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Die Spielmacherinnen vom Kap: Eine davon ist Malerin Mary und ihre Traumbilder.

Die Spielmacherinnen vom Kap

Ein Jahr nach der Fußball-Weltmeisterschaft spielt Südafrika mit rund zehn Prozent mehr Urlaubern wieder in der touristischen Oberliga mit. Dass dabei auch die Frauen ihre Torchancen gezielt nutzen...

...erkannte unsere Autorin Eva Hutter auf einer Reise nach Kapstadt und Johannesburg. Acht Beispiele für echte Frauenpower in Südafrika:

Ntsiki und das Haus der Sterne

Ntsiki Biyela

Wenn Ntsiki Biyela eine Flasche entkorkt, dann ist das nicht einfach nur eine Handlung, sondern eine Zeremonie. Die 33-Jährige vom Weingut Stellekaya („Haus der Sterne“) in Stellenbosch ist die erste farbige Winzerin Südafrikas. „Wenn ich über Wein spreche, kommt es mir so vor, als würde ich über meine Kinder reden“, sagt sie. Und auf ihre „Kinder“ kann sie stolz sein: Mit ihrem Merlot, dem Shiraz und dem Cabernet Sauvignon gewann Biyela den Titel „Winzerin des Jahres 2009“.

Ntsiki Biyela gehört zu der neuen Generation der Powerfrauen in Südafrika. Aufgewachsen in einem Dorf, ergatterte sie ein Stipendium an der Stellenbosch Universität, lernte dort Weinkellerei, arbeitete jahrelang im Ausland. „Ich bin ein Beispiel dafür, dass es jeder schaffen kann in diesem Land.“

Info: Weingut Stellekaya, Bisman Crossing, Stellenbosch, www.stellekaya.com. In Deutschland kann man die Weine über den Onlinehandel www.winedelight.de bestellen.

Elisabeth und die heilende Erde

Elisabeth Brandt

Als Elisabeth Brandt die kleine, braune Ölflasche aufschraubt, steigt einem frischer Melonen-Duft in die Nase. Aus anderen Behältnissen riecht es nach Ingwer, nach Kaffee, Zimt und Orange. In dieser Kosmetik steckt der ganze Zauber afrikanischer Pflanzen.

Daher auch der Name: Healing Earth, heilende Erde. „Es gibt zehntausende Heilpflanzen in Südafrika“, sagt die Unternehmerin. Es lief keineswegs alles wie geschmiert bei der Gründung von Brandts Firma. „Niemand glaubte, dass ein einheimisches Produkt gegen Markenkosmetik aus dem Ausland konkurrieren könnte“, erzählt Elisabeth Brandt. Aber sie war von Anfang an überzeugt von ihrer Idee.

Kapstadt und Johannesburg

Reise nach Kapstadt und Johannesburg

Die gebürtige Slowenin, die vor 20 Jahren in Kapstadt das erste Fünf-Sterne-Spa eröffnet hatte, erinnert sich: „Ich war nicht glücklich damit, dass ich damals noch Produkte verwenden musste, die synthetische Stoffe beinhalteten.“ Damals begann sie, an ihrer eigenen Kosmetiklinie zu forschen. Mittlerweile arbeiten 65 Leute für sie, überwiegend Farbige. Brandt setzt sich vor allem für die Frauen im ehemaligen Apartheid-Land ein. Die heilende Erde Südafrikas kann auch diese Wunden heilen.

Infos: Hotels, die Elisabeth Brandts Produkte anbieten, sind u. a. das Hout Bay Manor Hotel in Kapstadt, das Safari-Hotel Shamwari Game Reserve bei Port Elizabeth und die Kapama Lodge am Krüger National Park. Infos unter www.healingearth.co.za.

Jenni und die wilden Affen

Jenni Trethowan

Etwa 30 Minuten dauert der Marsch über den schmalen, steinigen Pfad durch den Cape Peninsula National Park. Links und rechts vom Weg blüht das Heidekraut, man hört das Rauschen des Atlantiks. Doch Jenni Trethowan (47) hat keinen Blick für die phantastische Aussicht. Ihre Augen suchen das Gelände nach den Baboons ab, den Kap-Pavianen. Auf den ersten Blick wirken die über einen Meter großen Affen ungefährlich. Bis sie ihr Maul aufreißen und die spitzen Zähne zeigen. „Es sind Wildtiere“, mahnt Trethowan. Andere bezeichnen sie als Problemtiere. Weil die Siedlungen wachsen und die Affen immer näher an die Menschen herankommen, Mülltonnen plündern und sogar in die Häuser einsteigen. Zusammen mit Freunden hat die Rangerin die Tierschutzorganisation „Baboon Matters“ gegründet. Sie sucht einen Weg, wie Mensch und Tier friedlich nebeneinander leben können. Dass das sehr wohl möglich ist, zeigt sie Kapbewohnern wie Touristen auf ihren Touren zu den Baboons. Die Wandergruppen kommen so ganz nah an die Tiere heran. Warum Trethowan den meisten einen Namen gegeben hat: „Es ist schwieriger, jemanden umzubringen, der einen Namen hat.“

Infos zu den Touren unter www.baboonmatters.org.za. Kosten: zirka 30 Euro (295 Rand) für Erwachsene, für Kinder die Hälfte.

Thope und das Hotel der Hoffnung

Thope Lekau

Thope Lekau strahlt eine Kraft, Fröhlichkeit und Ruhe aus, der sich kaum einer entziehen kann. Sie lacht viel. Und das, obwohl die 58-Jährige jeden Tag das Elend sieht. Denn Thope Lekau kommt aus Khayelitsha, einem Township am Rand der schicken Metropole Kapstadt. In Khayelitsha leben geschätzte 1,5 Millionen Menschen in Hütten aus Wellblech, Pappe und Holz. Kein Platz für Urlauber. Und trotzdem hat Thope ausgerechnet hier vor zehn Jahren ein kleines Hotel eröffnet. Kopanong hat sie es genannt, was in der Sprache der Sotho „Treffpunkt“ heißt. Der Name ist Programm. Hier laden sie und ihre Tochter Gruppen ein, kochen für sie und erklären ihnen die Kultur des Townships. Damit will Thope Begegnungen in die richtigen Bahnen lenken. „Es kamen immer Busse voller Menschen, die uns anschauen wollten. Aber Khayelitsha ist doch kein Zoo!“

Auch Politiker meldeten sich schon medienwirksam bei Thope an. „Mein Haus war plötzlich in jeder Zeitung und im Fernsehen zu sehen.“ Von ihrem Erfolg gibt Thope gerne etwas ab. Denn sie lebt nach der Cake Philosophy, der Kuchen-Philosophie, die sagt: „Teile mit anderen, und du wirst dir Freunde machen.“

Infos: Kopanong Bed & Breakfast, Khayelitsha Township, Kapstadt, Tel. 0027/21-361-2084, www.kopanong-township.co.za. Die Zimmerpreise können erfragt werden.

Zainie und der gute Geschmack

Zainie Misbachs Noon

Ganz oben am Signalberg in Kapstadt steht Zainie Misbachs Noon Gun Restaurant, ein Holzhaus, das sich an den grünen Hügel schmiegt. Ein paar Meter weiter steht die namengebende Mittagskanone, die seit über 200 Jahren täglich um 12 Uhr abgefeuert wird. Vom Zainies Wohnzimmer aus haben die Gäste den schönsten Blick auf die Stadt und den Tafelberg. Richtig, vom Wohnzimmer aus: Denn das Restaurant befindet sich in Zainies Elternhaus.

Die Kapmalaien, die sich um den Signalberg im Bo-Kaap-Viertel angesiedelt haben, stammen von früheren indonesischen Sklaven ab und bereichern mit ihren würzigen Gerichten die Kap-Küche. Die Zubereitung nach Rezepten die Zainies Vorfahren aus ihrer asiatischen Heimat mitgebracht hatten, kann man bei Zainie in Kochkursen lernen.

Info: Noon Gun Restaurant, 273 Longmarket Street, im Internet: www.noonguntearoom.co.za.

Die kunterbunte Familie der Adrie Schütz

Adri Schütz

Pink, Blau, Rot, Gelb, Grün: Wer Mielie betritt, einen kleinen Laden im Montebello Arts und Design-Zentrum in Kapstadts Vorort Newlands, kommt sich vor wie im Wohnzimmer der Villa Kunterbunt. Mielie, das Wort hat für Ladenbesitzerin Adri Schütz zwei Bedeutungen: Einerseits heißt es auf Afrikaans Mais, die unverzichtbare Beilage zu jedem Gericht. Auf der anderen Seite steht Mielie für Familie: „We are Fa-Mielie.“ Rund 50 Mitarbeiter, vor allem Frauen aus den Townships, stellen die Accessoires her – aus Stoffresten, die Schütz von Textilfabriken günstig bekommt. Sie werden auf Sackleinen geknüpft, eine alte, zeitaufwendige Technik. Neben Adri haben sich hier in Montebello, an den Südhängen des Tafelbergs über 20 Künstler niedergelassen. Adri, die als Kind mit ihren Eltern von Deutschland nach Südafrika auswanderte, schätzt diese Gemeinschaft. Es ist Fa-Mielie.

Info: Montebello Art and Design Center. 31 Newlands Avenue. Mielie-Produkte kann man online unter www.mielie.de bestellen.

Malerin Mary und die Traumbilder

Moseley-Street, Ecke Davies Street: Hier ist Johannesburg schmutzig und laut. Die Häuser wirken wie graue Klötze. Aus der trostlosen Szenerie erhebt sich eine riesige, leuchtend-blaue Figur: Das Fassadenbild zeigt eine schwarze Frau in viktorianischer Kleidung mit weißer Schürze. „Das ist eine meiner Sophies“, erklärt Mary Sibande, die 28-jährige Künstlerin. Mit ihrer Bilderserie um die Dienstmagd Sophie möchte Sibande Frauen-Klischees entlarven. Mary wuchs in Soweto auf, dem Armenviertel von Johannesburg. „Nein, bloß kein Mitleid!“, sagt sie. Sie habe sich ihren Traum erfüllt, als Künstlerin zu arbeiten. Als erste Frau in ihrer Familie hat sie studiert. Und dennoch: Die Ähnlichkeit von Mary mit der Dienstmagd Sopie ist nicht zufällig. Manchmal schminkt sich Mary das Gesicht, setzt das weiße Häubchen auf und steigt in das viktorianische Kleid. Ein Blick zurück – ohne Zorn.

Info: Mary Sibande stellt in der Galerie Momo in Johan nesburg aus: 7th Avenue, Parktown North. www.gallerymomo.com.

Lebogang und der Obama-Wein

Weingutbesitzerin Lebogang mit Sohn Kwena (v.o., v.l.).

Bei der Feier zur Amtseinführung von Barack Obama als Präsident der Vereinigten Staaten tranken die Gäste M’hudi Wein. M’hudi – in der Sprache der Setswana bedeutet der Name Erntehelfer. Gleichzeitig heißt so eine afrikanische Heldin, die der Sage nach ihr zerstörtes Dorf verließ, um einen Neuanfang zu wagen. Ähnlich wie die Rangakas, die Besitzer der M’hudi Weinfarm – die erste, die von einer farbigen Familie geführt wird. „Mein Vater war Englischprofessor, wollte aber immer eine Farm haben“, erzählt Lebogang (32). 2003 kaufte die Familie das Weingut bei Stellenbosch – ein Sprung ins kalte Wasser. „Wir hatten keine Ahnung von Wein.“ Mittlerweile produziert die Familie rund 100.000 Flaschen Wein pro Jahr, bietet Führungen an und vermietet Gästezimmer. Ihr Erfolgsgeheimnis: „Zusammenhalt.“
Info: www.mhudi.com. Der Weinladen Linke in Hohenbrunn führt M’hudi Weine.Tel. 081 02/89 58 68, www.linke-weine.de.

REISE-INFOS ZU SÜDAFRIKA

ANREISE South African Airways fliegt von München direkt nach Johannesburg und weiter nach Kapstadt, ist also ideal für Reisende, die beide Städte miteinander kombinieren wollen. Ca. 1000 Euro. Im Reisebüro oder unter www.flysaa.de.

LESERREISE Der Krüger Nationalpark, die Panoramaroute durch die Canyons, die Gardenroute mit ihren Traumstränden, das Weinland und die Metropolen Johannesburg , Kapstadt und Pretoria sind Stationen einer 13-tägigen Leserreise, die uns zusammen mit TUI vom 10. bis 21. November nach Südafrika führt. Mit Übernachtung in guten bis gehobenen Mittelklassehotels (im Krüger Park ein einfaches Rest Camp) kostet sie ab/bis München (Linienflug mit South African Airways) ab 2995 Euro zuzügl. Luftverkehrssteuer.

Teil der Reise ist auch ein Besuch in einem Township in Kapstadt und Gespräche mit Kindern im Rahmen des Sozialprojektes Colleens Place of Hope. Info/Buchung unter der TUI-Hotline 01805/922177 (14 Cent/Min. aus dem dt. Festnetz, Mobilfunkhöchstpreis 42 Cent), Mo bis Fr von 9 bis 17 Uhr.

WEITERE INFOS South Africa Tourism in Frankfurt, Hotline 0800/1189118 (kostenfrei), www.southafrica.net.

Die Top 10 Reiseziele für Weinfreunde

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