+
Das Cover des Buches "Lexikon der Phantominseln" von Dirk Liesemer.

Wenn selbst Google Earth irrt

Liesemers "Lexikon der Phantominseln"

Atlantis kennt jeder. Doch es gibt noch weitere Inseln, die es auf Seekarten geschafft haben, ohne tatsächlich zu existieren. Dirk Liesemer schreibt ein kleines Buch über Abenteuer und Fehlschlüsse.

Wer hätte gedacht, dass der amerikanischen Unabhängigkeit ein Irrtum über die Grenze der Vereinigten Staaten zugrunde liegt. Ihr Verlauf, heißt es im Friedensvertrag nach dem Krieg gegen die britischen Kolonialherren, werde "durch den Oberen See nördlich der Inseln Royal & Phélipeaux" markiert.

Doch Phélipeaux existierte damals überhaupt nicht. Genauso wenig wie Pontchartrain, das zugleich dem britischen Kanada zugeschrieben wurde. Denn dieser Insel-Doppelpack war das Überbleibsel eines gewieften Bluffs des französischen Kartographen Jacques-Nicolas Bellin, der für seinen Mäzen Louis II. Phélypeaux de Pontchartrain Mitte des 18. Jahrhunderts kurzerhand neben der tatsächlich existenten Insel Royal die anderen beiden einfach hinzu erfand. Und dessen Karte war Grundlage für die Väter der US-Unabhängigkeit.

Unzählige Anekdoten wie diese versammelt der Journalist Dirk Liesemer in seinem "Lexikon der Phantominseln". Dabei geht es nicht um literarische Gebiete wie Utopia oder die Insel Felsenburg, sondern um 30 tatsächlich einstmals in Karten verzeichnete Eilande. Dabei gäbe es noch einige mehr, hat Liesemer jüngst auf Radio Bremen gesagt.

Über Jahrhunderte waren Seefahrer, Piraten und Kartographen auf der Suche nach entlegenen Gebieten, haben angegeben, dass sie mit ihren Füßen Inseln betraten, deren Existenz sich später als nicht haltbar herausstellen sollte. "Die Kartenmacher standen vor allem in der frühen Neuzeit, als die Entdeckungsfahrten begonnen haben, vor der Aufgabe, sich ein Bild von der Welt zu machen, ohne dass sie dabei hinausreisen", so Liesemer. "Sie saßen in ihren Schreibstuben und mussten Informationen sammeln."

Logbücher waren dann ihre Quellen, aber auch Berichte von Kapitänen und Matrosen. So wurden aus Abenteuergeschichten oder Fata Morganas unter Umständen schnell harte Fakten auf Globen und Seekarten.

Am bekanntesten ist wohl Atlantis. Den Untergang der Insel beschreibt der griechische Philosoph Platon als Erster Mitte des 4. Jahrhunderts vor Christus. Und obwohl die Geschichte bereits in der Antike zu den fiktiven Mythen zählt, mangelt es später nie an Hypothesen, wo sich Atlantis befunden habe. Oder Thule im Nordatlantik: Der griechische Astronom Pytheas glaubt immerhin, er sei tatsächlich auf der Insel gelandet. Ob er in Wirklichkeit Island oder die norwegische Küste betrat, darüber wird bis heute spekuliert.

Doch Liesemer trägt in seinem fein gearbeiteten Buch (natürlich inklusive Karten) nicht nur Sagen aus der Antike und den Seefahrer-Jahrhunderten zusammen. Auch in der Moderne findet er geografische Ungereimtheiten. Auf Google Earth etwa wird über Jahre Sandy Island rund 1100 Kilometer vor der australischen Küste verzeichnet. Die Insel - angeblich fast doppelt so groß wie Manhattan - wird erst nach der offiziellen "Nicht-Entdeckung" 2012 gelöscht. Und wer weiß, vielleicht findet sich noch heute irgendwo ein falscher Zipfel in dem ein oder anderen Atlas.

dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Diese Art von Passagieren nervt Flugbegleiter am meisten
Gutes Verhalten gilt auch in 10.000 Metern Höhe. Daher sollten sich diese Passagiertypen das nächste Mal genauer überlegen, ob ihr Verhalten angebracht ist.
Diese Art von Passagieren nervt Flugbegleiter am meisten
Frauen packen häufiger zu viel ein - aber eher mit System
Frauen packen anders als Männer? Eine Umfrage legt dies nahe. Demnach gehen sie dabei vor allem systematischer vor. Doch am Ende könnte dennoch zu viel im Koffer landen.
Frauen packen häufiger zu viel ein - aber eher mit System
Können Flugzeuge Turbulenzen schon bald vorzeitig erkennen?
Turbulenzen im Flugzeug treten häufig spontan auf. Nicht selten kommen Passagiere und Crew dabei zu Schaden. Das könnte sich ab nächstem Jahr ändern.
Können Flugzeuge Turbulenzen schon bald vorzeitig erkennen?
Europäische Route der Backsteingotik
Der rote Backstein prägt die Landschaft Nordeuropas - als Baustoff für Kirchen, Rathäuser oder Giebelhäuser. Vor zehn Jahren gründete sich der Verein "Europäische Route …
Europäische Route der Backsteingotik

Kommentare