Das ist Urlaubsglück

Tagebuch: Leserreise zu den Inseln Dalmatiens

Bei einer Radkreuzfahrt vor der Küste Dalmatiens wird der Urlaubsfaktor in Höhenmetern und Seemeilen berechnet. Reporterin Tina Layes führte das Bordtagebuch...

...unserer Leserreise zwischen straffen Bergfahrten, malerischen Häfen und einsamen Buchten.

SAMSTAG Trogir – Split, 18 Seemeilen

Vier Schiffe starten heute von Trogir aus mit unserer Gruppe zur Radlkreuzfahrt. Ich bin auf dem Motorsegler Vilma eingebucht. Wie wohl meine Kajüte ausgestattet ist? Als das Schiffsteam mir den Schlüssel aushändigt, für Nummer fünf auf dem Hauptdeck, bin ich überwältigt: Ein französisches Doppelbett himmelt mich an, die Mittagssonne scheint durch das Bullauge, die Klimaanlage bläst kühle Luft – und ich habe ein eigenes Bad! Mein Reich für sieben Tage.

Vilma ist 30 Meter lang, mit einem Sonnendeck von 200 Quadratmetern. Um 15 Uhr legen wir ab. Ich stehe an Deck, bis das Hafenstädtchen Trogir mit seinen Türmen und der Festung in der Ferne verschwindet. Trogirs Altstadt gehört zum Unesco-Weltkulturerbe.

Unser Schiff gleitet sanft über die Wellen, der warme Wind streichelt mein Gesicht, es riecht nach Meer und Sommer. Das ist Urlaubsglück pur.

Wir machen Halt in Split. Ein Spaziergang durch die dalmatinische Stadt ist auch ein musikalischer Genuss: In einer Gasse spielt eine Rockband, auf dem Hauptplatz gibt ein Orchester „Carmina Burana“. Es geht entspannt zu, polako (langsam), wie der Kroate sagt.

Unser Kapitän Mario schaut mit den Schiffsgästen nach dem Abendessen Fußball an Bord. Die erste Nacht auf der Vilma schlafe ich mit den Wellen ein, selig und tief.

SONNTAG Split – Insel Brac, 33 Seemeilen, 23 Radlkilometer von Supetar nach Pucisce

Heute wird zum ersten Mal geradelt. Die Küstenstraße auf Brac wird aus Sicherheitsgründen für uns Radler gesperrt. BR-Moderator Thomas Gaitanides, Erfinder der BR-Radltouren, der diese Reise begleitet, fährt vornweg. Karl, der schon auf vielen Radlreisen dabei war, macht den „ewig Letzten“, um Radlpannen zu beheben oder Kreislaufgeschwächte aufzulesen. Es beginnt der Wettkampf der Selbststrampler gegen die motorisierten Fahrer mit den E-Bikes. Die haben am Berg den eindeutigen Vorteil. Aber absteigen und schieben ist im Notfall erlaubt. Wir sind ja nicht bei der Tour de France.

In Pucisce werden die Räder wieder auf die Schiffe verladen, dann legen wir ab Richtung Bol, baden gehen an einem der schönsten Strände Dalmatiens, Zlatni Rat, der von oben wie ein Horn aussieht. Das Wasser ist türkisblau wie in der Karibik.

Abends gibt es an Bord eine Weinprobe. Das Radeln, die Meerluft und der kräftige Rote treiben uns bald in die Koje. Ist auch gut so. 500 Höhenmeter stehen am nächsten Tag an.

MONTAG Brac – Hvar, 45 Seemeilen, 39 Radlkilometer von Jelsa nach Stari Grad

Heute müssen wir „the mountain of death“ (Todesberg), wie mein holländischer Kollege Harri die Lage analysiert, bezwingen. Noch eine kurze Pause in Stari Grad, bevor wir die Strecke zum Aussichtspunkt Levanda Vidikovac mit einer Steigung von zehn Prozent auf zehn Kilometern antreten. „Alles nur Kopfsache,“ sagt Toto. „Sieh den Berg nicht als Feind, der Berg liebt dich.“

Ich versuche, im 1. Gang möglichst locker in die Pedale zu treten. Die Sonne brennt, der Asphalt dampft, die schöne Landschaft nehme ich kaum wahr. Mein Blick fixiert die nächste Kurve. Schweiß perlt aus jeder Pore, meine Oberschenkel brennen. Der Berg liebt mich, ich ihn nicht! Einen Kilometer vorm Ziel die Kapitulation: Absteigen, laufen, schieben. Die Sportskanonen, die mich unterwegs überholt haben, stehen entspannt vor dem Lokal und testen heimischen Schnaps. Mein Körper schreit nach Wasser.

Autorin Tina Layes und Radl-Tourguide Thomas Gaitanides.

Die vollbrachte Leistung löst Glücksgefühle aus. Wir vertilgen riesige Platten Schinken und Käse. Matko, Spitzname „Brzi“ (schnell), haut in die Akkordeontasten, wir singen mit. Karl, der Schlussfahrer, wünscht sich sein dalmatinisches Lieblingslied „Marijana“. Seine Augen glänzen: „So viele glückliche Menschen an diesem schönen Ort!“ Das Hochstrampeln hat sich gelohnt, auch wegen der sensationellen Aussicht auf die Inseln unter uns.

Der letzte Abschitt nach Jelsa, immer bergab, ist ein sinnliches Erlebnis: Die Luft duftet nach Oregano, wilder Minze, nach Orangen, Zitronen und Lavendel, der auf den Feldern in voller Blüte steht. Hvar ist eine perfekte Mischung aus Meer, Sonne und Erde.

Abends spielt Kroatien gegen Mexiko. Unsere Schiffe liegen in einer einsamen Bucht, drei Seemeilen von Vela Luka entfernt, und kurz vor Anpfiff ist klar: Wir haben keinen Empfang! Enttäuschte Gesichter vor allem beim Schiffsteam. Doch Kroaten haben Humor. Um 22.20 Uhr schreien alle: Toooooor! Kapitän Mario schießt Leuchtraketen ab. Ein Ruderboot taucht auf. Die Nachbarn kommen im Glauben, dass wir TV- Empfang haben. Wir lachen Tränen.

DIENSTAG Hvar – Korcula, 38 Seemeilen, 50 Radlkilometer von Vela Luka nach Korcula

Wieder liegen 500 Höhenmeter vor uns auf der Strecke von Vela Luka nach Korcula, aber die Steigungen sind kürzer. Noch eine Trinkpause im idyllischen Örtchen Smokvica, bevor wir den letzten Berg nach Pupnat erstrampeln. „Dann habt Ihr es geschafft“, motiviert Toto seine Radlmannschaft.

Unter alten Bäumen auf dem Kirchplatz von Zrnovo startet das Fechtspiel Mostra, als wir ankommen. Wir lockern die Radlwadl und machen mit beim Rittertanz. Abends ankern wir im Hafen von Korcula, der Stadt, in der der Weltreisende und Kaufmann Marco Polo geboren wurde.

MITTWOCH Korcula – Mljet, 18 Seemeilen

Heute geht es nach Mljet, der grünsten Insel Dalmatiens. Als ob der Himmel uns signalisieren wollte, warum das so ist, regnet es. Wegen des Wellengangs empfiehlt Kapitän Mario: immer geradeaus schauen. Mario (46) stammt aus einer Seefahrerfamilie und ist dem Meer nur einmal in seinem Leben untreu geworden. In den 90er-Jahren war er Profifußballer bei Hannover.

Wir wandern durch den Nationalpark, der Wald mutet im warmen Sommerregen fast tropisch an. Mljet hat einen Binnensee mit einem Inselchen in der Mitte, auf der ein Kloster steht. Wunderbar klar ist das Wasser. Im Südosten der Insel gibt es herrliche Sandstrände. Eine Ausnahme, da die Küste in Kroatien meist steinig ist. Einige von uns trotzen Wind und Regen und stürzen sich in die Fluten. Es wird ein stiller, romantischer Abend im Hafen der Insel, die so weit weg liegt vom großen Tourismusgeschäft.

DONNERSTAG Peljesac – Omis, 71 Seemeilen, 19 Radlkilometer von Orebic nach Loviste

Ob es am Jugo liegt, der uns heute so heftig ins Gesicht bläst? Selbst der durchtrainierte Schlussfahrer Karl sagt: „Heut geht’s schwer.“ Neidisch schaue ich auf die Radler auf der Gegenseite, die mit Rückenwind den Berg runterrollen. Totos Worte im Ohr strample ich den Berg, der mich liebt, 300 Höhenmeter hinauf. Die gefühlte Steigung liegt bei 20 Prozent.

Die Truppe klatscht oben anerkennend bei jedem, der eintrifft. Sepp (73) aus München ist der Held des Tages! Trotz enormer Knieprobleme und ohne E-Bike hat er es ohne Absteigen geschafft. Er strahlt. Mit Glücksgefühlen im Bauch radeln wir den Berg runter nach Loviste.

Vilma gleitet, heute wieder auf ruhiger See, mit uns nach Omis. Heute Abend spielt Deutschland gegen die USA. Da darf empfangsmäßig nichts schiefgehen und deshalb sind wir zum Abendessen in einem Lokal an Land eingeladen. Als Thomas Müller das 1:0 für Deutschland schießt schmeckt die mediterrane Vorspeise gleich noch einmal so gut. Dann wird gefeiert. Annemarie aus Valley singt mit den kroatischen Musikern „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt …“

FREITAG Omis – Trogir, 35 Seemeilen

Der letzte Urlaubstag. Statt aufs Radl geht’s zum Rafting auf dem Fluss Cetina. Mit Helm und Schwimmweste sitzen wir im Boot und paddeln im Takt. Die erste große Stromschnelle, eine Wasserwelle überspült unsere Köpfe, wir sind tropfnass. Kurz abschütteln, weiter geht’s, an meterhohen Kalkwänden vorbei. Winnetou kommt wohl gleich angeritten. Tatsächlich wurden an diesem Fluss Aufnahmen für die Karl-May-Verfilmungen gemacht. Schlussradler Karl, der heute vorne sitzen darf, zerstört die Illusion: „Geht ned, da Mario Adorf hodn derschossn.“ Stimmt nicht, kontern wir. Da kommt die nächste Welle. Was für ein Spaß!

SAMSTAG Wo alles begann

Zurück in Trogir, Abreisetag: Noch ein letztes Bad im Meer, um das Salz auf der Haut nach München mitzunehmen. Im Flieger blicke ich auf die Küste, bis sie in den Wolken verschwindet. Mein nächstes Urlaubsziel habe ich dabei ganz klar vor Augen: eine Radkreuzfahrt vor der Küste Dalmatiens. Es gibt keine schönere Art des Reisens.

Tina Layes

Die Reise-Infos

ROUTEN Einschiffungshäfen für verschiedene Routen und Touren (mit oder ohne Rad) auf einem klassischen Motorsegler vor der kroatischen Küste sind Rijeka, Zadar, Trogir und Dubrovnik. Anreise mit dem eigenen Pkw, per Flug oder mit einem modernen Fernreisebus.

LESERREISE Unsere nächste Leserreise führt als Familienkreuzfahrt mit der MS Amore vom 8. bis 17. August ab/bis Rijeka zu den Inseln in der Kvarner Bucht und kostet als Paketpreis für zwei Erwachsene und zwei Kinder bis 13 Jahre 2590 Euro in Doppelkabinen, für zwei Erwachsene und ein Kind in einer Dreibettkabine 1760 Euro. Im Preis inbegriffen ist die Busanreise ab München, Vollpension an Bord, ein Captains Dinner, Stadtführung in Rab und der Eintritt in den Nationalpark Kornati.

RADLREISE/TERMINE

  • 30. August bis 6. September: MS Orion, eine Woche Inselhüpfen mit dem Fahrrad ab/bis Rijeka in der Kvarner Bucht, ab 655 Euro inklusive geführter Radtouren. Radmiete und Halbpension.
  • 2. bis 16. August: MY Atlantic, zwei Wochen Inselhüpfen von Rijeka durch die Kvarner Inselwelt und Dalmatien (Lavendelinsel Hvar), ab 1540 Euro inklusive Vollpension.
  • 30. August bis 6. September: MS Amore, Aktivkreuzfahrt inklusive geführter Radtouren, Wanderungen und Stadtspaziergänge ab/bis Rijeka mit Radmiete und Halbpension ab 897 Euro.

INFO/BUCHUNG über den Münchner Kroatien-Spezialisten i.D. Riva Tours, Neuhauser Straße 27, Tel. 089/2311000, www.idriva.de.

„Einfach herrlich!“ Das sagen die, die dabei waren

Es ist ein Traum, in einer Woche so viele Städte zu sehen und von der

Natur so viel mitzubekommen. Die Kombination aus Bade- und Aktivurlaub hat uns große Freude bereitet. Ein Urlaub, den wir sehr gerne mal wieder machen werden. Edigna Müller (55), Krankenschwester, und Robert Ott-Müller (66), Rentner aus Landsberg am Lech

Urlaub auf dem Schiff, wo man an Land und auf dem Meer gleichermaßen ist, ist eine sehr geglückte Kombination. Dadurch

bekommt man die Landschaft und Natur intensiver mit. Und dennoch hat man den Komfort eines Hotels, mit Klimaanlage und Dusche. Das Schiff ist technisch hervorragend ausgestattet. Wolfgang Tauchert (69), Rentner aus München

Die Reise war herrlich. Vor allem fand ich die Radkreuzfahrt sehr gut organisiert. Dazu die Besichtung der Städte und das Rafting – wir haben sehr viel erlebt in einer Woche.

Dalmatiens Natur ist wunderschön: Ich werde noch lange den Duft von Lavendel. wildem Ginster und Rosmarin in der Nase haben. Gudrun Schröter (60), Verwaltungsangestellte aus Gröbenzell

Wir haben die Schiffsreise in unserer Kabine auf dem Oberdeck sehr genossen. Morgens aufzustehen und auf das Meer zu blicken, das war einzigartig. Wir hatten sehr viel Spaß mit den Gästen und bei den

Radtouren. Genossen haben wir auch das Baden in einsamen Buchten. Liz Gerhäuser (70), Rentnerin, und Nina Fink (61), Selbstständige, beide aus Friedberg/Augsburg

Die Reise hat mir sehr gut gefallen. Vor allem die Organisation war hervorragend, insbesondere der Transport der Fahrräder. Es ist bewundernswert, wie schnell das Schiffsteam die vielen Räder, auch die

schweren E-Bikes, jedes Mal von den Schiffen rauf-, rüber- und runtergehoben hat. Johann Glaser (65), Rentner aus Wasserburg

Unsere Leserreise zu den Inseln Dalmatiens

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