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Platz an der Sonne: Wer die Badeliegen in der ersten Reihe auch belegt, ist auf der sicheren Seite.

Mittelmeerorte machen mobil

Kampf um den besten Platz am Strand

Handtuch an Handtuch: Im Sommer tobt an Stränden Spaniens und Italiens ein erbitterter Kampf um die besten Plätze. Viele Urlauber legen schon frühmorgens ihre Sachen als Platzhalter aus. „Unerhört!“, meinen Badeorte am Mittelmeer – und drohen mit Strafen.

Madrid/Rom – Ein typischer spanischer Strand am Mittelmeer, sieben Uhr morgens, noch ist die Luft angenehm kühl. Vollgepackt ziehen Touristen über den feuchten Sand, im Schlepptau bunte Sonnenschirme, Strandliegen, Klappstühle und Plastiktische. Sie marschieren schnurstracks bis zum Wasser und suchen dann fachmännisch nach dem perfekten Platz an der Sonne. Nachdem sie die Ausrüstung abgeladen, die Schirme aufgespannt und die Stühle aufgestellt haben, gehen sie wieder. Oft kommen sie erst am Mittag wieder, denn ein Plätzchen in der ersten Reihe haben sie ja sicher. Oder nicht?

Konfiszierte Liegestühle in Marina di Cecina

In immer mehr Badeorten riskieren Urlauber nun, bei der Rückkehr vergeblich nach ihrem Schirm zu suchen. Denn viele Gemeinden auf der Iberischen Halbinsel haben die schamlose Unsitte satt und wollen der Strandparzellenreservierung den Garaus machen. Unter anderem lassen sie das über Stunden verwaiste Strandmobiliar jetzt konfiszieren. Zudem drohen Geldstrafen – bis zu 720 Euro, wie die Zeitung „El País“ vor wenigen Tagen meldete. Und auch in Italien hat die Küstenwache den Platzhaltern den Krieg erklärt.

Dabei schien die frühmorgendliche Reservierung von Liegen an Pool und Strand traditionell ein deutsches Phänomen zu sein. Erst im vorigen Jahr hatte aber eine Umfrage ergeben, dass die Briten die Deutschen scheinbar noch toppen und fast doppelt so oft ihre Sonnenliege mit Handtüchern markieren wie die Teutonen. Dass auch Spanier und Italiener im Kampf um den besten Strandabschnitt mitmischen, dürfte vielen neu sein – aber gerade in diesem Jahr habe sich die Unsitte verbreitet, sagt ein Mitarbeiter der Küstenwache in Ostia bei Rom.

Gelegentlich greift Italiens „Guardia Costiera“ bereits hart durch. So beschlagnahmte sie kürzlich in Cecina in der Provinz Livorno 37 Liegestühle, 30 Sonnenschirme sowie zahlreiche Handtücher. Die Besitzer reagierten empört. „Sie können uns nicht wie Touristen zweiter Klasse behandeln, auch wir bringen der Region Geld und Wohlstand“, zitierte die Zeitung „Il Tirreno“ erboste Badegäste.

Die Küstenwache konterte, das Reservieren von Plätzen an den freien Stränden sei „Ausdruck von Sittenlosigkeit und mangelndem Respekt gegenüber Urlaubern, die sich an die Vorschriften halten“. Denn der Strand ist staatliches Eigentum – und der Zugang für jeden frei. Wer dagegen verstößt, muss auch im Stiefelstaat mit saftigen Strafen rechnen: Bis zu 200 Euro kann das wilde Reservieren hier kosten.

Die Aktion steht im Kontext der italienischen Sicherheitskampagne „Sicheres Meer 2016“. Diese habe sich auch zum Ziel gesetzt, den öffentlichen Zugang zum Meer und zu den Stränden als Gemeinschaftseigentum durchzusetzen, unterstreicht die Küstenwache.

Denn das Meer lockt auch Geschäftemacher. Eine neue Masche gibt es offenbar beim Verleih von Sonnenschirmen, die der Badegast normalerweise an einer Sammelstelle mitnimmt und abends zurückbringt. Inzwischen stellten manche Vermieter selbst die Schirme an besonders begehrten Stellen auf – und vermieteten den „Logenplatz“ gegen Aufpreis gleich mit, berichten Mitarbeiter der Küstenwache.

In Spanien ist hingegen Gandia der jüngste Ort, der gegen die illegalen Platzhalter vorgeht. Das 65 Kilometer südlich von Valencia gelegene Städtchen wächst in der Hochsaison von normalerweise 75 000 Einwohnern auf 300 000 an – angelockt vom acht Kilometer langen feinen Sandstrand, an dem sie sich Handtuch an Handtuch sonnen. „Wir haben entschieden, die Polizei anzuweisen, die verlassenen Objekte wegzuschaffen, die ab den frühen Morgenstunden einen öffentlichen Ort in einen privaten Ort verwandeln“, zitierte „El País“ José Manuel Prieto von der örtlichen Stadtverwaltung.

Bei der Bevölkerung stieß die Entscheidung größtenteils auf Zustimmung. „Ich gehe jeden Morgen am Strand spazieren und sehe dabei sehr viele Leute, die mit ihren Sonnenschirmen richtige Barrieren errichten, und alles in der ersten Reihe“, sagt der Anwohner Carlos Peiró. „Das scheint mir nicht korrekt.“

Und die Anordnung zeigt Wirkung: Seit ihrem Inkrafttreten vor wenigen Tagen sei die Zahl der vereinsamten Sonnenschirme bereits deutlich gesunken, so die Behörden. Auch Urlaubsorte wie Torrox bei Malaga, Almuñécar in der Provinz Granada und Torrevieja an der Costa Blanca gehen schon seit einiger Zeit gegen die sommerliche Unart vor. „Denn die persönliche Aneignung eines öffentlichen Ortes ist inakzeptabel“, erklärte José Manuel Dolón, der Bürgermeister von Torrevieja.

Von Carola Frentzen und Sabine Dobel

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