Wandergruppe verschüttet? Lawinenabgang im Berchtesgadener Land

Wandergruppe verschüttet? Lawinenabgang im Berchtesgadener Land
+
Sie kennt die Meere der Welt: Lilo Reisinger aus München hat auf bisher 75 Kreuzfahrten alle Ozeane und alle Kontinente bereist. Wo sie war, dokumentiert sie mit Stecknadeln auf einer Karte in ihrer Küche – viele freie Stellen gibt es darauf nicht mehr.

75 Mal an Bord

Die Kreuzfahrerin

  • schließen

Vor Kurzem hatten wir in unserem Reiseteil einen Bericht über Singles auf Kreuzfahrten veröffentlicht. Daraufhin erhielten wir einen Brief von Lilo Reisinger...

...die uns schrieb, dass sie bereits 75 Kreuzfahrten gemacht habe, viele davon als Single. „Sollten Sie Interesse haben, sich mit mir zu unterhalten, würde ich mich sehr freuen.“ Reiseredakteur Volker Pfau hat die Münchnerin besucht.

Auf ihrer letzten Kreuzfahrt wäre es fast passiert. Da hätte Lilo Reisinger beim Landgang beinahe ihr Schiff verpasst. 74 Mal war sie zuvor schon auf Schiffsreisen, hatte jeden Ozean befahren und zwei Mal die Welt komplett umrundet, und nie hatte sie Probleme damit, nach Landausflügen pünktlich wieder an Bord zu kommen, nie hatte sie ein Schiff verpasst.

Auf Gran Canaria war’s, erinnert sich die Münchnerin. Die Uhrzeit fürs Ablegen sei um eine Stunde nach hinten verschoben worden, dessen war sie sich ganz sicher. Nicht ahnend, dass sie sich vertan hatte und das Schiff tatsächlich nur 30 Minuten später ablegen sollte, besichtigte sie die kanarische Insel frohgemut im Linienbus, so wie die erfahrene Reisende es bei Landgängen fast immer macht, schaute hier, schaute dort, und wähnte sich stets im korrekten Zeitrahmen.

„Um 15.55 Uhr bin ich an Bord, fünf Minuten später hat das Schiff abgelegt.“ Noch im Nachhinein treibt ihr die Erinnerung an das Erkennen ihres Missgeschicks und das peinliche Schaulaufen vor den Augen der anderen Passagiere auf der Mole den Schweiß auf die Stirn. „Ich hatte nur 50 Euro und meine Kabinenkarte dabei.“ Damit kommt man nicht weit. „Ab sofort schreibe ich mir das genau auf, wann das Schiff abfährt“, sagt sie.

Denn trotz dieses Nervenkitzels hat sie von Kreuzfahrten noch lange nicht genug. Gerade unternimmt sie die 76. Reise mit einem Schiff: Von Kuba geht es mit der MS Albatros erst durch die Karibik und nach der Atlantiküberquerung ins westliche Mittelmeer, wo dann nach 20 Tagen die Kreuzfahrt in Monaco endet.

Auf einer Weltkarte in ihrer Küche hat Lilo Reisinger Stecknadeln in alle Häfen gesteckt, die sie per Schiff besucht hat. Es sind viele Nadeln, und in manchen Regionen sieht man fast kein Papier mehr. Eine der ganz wenigen freien Stellen ist die Beringstraße, die Meerenge zwischen dem östlichsten Zipfel Russlands und Alaska. „Da fahren so wenig Schiffe“, klagt Lilo Reisinger – sonst wäre sie garantiert schon mal dort gewesen.

Erste Kreuzfahrt 1968 ab Venedig

Für ihre erste Kreuzfahrt musste sie nicht weit reisen: Es ging von Venedig durchs östliche Mittelmeer und wieder zurück zum Ausgangshafen. 1968 war das, mit einem Schiff namens Fantasia. Ihre Eindrücke hat Lilo Reisinger in einem kleinen Album aufgeschrieben. „Ich erlebte, dass es auf einem Schiff sehr abwechslungsreich sein kann“, notierte sie da beispielsweise, und auch dass sie auf einem Basar in Kairo für umgerechnet 20 Mark ein Sitzkissen erstanden habe, das fortan ihre Wohnung in Mannheim zierte, wo sie damals mit ihrem Mann erst einen Tante-Emma-Laden, später einen Supermarkt betrieb. Die Selbstständigkeit war auch mit ein Grund, warum Lilo Reisinger fortan immer wieder alleine an Bord ging. „Einer musste ja im Laden bleiben.“

1972 Karibik-Kreuzfahrt

Die ersten paar Male blieb das Fahrtgebiet aufs Mittelmeer beschränkt, 1972 machte Lilo Reisinger dann eine Karibik-Kreuzfahrt. Das war damals noch ein echtes Abenteuer: Bei der Anreise gab es nachts um 3 Uhr eine Zwischenlandung auf den Azoren. „Ich hatte weder Dollars noch Geld in der Landeswährung dabei und konnte deshalb nichts kaufen“, notierte sie sich anschließend zu diesem Stopp.

Reisesouvenirs und Fotos

Inzwischen sind noch viele weitere Kreuzfahrten hinzugekommen. Ihr Regal im Wohnzimmer fasst kaum mehr die vielen Fotoalben mit den Erinnerungsbildern und Reiseandenken. Daneben stehen einige Sprachführer in Englisch, Spanisch, Italienisch und Türkisch. „Ich spreche nur Gastarbeiter-Italienisch und Touristen-Englisch“, sagt sie und lacht. Sie bevorzugt Schiffe mit Bordsprache Deutsch.

Lilo Reisinger fuhr auf dem Passagiersegler Star Flyer mit gut 100 Gästen an Bord, aber war auch schon auf dem zweitgrößten Kreuzfahrtschiff der Welt, der Oasis of the Seas, auf der sich über 5000 Gäste tummeln. „Wenn die nicht gefahren wäre, hätte man das überhaupt nicht bemerkt“, meint sie zu dem Megaliner und dem Unterhaltungsangebot, „da ist man im Grund gar nicht auf einem Schiff, sondern in Las Vegas.“

„Die Reise steht und fällt mit der Gesellschaft..."

Auch wenn auf den größeren Schiffen die Shows ein wenig besser seien, findet die Münchnerin Schiffe mit bis zu 1200 Passagieren angenehmer. Da behalte man leichter den Überblick und „da grüßt man sich an Bord“. Das Wetter, die Künste der Köche und das Angebot an Landausflügen sind ihr nicht so wichtig. Viel wichtiger sind der 82-Jährigen die Mitreisenden an Bord. „Die Reise steht und fällt mit der Gesellschaft – wenn ich die nicht habe, ist das schönste Schiff nichts.“

Vor allem seit ihr Mann viel zu früh im Jahr 1985 gestorben ist und sie dann vor 23 Jahren nach München zog, um in der Nähe der Schwägerin zu wohnen, macht sie Kreuzfahrten, nicht zuletzt, um der Einsamkeit zu entrinnen. Meistens findet sie Reisepartner, aber nicht immer. Dabei wäre sie so gerne mit ihrem Alois unterwegs. „Zur Silberhochzeit waren wir in Kenia“, erzählt Lilo Reisinger und ihre Augen beginnen zu glänzen, „das war unsere einzige gemeinsame große Reise.“

1000 Tage an Bord

Nun schaut sie sich als Single­reisende die Welt an. 185 Reisen habe sie bis dato gemacht, davon 75 Kreuzfahrten. „Ich war bestimmt über 1000 Tage an Bord.“ Zwei Mal hat sie die Welt umrundet, 1988 und vor zwei Jahren. Zwei Koffer haben ihr da jeweils gereicht, mehr Gepäck braucht sie nicht.

All das, was Kreuzfahrtneulingen bisweilen fast den Atem raubt, kann Lilo Reisinger mit Gelassenheit angehen. Die Kabine? Wo die sich befinde, sei ihr egal, „ich bin sowieso nur zum Umziehen und Schlafen drin“. Also meist innen und ohne Bullauge oder gar Balkon. Das Essen? „Deswegen gehe ich nicht aufs Schiff.“ Ein, zwei Kilo nehme sie zu, morgens begnügt sich mit einem kleinen Frühstück, nimmt eine belegte Semmel mit auf den Landausflug und lässt abends ein oder zwei Gänge aus.

Die Landgänge? Die macht sie inzwischen fast immer individuell. Sie sucht sich Gleichgesinnte an Bord, nimmt dann ein Taxi und handelt den Preis ordentlich runter. „Ich bin halt Geschäftsfrau“, sagt sie. Manchmal steigt sie auch in einen lokalen Bus des öffentlichen Nahverkehrs – so wie auf Gran Canaria.

An Bord ist ihr Geselligkeit das Wichtigste. Zum Beispiel beim Essen. In einem Hotel setze man Einzelreisende an den Katzentisch, auf dem Schiff findet sich oft eine lustige Tischrunde. Im Hotel sitze man fest, „auf einem Schiff kann ich machen, was ich will“. Und wenn dann noch einer der Männer so gerne das Tanzbein schwingt wie Lilo Reisinger, dann schwärmt sie im schönsten Fränkisch ihrer Geburtsstadt Nürnberg, „ist des eine schöne Reis’ gewesen“.

Anregungen für neue Ziele bekommt sie aus der Zeitung oder auch von ihrer Nachbarin, die ihr ab und zu einen Reiseprospekt vorbeibringt. Internet brauche sie in ihrem Alter nicht mehr, sagt Lilo Reisinger, „sonst sitze ich nur noch vor dem Kasten und schaue, wo ich wieder hinfahren kann“. Eine Digitalkamera hat sie sich aber zugelegt und schaut sich die Fotos im Fernsehgerät an.

Am liebsten betrachtet sie die aus Asien. „Das gefällt mir am besten.“ Seit sie 1972 zum ersten Mal in Hongkong war, schwärmt sie von den Menschen, den Städten und den Landschaften. Gerne würde sie mal nach Lhasa reisen und dort die Tempel besichtigen. Den Prospekt für diese Reise hat ihr neulich die Nachbarin vorbeigebracht. Aber die vielen Treppen, die man dazu erklimmen muss, machen ihr Sorge, sie sei mit ihren 82 schließlich nicht mehr so gut zu Fuß. „Aber so lange ich noch überhaupt laufen kann, mache ich Kreuzfahrten!“

Das Fotoalbum einer Kreuzfahrerin

Das Fotoalbum einer Kreuzfahrerin

Volker Pfau

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Das ist der abgelegenste Ort der ganzen Welt
Wer einmal richtig allein sein möchte, der sollte an diesen Ort reisen: Point Nemo im Pazifischen Ozean ist der einsamste und abgelegenste Ort der ganzen Welt.
Das ist der abgelegenste Ort der ganzen Welt
Hurrikan "Maria": Veranstalter bieten kostenloses Stornieren
Karibik-Urlauber haben es derzeit nicht leicht: Das Wetter durchkreuzt ihre Reisepläne. Nach "Irma" wütet nun der nächste Wirbelsturm: "Maria". Einige Reiseveranstalter …
Hurrikan "Maria": Veranstalter bieten kostenloses Stornieren
Darf ich im Hotelzimmer eigentlich Gäste empfangen?
In erster Linie schläft ein Gast im Hotelzimmer. Manchmal lädt er aber Bekannte und Freunde dorthin ein. Oder trifft Geschäftspartner. Aber ist das erlaubt?
Darf ich im Hotelzimmer eigentlich Gäste empfangen?
Reise-Rätsel: Wie lange muss der Mann vom Bahnhof laufen?
Eine Frau holt jeden Abend pünktlich um 19 Uhr ihren Mann vom Bahnhof ab, wenn er von der Arbeit kommt. Doch diesen Abend läuft etwas anders als geplant.
Reise-Rätsel: Wie lange muss der Mann vom Bahnhof laufen?

Kommentare