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Herzensbrecher in Not: Im Koala Hospital werden verletzte Tiere wieder aufgepäppelt. Für Touristen gilt: Anschauen, aber nicht anfassen!

Klinik der Kuscheltiere

Die Bilder gingen um die Welt und direkt in die Herzen: Der kleine Koala, der während der jüngsten Buschfeuer im australischen Bundesstaat Victoria von einem Feuerwehrmann gerettet wurde.

Mit pinkfarbenen Verbänden an den Pfoten tapste er ins Leben zurück. Doch nicht nur bei Katastrophen wie solchen Buschfeuern kommen Koalas zu Schaden. Fast täglich werden sie von Autos angefahren und verletzt. Für diese Tiere gibt es in Down under ein Spezialkrankenhaus: das Koala Hospital in Port Macquarie. Längst ist es zur Touristenattraktion geworden.

Port Macquarie liegt etwa 425 Kilometer nördlich von Sydney an der Küste von New South Wales und damit mehr als eine Tagesreise entfernt von Victorias Brandherden. Gut zu tun haben die Biologin Cheyne Flanagan und ihre Mitstreiter dort: 200 bis 300 Patienten pro Jahr werden in der Klinik der Knuddeltiere eingeliefert. Neben Unfallopfern sind es zum Beispiel Koalas, die an Augenerkrankungen und Harnwegsinfekten leiden sowie Jungtiere, die ihrer Mutter vom Rücken gefallen sind.

Patient Sam: Ein Feuerwehrmann hatte den Kleinen mitten im Brandherd in Gippsland gefunden. Im Koala Hospital wurde Sam, wie sie den kleinen Kerl tauften, wieder aufgepäppelt.

In Port Macquarie werden sie aufgepäppelt und für eine Rückkehr in die Natur vorbereitet. Manche Tiere sind rasch wieder weg, andere bleiben für Monate oder gar Jahre. „Wenn möglich, kehren alle an genau den Baum oder Ort zurück, an dem wir sie abgeholt haben“, sagt Flanagan. Urlauber können den Klinik- Mitarbeitern über die Schulter schauen. Dabei gilt das Prinzip „Angucken ja, anfassen nein“. Zweimal am Tag werden die Koalas gefüttert, um 8 und um 15 Uhr. Vor allem der Nachmittagstermin, bei dem es eine Führung durch die Anlage gibt, ist häufig überlaufen: „In Spitzenzeiten kommen 300 bis 400 Besucher am Tag“, erzählt die Tierschützerin. „In der überwiegenden Mehrheit sind es internationale Gäste, darunter viele Rucksackreisende.“ Auch viele Deutsche seien unter den Besuchern. „Sie lieben diesen Ort.“

Experten schätzen, dass in den jüngsten Buschfeuern von Australien mehr als eine Million wilde Tiere umgekommen sind.

Das hat natürlich mit der Niedlichkeit der Koalas zu tun: Sie sehen aus wie der Prototyp eines Teddybären, den fast jeder gerne zum Kuscheln mit ins Bett nehmen würde. Doch es sind wilde Tiere – und sie sollen es auch im Hospital bleiben. Zwar bekommen viele von ihnen eine Spezialdiät aus Milch und Nährstoffen per Spritze oder Pipette eingeflößt. Doch auch die Eukalyptusblätter, die sie in der Freiheit so gerne verputzen, fehlen nicht auf dem Speiseplan. Gut 500 Gramm davon verspeist ein Koala am Tag. Vier angestellte Blattsammler sind Tag für Tag für die Tierklinik unterwegs, um große Mengen Nachschub aus den Eukalyptuswäldern rund um Port Macquarie herbeizuschaffen. Das Koala Hospital wurde 1973 als Privatinitiative eines Ehepaars gegründet. Bis heute ist die Klinik, die mitten in einem Wohngebiet des Urlaubsortes am Pazifik liegt, auf die unbezahlten Dienste von Helfern angewiesen. „120 Aktive haben wir derzeit“, erzählt Cheyne Flanagan. Die meisten stammen aus der Umgebung, aber auch ein internationales Freiwilligenprogramm existiert. Wer Interesse daran hat, kann sich über die Webseite anmelden und muss dann für einen Monat mitarbeiten.

„Fast täglich wollen Leute das bei ihrem Besuch hier organisieren und zum Beispiel für nur eine Woche dabei sein“, sagt die Klinikleiterin. „Aber das geht aus organisatorischen Gründen einfach nicht.“ Port Macquarie als Standort ist kein Zufall: In der Umgebung gibt es einen der größten Koala- Bestände Australiens. Aber auch aus anderen Teilen des Landes werden manchmal Tiere eingeliefert, von den bis zu zwölf Kilogramm schweren Koalas aus Victoria im Süden bis hin zu ihren nur halb so schweren Vettern aus Nord-Queensland. Maximal 100 Tiere können parallel versorgt werden. Einige von den ganz Kleinen werden von Helfern über Nacht nach Hause mitgenommen – in mit Handtüchern gepolsterten Wäschekörben, in denen ein paar Eukalyptuszweige zum Knabbern liegen.

Christian Röwekamp

REISE-INFOS ZUM KOALA HOSPITAL

Das Koala Hospital Port Macquarie liegt 425 Kilometer nördlich von Sydney an der Küste von New South Wales. Besucher können bei den Fütterungen der Tiere um 8 und 15 Uhr dabei sein.

MEHR IM INTERNET: www.koalahospital.org.au, www.portmacquarieinfo.com.au

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