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Das neue Trendziel in Südamerika und die Menschen, die es anzieht.

Flug LH 542 nach Bogota

Neuer Favorit bei den Fernreisen ist Kolumbien. Die Lufthansa hat reagiert und fliegt nach acht Jahren Pause wieder fünfmal pro Woche in die kolumbianische Hauptstadt Bogota. Oliver Bendixen war an Bord von Flug LH 542.

„Wie spät ist es eigentlich?“, will eine Dame wissen, die mir auf dem Gang entgegenkommt. Uhrenvergleich: In Deutschland ist es jetzt kurz vor Mitternacht, für Bogota zeigt der Bordmonitor 16.45 Uhr an. Flughöhe 33 000 Fuß. Außentemperatur minus 52 Grad. LH 542 ist noch über dem Atlantik – bis zur Landung werden noch zweieinhalb Stunden vergehen.

Glückliche Lage mit Küsten sowohl am Pazifik als auch an der Karibik.

Die Kabine ist abgedunkelt, die Jalousien sind geschlossen. Zu sehen gibt es draußen ohnehin nichts, bis in einer Stunde die Umrisse von Barbados unter uns auftauchen werden. Der Flug ist ausgebucht. Die meisten Passagiere schlafen – oder versuchen es zumindest. „Darf ich stören?“ Timm Eichenberg lässt sein Buch sinken: „Kein Problem.“ Was er in Bogota macht, will ich wissen. Er wird einen Freund besuchen. Bedenken wegen des Rufs, den die kolumbianische Stadt hat? Nein, sagt Timm. Als Deutscher gehört er an Bord zur Minderheit. Die Kolumbianer sind eindeutig in der Mehrzahl. Nach den wirtschaftlichen Problemen der vergangenen Jahre leben viele Südamerikaner mittlerweile in Europa. Was bleibt, ist das Heimweh. Ein Faktor, auf den die Lufthansa neben dem Tourismus wohl baute, als der Entschluss fiel, nach acht Jahren Pause von Frankfurt aus Bogota wieder direkt anzusteuern.

Andre Naulich will mit einem Freund drei Wochen mit dem Bus durch Kolumbien fahren: Bogota– Cali–Medellin und dann hinauf an die Küste nach Cartagena, „einfach am Strand rumhängen“. Ihre Eltern haben die Hände über den Köpfen zusammengeschlagen. Andre aber ist Optimist und „kein Blödmann, der mit der Rolex am Arm durch Bogota marschiert“.

Isabell Wall

Kolumbianerin oder Deutsche? Irmi Munoz-Wertheim ist beides und die Geschichte ihrer jüdischen Familie würde ein Buch füllen. Die Großeltern entkamen mit ihren Kindern nur knapp dem Abtransport ins KZ und wanderten nach Kolumbien aus. Dort wurde Irmi geboren – als Tochter einer Deutschen und eines Bogotaners. In den 50er-Jahren kam sie als kleines Mädchen zurück nach Deutschland. Seit 39 Jahren besucht sie nun jedes Jahr ihre große Familie – in Bogota, Cali und Santa Marta. Ihr Mann, ein gestandener Deggendorfer, hat für die Familientreffen inzwischen Spanisch gelernt: „Wie soll er sonst mit meiner Schwester und meinen drei Brüdern reden?“

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Gute Gründe für Kolumbien

Die Familie wird ein kleines Fest für „los Alemanes“ geben: „Ich denke, wir werden so an die 70 Leute sein.“ „In Deutschland bin ich Deutscher und in Kolumbien Kolumbianer, ganz einfach.“ Magnus Pelkowski, Zwei- Meter-Mann mit Profi-Basketball- Vergangenheit (in der US-Liga und in Bamberg) lebt als Künstler und Landschaftsgestalter auf einem Bauernhof in der Mark Brandenburg. Seine Eltern wanderten 1950 nach Bogota aus, wo er sie jedes Jahr besucht. Über 50 Kilogramm brachten seine Koffer beim Abflug in Frankfurt auf die Waage. Für das Übergepäck war ein kräftiger Aufschlag fällig – für Cordhosen, deutsche Bettdecken und geräucherte Bücklinge in Dosen. „Hat alles mein Vater bei mir bestellt.“

Monica Escobar-Pichler und Sohn Lucas: Zwölf Stunden Flug für einen Besuch bei Oma und Opa.

Alba Marina, Monica und Isabell sind in Süddeutschland oder Österreich verheiratet und haben so schöne Nachnamen wie Galviz- Riehn oder Escobar-Pichler. Alba Marina besucht ihre Familie. Isabell, die mit ihrem Mann in Linz lebt, holt ihre Mama ab: „Sie wird drei Monate bei uns in Österreich bleiben.“ Sohn Lucas (4) ist todmüde und wird vom Arm seiner Mutter nach der Landung in Bogota wohl direkt ins Kinderbett im Haus der Großeltern verfrachtet werden. Für Monica – seit fünf Jahren in Deutschland verheiratet – wird aber auch nach zwölf Stunden Flug noch lange nicht Schluss sein: Sie freut sich aufs Salsa tanzen.

Und die Crew von Flug LH 542? Copilot Sascha Unterbarnscheidt rechnet mit einer relaxten Landung. Und dann? Knapp 50 Stunden Aufenthalt in der kolumbianischen Hauptstadt. Ein paar Kollegen von der Kabinencrew waren schon in Bogota, einer der Purser hat dort seine Frau kennengelernt. Sie werden einen gemeinsamen Busausflug unternehmen – zur unterirdischen Kathedrale im Salzbergwerk von Zipaquira eine gute Autostunde von Bogota entfernt. Dann ein Lunch auf dem Land und wenn genug Zeit bleibt, das Goldmuseum und das Botero-Museum.

Landeanflug auf Bogota: Mit an Bord Copilot Sascha Unterbarnscheidt

Die Checkliste der Lufthansa für den Layover – wie die maximal zwei Tage dauernden Stopps zwischen Landung und Rückflug heißen – nennt Restaurants in der Nähe des Crew-Hotels, Ausflugstipps und Sicherheitshinweise. Für den Abend haben sich Stewardessen, Piloten und Purser einen Tisch im Andres Carne de Res reservieren lassen, einem Restaurant im Kneipenviertel Chia, in dem nach Auskunft milieukundiger Kollegen gewaltige Berge Fleisch auf den Tisch kommen und ab elf Uhr nachts Salsa getanzt wird. Auch wenn man beruflich dort ist, soll der Spaßfaktor nicht zu kurz kommen.

Als loyaler Mitarbeiter seiner Linie nennt der Lufthansa-Copilot alle Ziele seiner Fluggesellschaft „sehenswert“. Bei einigen in Zentralasien gebe es nach dem ersten oder zweiten Besuch allerdings kaum mehr Gründe, das Hotel zu verlassen; in einigen Städten in Afrika sogar gute Gründe, das besser nicht zu tun – vor allem nachts nicht. Bogota gehört nicht zu diesen Zielen, an denen sich die Piloten und Flugbegleiter fürchten müssen.

Gabriele Köppler trägt einen kleinen Anstecker am Revers. Er signalisiert den Passagieren an Bord von LH 542: die Stewardess spricht nicht nur Deutsch und fließend Englisch sondern eben auch Spanisch. Ihr Programm für zwei Tage Bogota? „Mit Menschen reden. Ich will die Stadt kennenlernen.“

Oliver Bendixen

DIE REISE-INFOS ZU KOLUMBIEN

REISEZIEL Neben Venezuela ist Kolumbien das nördlichste Land südamerikas. es hat sowohl eine Karibik- als auch eine Pazifikküste. Kolumbien ist mit 1,1 Millionen Quadratkilometern etwa dreimal so groß wie Deutschland.

ANREISE Die Lufthansa fliegt fünfmal pro Woche von Frankfurt nach Bogota. Ab 667 euro für den Hin- und Rückflug. Mit Avianca, der Premium-Airline auf dem südamerikanischen Kontinent, hat man spätestens zwei Stunden nach der Landung in Bogota Anschluss in Richtung Cali, Medellin oder nach Cartagena, wo man dann noch vor Mitternacht einen Drink am Karibikstrand nehmen kann.

REISEZEIT/KLIMA Kolumbien liegt am Äquator und hat Tropenklima mit Durchschnittstemperaturen über 24 Grad. Im Hochland kann es nachts kalt werden. Die Hauptstadt Bogota auf 2400 Metern hat ein Jahresmittel von 15 Grad.

REISETYP Für Weltenbummler, die abseits der Touristenströme reisen möchten.

SICHERHHEIT Auf der Homepage eines Veranstalters steht: „Das einzige Risiko besteht darin, länger bleiben zu wollen.“ Die Touristenzentren an der Karibikküste gelten heute ebenso als sicher wie die Innenstädte von Bogota, Cali oder Medellin. Abenteuerausflüge in die Armenviertel sollte man in jedem Fall bleiben lassen – genauso wie abendliche Spaziergänge in Parkanlagen, Kneipentouren mit vollem Geldbeutel durchs Rotlichtviertel oder Autoausflüge über einsame Landstraßen bei Nacht. Vorsichtsmaßregeln für Kolumbien sind unter www.auswaertiges-amt.de abzurufen.

VERANSTALTER Ein gutes Dutzend deutscher Reiseveranstalter hat Kolumbien inzwischen wieder im Programm. Bei Dertour kann eine 14-tägige Pauschalreise „Kolumbien – ein Land für alle Sinne“ ab/bis Deutschland für 3168 Euro gebucht werden, bei der TUI eine achttägige Rundreise ab/bis Bogota für 1279 Euro. Meier’s Weltreisen und TUI bieten Cartagena mit Hotels, Strandurlaub und Rundreise als Bausteinprogramm an. Aventura in Berlin veranstaltet Themen-Rundreisen, unter anderem in die Blumen-Metropole Medellin (Tel. 030/61 67 55 80, im Internet: www.aventura.de).

MEHR INFOS im Internet unter www.colombia.travel/de.

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