwie und irgendwo schöner sein? Es geht meist an der Küste entlang. Vorbei an Neapel und Salerno, durch Kampanien und Kalabrien – so weit die Gleise tragen. Sie reichen bis an die Meerenge von Messina und noch weiter. Die Fähre nimmt den Zug einfach mit. Nach einer Stunde Seeluft hat die Lokomotive wieder festen Untergrund und fährt weiter.

Meerenge von Messina: Der Zug fährt mit der Fähre.

Geschafft! Wir sind in Sizilien. Im Norden. Den Ätna haben wir im Rücken, Stromboli vor uns. Zwei Vulkane, die wir zwar nicht sehen, aber wir bilden uns ein, sie zu spüren. Gefahr spürt man. Wer ein Bergnest will, einsam am Hang, der sollte in Cefalù aussteigen. Wer lieber eine Stadt mit Dom und Markt und Leben will, der sollte ebenfalls hier aussteigen. Und wer einfach nur Sonne, Sand und Strand will? Der steigt erst recht aus. Denn Cefalù ist alles in einem. Und der ideale Ausgangspunkt für einen Sizilien-Urlaub. Von hier lassen sich alle sehenswerten Ziele per Tagesausflug erreichen: Palermo, Taormina und der Ätna.

Die langsamsten Städte der Welt

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Es ist wunderbares Wetter. Milde 20 Grad. Eine Sonne, die wärmt. Und eine Luft, die würzt. Urlaubsbedingungen, wie sie auch der Italien-Profi und Sizilien-Spezialist Goethe 1787 bemerkt hat: „Im Frühling zum Staunen, im Herbst zum Genießen.“ Zwar hat er das nicht wortwörtlich so gesagt, wie uns das die Reisebüros gerne glauben machen, aber sinngemäß schon.

Sizilien

Nehmen wir Platz. Am besten draußen vor dem Dom, in einem der Cafés unter Palmen. Wehrhaft, mit dicken Mauern, hohen Zinnen und doppelten Türmen, ist der Dom. Der Normanne Roger II. hat am Fuße des wuchtigen Kalkblocks, den die alten Griechen einst „Kephalos“ (Kopf) nannten, im Jahr 1131 den Grundstein für eine Kathedrale gelegt. Am nächsten Tag fahren wir nach Termini Imerese. Wir könnten einen Mietwagen nehmen, doch die Eisenbahn ist billiger, und man kommt mit den Menschen in Kontakt bei einem Gläschen Nero d’Avola, einem feurigen Roten.

Termini Imerese ist ein seit der Antike bekanntes Thermalheilbad. Die Griechen hatten freilich nur vorübergehend ihre Freude daran, weil eines Tages die Karthager kamen. Die Freude heutzutage ist auch nur geteilt, weil am Ende der Bucht hässliche Indus­trie­schlote herüberschauen.

114 Kilometer in drei Stunden

Also nehmen wir kurzerhand den Bus, der uns den Berg hinaufbringt, nach Cáccamo, einer Bauernstadt, deren Häuschen komplett die Kuppe überziehen. Die Fassaden bröckeln. Die Gegend ist arm, aber echt. Die Menschen haben Zeit füreinander.

Zeichnung der geplanten Brücke in Italien, die mit vier Kilometer Länge Kalabrien und Sizilien über die Straße von Messina verbinden soll.

Eine Stunde Zugfahrt ist es von Cefalù nach Palermo. Hier ist Betrieb. Hier hat man keine Zeit, ist ständig auf Achse. Die Straßen sind voll, die Geschäfte sind voll, die Bars sind voll. Hat man je schon so viele Menschen auf so engem Raum gesehen? So viele engste Gassen – und so viel Griechisches, Römisches, Byzantinisches, Arabisches, Normannisches und Spanisches auf einem Fleck? Das reinste Chaos, laut dazu, aber auf liebenswerte Weise. Das gilt besonders für die Vucciría, den orientalischsten Markt Palermos. Dafür sollten Sie sich Zeit nehmen. Lassen Sie einfach mal den Dom und die Museen links liegen. Wir fahren dafür morgen nach Monreale.

Dafür nehmen wir wieder den Zug nach Palermo und dann den Bus Nr. 389. Mag sein, dass der Dom von Palermo größer ist. Vielleicht ist er auch historischer. Aber Monreale ist einfach ein Muss, Dom und Kloster ein Meisterwerk christlicher Phantasiekunst.

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Szenenwechsel. Es geht nach Taormina, an die Ostküste, wir wollen zum Ätna. Er zeigt sich nicht jedem. Man muss schon hinauf. Es gibt geführte Touren, aber bitte nur mit warmen Sachen! Denn oben pfeift der Wind, es schneit oft. Der Blick über den Kraterrand ist ohnehin verwehrt. Mit Vulkanen ist nicht zu spaßen. Talwärts ist es bedeutend lieblicher. Und gemütlicher, bestimmt dann, wenn man mit dem Zug um den Fuß des Ätnas herum fährt: 114 Kilometer in drei Stunden.

Ein leises Schaudern flößt uns der Naturpark des Flusses Alcántara am nördlichen Rand des Ätnas ein. Durch die Schlucht sollten nur die, die keine Platzangst haben: Stellenweise eng wie ein Nadelöhr, geht es 30 Meter schroff in die Höhe. Es lohnt sich. Mit dem Zug nach Sizilien: Ja, immer und immer wieder. Es ist alles andere als eine Schnapsidee.

Wolfgang Minaty

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REISEZIEL: Sizilien liegt am südlichen Rand Europas im Mittelmeer und hat mehr als 1000 Kilometer Küste.

ANREISE Die Fahrt mit dem Zug sollte man in zwei Etappen machen (ein Tag Unterbrechung in Rom): erste Etappe Nachtzug München-Rom (ab 21.02 Uhr), zweite Etappe Intercity Rom-Cefalù (ab 7.39 Uhr). Rückfahrt: Taormina-Rom-München. Preis insgesamt (je nach Komfort) inkl. Fähre/Messina ab 154 Euro (hin und zurück).

WETTER Schon im März hat es auf Sizilien über 20 Grad. Dem Meer sollte man allerdings einen temperierten Hotelpool vorziehen.

HOTELTIPPS Zwei Nächte hat bereits der Schlafwagen übernommen. In Rom bietet sich das elegante Fünf-Sterne-Una Hotel Roma an (zwei Minuten vom Hauptbahnhof in der Via Giovanni Amendola 61); ab 221 Euro pro Nacht/Zimmer/Frühstück): www.unahotels.it. In Cefalù wohnt man sehr persönlich im Hotel La Plumeria DZ ab 139 Euro, www.laplumeriahotel.it. Am Fuße des Ätna (nähe Taormina) empfiehlt sich das familienfreundliche Casa delle Monache Resort; DZ ab 44 Euro, www.terralcantara.it.

ESSEN UND TRINKEN In Cefalù sitzt man in schöner Atmosphäre in der Ostaria del Duomo (Via Seminario 5). ­Niveauvoll wird im Restaurant La Botte (Via Veterani 20) getafelt. In Palermo gibt es ungezählte Möglichkeiten: von der einfachen Straßentrattoria „Peppuccio alla Kalsa“ bis zum exquisiten „Gadir“(beide Nähe Palazzo Abatellis).

WEITERE INFOS bei ENIT, der Italienischen Zentrale für Tourismus in Frankfurt unter Tel. 069/23 74 34 oder im Internet: www.enit-italia.de.

ZUKUNFT Das TEN-Projekt Nr. 1, die Achse Berlin-Palermo (2200 Kilometer), sieht für frühestens 2027 eine durchgehende Verbindung für Hochgeschwindigkeitszüge vor (inkl. 55 Kilometer Brenner-Basistunnel und 3,3 Kilometer Brücke über die Straße von Messina).

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