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Laut einer Statistik der Deutschen Bahn ist der Anteil unpünktlicher ICE und Intercitys seit Jahresbeginn deutlich gestiegen. Foto: Angelika Warmuth

Mehr Zugverspätungen durch Streiks und Bauarbeiten

Berlin (dpa) - Vor wenigen Wochen hatten Kunden der Deutschen Bahn durch massive Streiks viele Ausfälle und Verspätungen hinnehmen müssen. Doch eine Statistik belegt, dass ein erheblicher Anteil der Fernzüge im gesamten Jahresverlauf nicht zuverlässig fuhr.

Unter den Lokführerstreiks hat die Pünktlichkeit der Bahn vor allem im Fernverkehr schwer gelitten. Im diesem Herbst kam etwa jeder dritte Fernzug verspätet ans Ziel. Der Anteil unpünktlicher ICE und Intercitys ist seit Jahresbeginn deutlich gestiegen, wie aus der jüngsten Statistik der Deutschen Bahn hervorgeht. Auch Bauarbeiten trugen nach Angaben des Unternehmens zu den schlechteren Werten bei.

Noch im Januar lag die Quote pünktlicher Fernzüge bei 85,5 Prozent. Sie ging dann fast in jedem Monat zurück bis auf 71,7 Prozent im Juli. Im September waren es dann 66,4 Prozent und im Oktober 68,4 Prozent. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte im Tarifkonflikt mit der Bahn seit Anfang September sechsmal zu bundesweiten Streiks aufgerufen.

In den vergangenen zehn Jahren hat die Summe der Zugverspätungen im Fernverkehr zugenommen, im Nahverkehr wurde sie kleiner. Das geht aus einer Auflistung der Bahn für die Jahre 2004 bis 2013 vor. Dabei gab es starke Schwankungen. Im Fernverkehr sammelten sich 2004 rund 2,92 Millionen Verspätungsminuten an, der Rekordwert wurde 2010 mit 3,81 Millionen erreicht, 2013 waren es 3,78 Millionen. Im Nahverkehr kamen 2004 etwa 15,35 Millionen Minuten zusammen, 2013 waren es nur noch 12,01 Millionen.

Die Bundesregierung hat diese Zahlen in einer Antwort auf eine Große Anfrage der Linke-Fraktion im Bundestag veröffentlicht, über die die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" berichtete.

Eine Übersicht, die die Bahn publik machte, zeigt, dass der Anteil pünktlicher Fernzüge von 81,2 Prozent 2009 auf 73,9 Prozent 2013 zurückgegangen ist. Im Nahverkehr lagen die entsprechenden Durchschnittswerte in diesem Zeitraum zwischen 91,0 und 95,1 Prozent. Die Bahn definiert alle Züge, die bis zu 5:59 Minuten nach Plan an einem Ort ankommen, noch als pünktlich.

Große Anfrage der Linke-Fraktion

Pünktlichkeitswerte der Bahn

Verspätungen müssen Bahnkunden nicht als schicksalhaft hinnehmen. Sie haben Anspruch darauf, einen Teil des Fahrpreises zurückzubekommen, wenn sich ihr Zug deutlich verspätet. Ab 60 Minuten Verspätung erhalten sie 25 Prozent zurück, ab 120 Minuten sind es 50 Prozent. Das gilt auch bei einem Streik: Die Deutsche Bahn kann dann keine höhere Gewalt geltend machen, entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) im September 2013 (Rechtssache C-509/11).

Mit Zeitkarten des Fernverkehrs bekommen Fahrgäste der 2. Klasse pro Fahrt ab 60 Minuten Verspätung 5 Euro erstattet. Bahnreisende der 1. Klasse erhalten 7,50 zurück. Wer mit einer BahnCard 100 unterwegs ist, kann in 2. Klasse 10 Euro pro Fahrt zurückfordern und in der 1. Klasse 15 Euro. Für Zeitkarten im Nah- und Fernverkehr gilt: Mehr als 25 Prozent des Zeitkartenwertes werden grundsätzlich nicht erstattet. Außerdem gibt es - anders als bei normalen Tickets - auch nicht mehr Geld ab 120 Minuten Verspätung.

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