Der berühmte Karneval in Venedig wurde aus Sorge wegen der Ausbreitung des Coronavirus im Norden Italiens frühzeitig beendet. Foto: Jin Yu/XinHua/dpa
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Der berühmte Karneval in Venedig wurde aus Sorge wegen der Ausbreitung des Coronavirus im Norden Italiens frühzeitig beendet. Foto: Jin Yu/XinHua/dpa

Italien im Krisenmodus

Karneval in Venedig wegen Coronavirus abgesagt

Es ist der erste große Sars-CoV-2-Ausbruch in Europa. Und einer, der in seiner Dynamik schwer zu bremsen ist. Binnen weniger Tage schnellt die Zahl der Infektionen in Italien nach oben. Wie in China werden Städte isoliert. In Venedig fällt der Karneval flach.

Rom (dpa) - Mit drastischen Maßnahmen wie Sperrzonen will Italien die rasante Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 stoppen. Mehrere Gemeinden in Norditalien wurden abgeriegelt, damit das Virus nicht auf die Wirtschaftsmetropole Mailand, das Touristenzentrum Venedig und andere Regionen übergreift.

Der Karneval in Venedig werde genauso wie alle Sportveranstaltungen abgesagt, Museen und Schulen sollen in der gesamten Region Venetien bis zum 1. März geschlossen bleiben, kündigte Regionalpräsident Luca Zaia an. Der Karneval hätte eigentlich noch bis Dienstag (25. Februar) laufen sollen. Mittlerweile starben drei infizierte Menschen in Italien - dem Land mit der höchsten Zahl an bestätigten Erkrankten in Europa.

Die Zahl der Infizierten war in Italien über das Wochenende überraschend stark angestiegen. Bis zum Sonntagabend waren es bereits mehr als 150 Fälle, wie der Zivilschutz erklärte. Am stärksten war die wirtschaftsstarke Region Lombardei betroffen. Es folgte Venetien. Darunter gab es auch zwei Fälle in der Stadt Venedig. Auch im Piemont, in der Emilia-Romagna und in Rom hatten sich Menschen angesteckt. Mehr als 25 Personen waren laut Zivilschutz auf der Intensivstation. Drei ältere Menschen starben. Als drittes Todesopfer meldete die Region Lombardei am Sonntag (23. Februar) eine Frau, die bereits in der Onkologie behandelt worden war.

Betroffene Städte abgeriegelt

Die Regierung kündigte scharfe Maßnahmen an, um eine Verbreitung in den wirtschaftsstarken Regionen aufzuhalten. Die am stärksten betroffenen Städte wurden abgeriegelt: Niemand durfte rein oder raus. Betroffen ist die Provinz Lodi in der Lombardei rund 60 Kilometer südöstlich von Mailand, wo rund 50.000 Menschen leben, sowie die Stadt Vo in der Provinz Padua in Venetien mit rund 3000 Einwohnern.

"Das Ziel ist es, die Gesundheit der italienischen Bevölkerung zu schützen", sagte Ministerpräsident Giuseppe Conte. Zunächst sollten Sicherheitskräfte die Regionen abriegeln. "Wenn nötig, werden es auch die Streitkräfte sein." Wer versuche, die Absperrungen zu umgehen, dem drohe strafrechtliche Verfolgung.

In vielen Städten und Gemeinden wurden Schulen, Universitäten und ein Großteil der Geschäfte geschlossen. Großveranstaltungen wie Gottesdienste, Karnevalsfeste und Sportevents wurden abgesagt. Die Mailänder Scala sagte ihre Aufführungen bis auf Weiteres ab.

In Venedig, das um die Karnevalszeit massenhaft Touristen besuchen, herrschte Alarmstimmung. Die Feste sollten ab Sonntagabend auslaufen. "Es ist die schwerwiegendste Anordnung, die ein Regionalpräsident eigentlich nie machen möchte", sagte Gouverneur Zaia.

Das Ausmaß des Ausbruchs in Italien erschreckt. Zum Vergleich: In Deutschland wurden bisher 16 Fälle gemeldet, in Frankreich zwölf. Italiens Vize-Gesundheitsminister Pierpaolo Sileri sagte dem Sender SkyTG24, er gehe von weiter steigenden Fallzahlen aus. "Es ist klar, dass wir mehr Fälle haben werden."

In Südtirol bereiteten sich die Behörden auf mögliche eingeschleppte Infektionen vor. Kitas sollten vorerst geschlossen bleiben. Ein Aussetzen der innereuropäischen Reisefreiheit im Rahmen der Schengen-Zone sei vorerst nicht vorgesehen, so Conte. Aus Italien solle "kein Lazarett" werden.

Hohe Wachsamkeit in den Nachbarländern

In den Nachbarländern Schweiz und Österreich war erhöhte Wachsamkeit angesagt. Frankreich bereitet sich verstärkt auf eine Ausbreitung von Sars-CoV-2 vor. Die Lage in Italien werde "aufmerksam verfolgt", sagte Gesundheitsminister Olivier Véran.

Auch die Bundesregierung beobachtet die Lage. "Unsere Botschaft und die deutschen Konsulate in Italien stehen mit den italienischen Behörden in Kontakt für den Fall, dass die italienischen Maßnahmen Deutsche betreffen", hieß es aus dem Auswärtigen Amt in Berlin. Rückkehrern aus den betroffenen Regionen in Norditalien wurde empfohlen, sich an die entsprechenden Hinweise des Robert Koch-Instituts und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf deren Internetseiten zu halten.

Italien ist das Land in Europa mit den meisten Infektionen. Vom Robert Koch-Institut hieß es, Reisenden aus italienischen Regionen mit Erkrankungsfällen, die innerhalb von 14 Tagen nach Rückreise Fieber, Husten oder Atemnot entwickeln, sollten unter Hinweis auf die Reise einen Arzt aufsuchen. Nach Möglichkeit sollten diese Menschen zu Hause bleiben, beim Husten und Niesen Abstand halten oder sich wegdrehen und sich die Armbeuge oder ein Taschentuch, das sie sofort entsorgen, vor Mund und Nase halten. Auch die Hände regelmäßig gründlich mit Seife zu waschen, wird empfohlen.

RKI zum Umgang mit Verdachtsfällen

RKI zur Falldefinition

Italienischer Zivilschutz mit Infos

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