+
Eagle’s Eye - Kanadas höchstgelegenes Berglokal auf 2350 Meter. 

Der bayerische Brückenbauer

Champagne Powder am Kicking Horse - ein wahrer Traum für Wintersportler. Christoph Lösch ist dorthin ausgewandert und hat aus Holz das Eagle's Eye in 2350 Meter gezimmert.  

In diesen Tagen blickt die Welt nach Vancouver und Whistler, den Austragungsorten der Olympischen Winterspiele 2010. Aber auch Golden, der 700 Kilometer entfernte Talort des Ski­resorts Kicking Horse, profitiert vom Ruhm der Spiele. Ein bayerischer Einwanderer ist hier im wahrsten Sinne des Wortes zum Brückenbauer zwischen den Welten geworden.

Goldene Zukunft in Golden: Vor 16 Jahren kam Christoph Lösch aus Sibichhausen am Starnberger See in die kanadische Kleinstadt und baute auch eine Brücke.

Christoph Lösch ist Geschäftsmann. Geht es über seinen Werdegang, kann er reden, reden, reden. Davon, wie er sein Heimatdorf Sibichhausen im Landkreis Starnberg wegen einer „beruflichen Sackgasse“ vor 26 Jahren verlassen hat. Wie er erst in die USA und dann 1997 nach Golden kam. Wie er dort sein Timberframe-Haus, ein Haus in spezieller Holzbauweise, errichtet und seine eigene Zimmerei gegründet hat. Stolz berichtet er von seinen beiden ersten Projekten: dem Eagle’s Eye an der Gipfelstation des Kicking Horse Skigebiets, auf 2350 Metern Kanadas höchst gelegenes Speiselokal, sowie der Daylodge am Fuß der Gondelstation. Und er erzählt davon, wie er eines der Wahrzeichen Goldens geschaffen hat: die längste frei tragende, überdachte Timberframe-Brücke Kanadas über dem Kicking Horse River.

Mit seiner Zielstrebigkeit will der 54-jährige gebürtige Münchner gar nicht so recht passen zu Golden und der verbreiteten „Take-it-easy“-Grundhaltung. Wegen des Geldes ist niemand hier. Nicht Skilehrer Nick aus England, nicht „Liftie“ Marc aus Quebec, der jedem Gast zuvorkommend Skier und Snowboards abnimmt und in die Gondel stellt; auch nicht die Australierin Alison vom Guest Service, Holger aus Deutschland oder der Belgier Peter aus dem Eagle’s Eye. Wer hierher kommt, will so viel arbeiten, dass es für die Miete reicht und ansonsten das Leben genießen.

Ski­resorts Kicking Horse - 700 Kilometer von Vancouver entfernt.

Natürlich: Auch Christoph Lösch nutzt jedes Wochenende zum Skifahren. Er liebt das Gebiet oberhalb Goldens. Golden ist seine Heimat geworden. Vor allem, seit er hier mit Ehefrau Elena eine Familie gegründet hat. Töchterchen Martina ist elf Monate alt. Es ist nicht schwer, in Golden Deutsche zu treffen. Solche, die wie Lösch ausgewandert sind. Vor allem aber solche, die hier Urlaub machen im Land des berühmten Champagne Powder, dem unvergleichlich lockeren Pulverschnee. Fünf Lifte erschließen ein Areal an Varianten, das Seinesgleichen sucht, und in dem man buchstäblich auf Wolken schwebt: Während es im Tal neblig und diesig ist, herrscht oben im Resort meist strahlender Sonnenschein.

Das beschauliche Golden ist für den Bayern eine neue Heimat geworden.

Wer glaubt, hier seien nur Extremskifahrer vereint, die sich in steilen Rinnen zu Tal stürzen, der irrt. Es ist überraschend, wie viele Familien den Weg in das Resort finden. Selbst an gut besuchten Wochenenden trifft man auf der CPR-, der Redemption- oder der Terminator-Ridge, den Berggraten, über die man zu den einzelnen Rinnen gelangt, nur wenige an, während alle übrigen Gäste auf „zahmen“ Pisten unterwegs sind. Spricht der Kanadier übrigens von „vollen Pisten“, ist für den Alpenbewohner „kaum etwas los“. Und klagt er über „eisige und harte“ Bedingungen, werden die Europäer überrascht sein von den weichen Abfahrten. Sie sind einfach verwöhnt, die Skifahrer vom Kicking Horse. Golden entwickelt sich. Steve Paccagan, Präsident und Manager des Resorts, spricht von einer jährlichen Besuchersteigerung von 15 Prozent.

Die Stadt habe sich dank der einzigartigen Lage in der Mitte von sechs Nationalparks auch als Sommerdestination einen Namen gemacht, sagt Miro Micovsky, Marketing Director von Tourism Golden. Sie ist idealer Ausgangsort zum Wandern, Klettern, Kajakfahren und Mountainbiken. Im Winter habe man leider nach wie vor das Image der Durchfahrtsstadt am Trans-Canada-Highway. Aber das werde sich ändern, hofft Micovsky.

Auch Olympia im 700 Kilometer entfernten Vancouver soll dabei helfen. Eine Woche lang wurde die Ankunft der Fackel in Golden gefeiert und die Stadt wurde dabei kanadaweit in den Medien genannt.

Kanada Karte

Nicht jeder jedoch ist begeistert von den Veränderungen. Wo für die Skifreaks der Spaßfaktor beginnt, beginnen auch die Probleme. Für jene, die diese Stadt aufgebaut haben. Es gibt Einheimische, die sich an die Zeit vor dem Resort zurücksehnen. Es sind die älteren Stadtbewohner, die sich beklagen, dass sie beim Einkaufen niemanden mehr kennen.Der jüngeren Generation gefällt, was aus Golden geworden ist. Durch das neue „Multikulti“ sei Leben und eine frische Atmosphäre in die Stadt gekommen, sagt Nathan Briggs (29). Straßencafés, Bars und ein Dorfplatz sind entstanden – auch wenn nach wie vor die beiden Hauptarbeitgeber, Canadian Pacific Railway und die Holzfabrik, das Stadtbild bestimmen. Nein, schön ist diese Kleinstadt noch immer nicht. Nicht auf den ersten Blick. Doch sie hat einen Charme, dem Einwanderer wie Christoph Lösch, Nick, Marc und Miro Micovsky verfallen sind. Und keiner der Drei muss lange überlegen, was diesen Charme ausmacht. Golden, sagen sie, ist authentisch, gewachsen, mit einem ansteckenden, positiven Lebensgefühl. Und Lösch sagt ganz einfach: „Golden geht ins Blut.“

Katharina Bromberger

REISE-INFOS ZU GOLDEN UND KICKING HORSE

REISEZIEL Golden liegt im Osten von British Columbia, 260 Kilometer von Calgary und 700 Kilometer vom Olympia-Austragungsort Vancouver entfernt. Der Ort ist flankiert von den Rocky Mountains im Osten und der Purcell Bergkette im Westen. Im Umkreis liegen sechs Nationalparks innerhalb von rund drei Autostunden: Banff, Glacier, Jasper, Kootenay, Mount Revelstoke und Yoho Nationalpark. Golden hat 4200 Einwohner.

SKIGEBIET Das Kicking Horse Mountain Resort mit 106 Abfahrten ist rund 13 Kilometer von Golden entfernt. Höchste Erhebung: 2450 Meter. Längste Abfahrt: zehn Kilometer. Schwierigkeit: 20 Prozent leicht, 20 Prozent mittelschwer, 45 Prozent schwer, 15 Prozent sehr schwer (Experten). Die Skisaison geht von Mitte Dezember bis Mitte April.

ANREISE KLM fliegt über Amsterdam, Lufthansa über Frankfurt oder Toronto, British Airways über London Heathrow. Preise ab rund 600 Euro für den Hin- und Rückflug.

KLIMA Besonderes Phänomen im Winter: die Inversionswetterlage. Während über dem Ort häufig der Nebel hängt, ist im Skigebiet strahlender Sonnenschein. Im Dezember und Januar, den beiden kältesten Monaten, kann es zu Temperaturen von bis zu minus 30 Grad Celsius kommen – bei gerade einmal minus sieben Grad auf dem Gipfel.

REISEZEIT Golden ist eine Vier-Jahreszeiten-Destination für jeden, der die Bewegung in der Natur und in den Bergen liebt. Im Sommer hat sich der Ort vor allem einen Namen als Mountainbike-Eldorado gemacht. Es gibt ein weites Netz an Trails, unter anderem die Downhill-Strecken von der Gipfelstation der Gondel.

REISETYP Reiseziel für Naturliebhaber, die die Atmosphäre einer gewachsenen kanadischen Kleinstadt erleben möchten.

HOTEL-TIPPS

  • Lush Mountain Accomodations: Wunderschöne Chalets, nur wenige Gehminuten von der Talstation entfernt, mit Blick auf das Columbia River Tal. Preise zwischen CAN$ 35 (rund 24 Euro) und CAN$ 115 (knapp 80 Euro) pro Person und Nacht. Info: www.lushmountain.com
  • Timber Inn: Das familiär-gemütliche Hotel 20 Auto-Minuten außerhalb von Golden wird von Marianne und Rainer Jäger geführt. Sie stammen ursprünglich aus dem Schwarzwald. Ab 89 Can$ (ca. 62 Euro). Infos: www.timberinn.com.
  • Goldenwoodlodge: Für den Sommer besonders empfehlenswert; idyllisch gelegen knapp 1,5 Kilometer nördlich von Golden. Man kann wahlweise in Zimmern, gemütlichen Hütten oder in Teepees übernachten. www.goldenwoodlodge.com

VERANSTALTER Pauschale Skireisen nach Golden können über den Stumböck Club in Raubling (www.stumboeck.com, Tel. 08035/96600) gebucht werden. Eine Woche mit Flug, Skipass und Ü/F kostet im März ab 1448 Euro. Heliskiing mit drei Abfahrten inklusive Guiding und Leihski: 455 Euro.

INTERNET-INFOS www.tourismgolden.com, www.goldenbritishcolumbia.com, www.kickinghorseresort.com

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

So lacht das Netz über dieses Urlaubsfoto
"Dein Körper ist wie ein Tempel" besagt eine Weisheit. In diesem Fall trifft aber wohl eher etwas anderes zu: Sein Körper gleicht einer Insel.
So lacht das Netz über dieses Urlaubsfoto
Probleme bei der Bahn: Zugverkehr auf drei Hauptrouten gestört
Kriminelle verüben Brandanschläge, die den Bahnverkehr zwischen Berlin und Hannover längere Zeit stören. Auch auf anderen Strecken gibt es derzeit Probleme.
Probleme bei der Bahn: Zugverkehr auf drei Hauptrouten gestört
Warum diese besondere Art von Wellen so gefährlich ist
Ein faszinierendes Naturschauspiel, das Sie jedoch nicht unterschätzen sollten: Wenn das Meer aussieht wie ein Schachbrett ist Vorsicht geboten.
Warum diese besondere Art von Wellen so gefährlich ist
Türkei-Touristen unbeeindruckt von Appell zur Vorsicht
Vor einem Monat verschärfte die Bundesregierung ihren Kurs gegenüber der Türkei. Privatreisende rief Außenminister Gabriel zu erhöhter Vorsicht auf.
Türkei-Touristen unbeeindruckt von Appell zur Vorsicht

Kommentare