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Katzenfest: Im Mai ziehen die Samtpfoten durch die Straßen von Ypern.

Die Katzen von Ypern

Seit tausenden von Jahren leben Katzen und Menschen zusammen. Wahrscheinlich ist es ihr geheimnisvolles Wesen, ihre Anschmiegsamkeit und ihr starker eigener Wille, der uns Menschen so an den Samtpfoten fasziniert. In der belgischen Stadt Ypern sind am 10. Mai wieder die Katzen los und die ganze Stadt miaut.

Eigentlich ist Ypern in Westflandern ein eher beschauliches Städtchen mit rund 35 000 Einwohnern, das vom Handel und von Touristen lebt. Doch alle drei Jahre im Mai geht es dort im wahrsten Sinne des Wortes tierisch ab. Beim Katzenfest sind über 2000 Bewohner als Statisten mit dabei und ziehen durch die Straßen. Herausragend sind bei dem Umzug die beiden zehn Meter hohen Katzen „Cieper“ und „Minneke“.

Hafenstadt: auf Hausboottour durch das westliche Flandern.

Die beiden werden bei der festlichen Parade von singenden und tanzenden Scharen von kostümierten Katzen, Hexen, Narren auf Prunkwagen begleitet. Der Umzug endet nach drei Stunden schließlich auf dem Großen Markt vor dem Turm mit Namen Belfried. Oben auf dem 70 Meter hohen Glockenturm wartet der Stadtnarr mit bunter Schellenkappe bereits ungeduldig darauf, das Publikum mit dem grausigen Katzenwerfen zu belustigen. Die Einheimischen wissen natürlich Bescheid, dass alles eine große Gaudi ist, denn vom Turm fliegen Plüschkatzen, die die johlende Menge zu fangen versucht. Danach beginnt die Hexenverbrennung auf dem Großen Markt. Die Hexe, die natürlich eigentlich eine brave Frau ist, wird auf den Scheiterhaufen geworfen.

Tatsächlich wird natürlich nur eine Puppe verbrannt. Schon am Vortag des Umzugs waren die flämischen Adligen der verschiedenen Provinzen in die Stadt Ypern eingezogen, um eine Hexe und die Katzen zu verurteilen. Mit einem ordentlichen Spektakel wurde die verurteilte Hexe zum Gefängnis gebracht, um dort ihre letzte Nacht zu verbringen.

1817 wurden das letzte Mal lebende Katzen in Ypern in den Tod gestürzt.

Die Katzenparade hat eine lange Tradition in Ypern. Schon bei den alten Germanen galt die Katze als ein der Frühlingsgöttin Freya geheiligtes Tier. Jedes Jahr zog Freya mit einem Katzengespann durch die Luft und kündigte den Frühling an. In christlicher Zeit wurde aus der germanischen Göttin eine Hexe und die schwarze Katze zu ihrer ständigen Begleiterin. Dennoch brauchte man die Katze als Mäusevertilgerin. Vor allem in der Tuchhändlerstadt Ypern beschützten Katzen die gesamten Wollevorräte, die im Winter in den Hallen des Belfrieds lagerten. Im Frühjahr, wenn die Wolle verkauft wurde, hatten die Katzen ihre Schuldigkeit getan. Am sogenannten Katzenmittwoch, dem letzten Tag des Volksfestes, warf der Stadtnarr Katzen vom 70 Meter hohen Belfried. Das öffentliche Töten von Katzen wurde vor allem zur Johannisnacht, der Sommersonnenwende, in ganz Europa gefeiert.

Ludwig XIV. ist es zu verdanken, dass erstmals die Katzenverbrennung verboten wurde, was dazu führte, dass die Geistlichkeit die Feuer in den Kathedralen entfachte. Lebende Katzen wurden in Ypern das letzte Mal 1817 in den Tod gestürzt. Als folkloristisches Fest wurde die Tradition der „Katzenopferung“ im Jahr 1938 wieder aufgenommen, allerdings mit Plüschkatzen.

1955 fand auf Initiative des Bürgermeisters von Ypern, Albert De Hem, die erste Katzenparade statt, bei der die zwei Katzen „Cieper“ und „Minneke“ als Maskottchen der Stadt gefeiert wurden. Wenn nicht gerade Katzenfest ist, lohnt sich eine Besichtigung der Tuchhallen Lakenhal, dem Gewandhaus, wo früher Stoffe gelagert und verkauft wurden. Der 70 Meter hohe Belfried mit einem 49-teiligen Glockenspiel gehört zum Unesco-Welterbe. Das im Ersten Weltkrieg fast vollständig zerstörte Gebäude wurde originalgetreu wieder aufgebaut. Spuren des im Ersten Weltkrieg stark umkämpften Ortes (Flandernschlachten, Schlacht von Messines) sind in mehreren Soldatenfriedhöfen in der Umgebung dokumentiert, ebenso in dem Museum „In Flanders Fields“, einer interaktiven Ausstellung von Erlebnisberichten über das Schlachtfeld v Hafenstadt: auf Hausboottour durch das westliche Flandern.

V. Pfau

INFORMATIONEN ZUM KATZFEST

Der Umzug am Katzenfest beginnt am 10. Mai um 15 Uhr, die Hexenverbrennung findet gegen 18 Uhr statt.
Auskunft bei Ieper Toerisme, Grote Markt, B-8400 Ieper; Tel. 0032/57/23 92 20, Internet www.ieper.be

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