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Wenn einen Urbayern die Reiselust packt: Im Interview erzählt Michael Fitz (links) von Lieblingszielen und seinen Dreharbeiten auf der Insel Borneo. Ihr Fernsehfilm "Verloren auf Borneo" ist der Schauspieler mit Mirjam Weichselbraun und Hannes Jaenicke zu sehen.

Interview

Michael Fitz: „Ich bin kein Weitwegfahrer“

Michael Fitz geht fremd. Für die Rolle eines Tierarzt-Aktivisten drehte der Schauspieler, der sonst eher auf den eingefleischten Urbayern abonniert ist, im fernen Borneo.

Christine Hinkofer sprach mit ihm über das Reisen im Allgemeinen und Ganz-weit-weg-Ziele im Besonderen.

Herr Fitz, in Ihren Rollen, aber auch im richtigen Leben kommen Sie eigentlich als tief verwurzelter Bayer rüber. Wie halten Sie es mit dem Reisen?

Ich bin eigentlich gern unterwegs. Für Drehs hatte ich dazu bisher eher selten Gelegenheit, aber das ändert sich gerade. Nächstes Jahr bin ich zum Beispiel für ein Filmprojekt in Mexiko.

Was bedeutet Urlaub für Sie?

Erholung, ich muss dann raus aus dem Alltagstrott, brauche Veränderung, auch räumlich, weg von daheim, wo man sein Büro hat, getrennt von allem.

Was sind Ihre Lieblingsziele?

Ich habe Freunde auf Menorca, die ich gerne besuche. Da sitzt man dann mitten auf der Insel in der Pampa unter Pinien, ohne Strom und fließend Wasser, das ist wunderbar. Aber ich bin mit meiner Frau auch gerne mit dem Wohnmobil unterwegs, mit unserem VW-Bus.

Wohin geht es da?

Michael Fitz spielt im TV-Film „Verloren auf Borneo“ den idealistischen Tierarzt Dr. Ochsenmeier (Die ARD zeigt „Verloren auf Borneo“ am Donnerstag, 15. November, um 20.15 Uhr.)

Überallhin, was man erreichen kann. Wir waren viel in Kroatien und Italien. Nächsten Sommer planen wir Sizilien. So haben wir in Europa schon ziemlich viel gesehen. Nur der Norden geht mir noch ab, Schweden oder die baltischen Länder. Da fährt man halt im Sommer nicht so schnell hin, wenn man es wie ich gern warm und sonnig hat und baden will.

Gibt es noch Sehnsuchtsziele, die in Planung sind?

Nach Armenien und Aserbeidschan würde ich gern mal mit dem Wohnmobil fahren. Die Länder stelle ich mir noch so urtümlich und wild vor.

Wie weit war für Michael Fitz bisher das weiteste weg?

Das war schon Asien, Borneo. Privat bin ich eher kein Weitwegfahrer. Ich war auch noch nicht in Amerika.

Was vermisst Michael Fitz in der Ferne, wenn er weg ist?

Ich bin zwar jemand, den man loseisen muss und das ist bisweilen schwierig. Aber wenn ich dann mal unterwegs bin, hab ich großen Spaß und vermissen tu’ ich dann eigentlich nichts. Aber meine Gitarre hab ich, wenn irgendwie möglich, schon immer dabei, im Wohnmobil oder wenn es geht, auch im Flieger.

Wie lange haben Sie für „Verloren auf Borneo“ in Asien gedreht?

Ich war drei Wochen da.

Wo genau wurde gedreht?

Blick auf die Ostküste von Borneo

Im Norden von Borneo, der zu Malaysia gehört. In Kota Kinabalu im Osten und in Kuching auf der äußersten westlichen Seite. Das sind zwei Städte, 1000 Kilometer voneinender entfernt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Kuching ist eine chinesische Stadt, von Chinesen gegründet, die auf Malaysia immer schon als Händler tätig waren. Kota Kinabalu ist total westlich, von der Architektur und allem, ein Touri-Ort wie Arenal auf Mallorca, nur dass hier nicht Massen von Deutschen, sondern Massen von Asiaten Urlaub machen und dabei so tun, als seien sie in Europa. Die gehen zu McDonald’s essen und in irische Pubs was trinken. Wir Deutsche waren in den Garküchen im Barackenviertel, was gar kein Abenteuer ist, sondern ganz normal und viel Spaß gemacht hat.

Wenn man auf Borneo landet, wie fühlt sich das Land im ersten Moment an?

Ganz komisch. Ich saß noch im Flieger am Rollfeld und dachte: So hab ich mir Asien eigentlich nicht vorgestellt. Es war alles so clean und westlich. An der Promenade von Kota Kinabalu ist alles zugebaut.

Wo waren Sie und das Filmteam untergebracht?

In Kota Kinabalu in einer Art Clubanlage. Alles sehr toll und sehr luxuriös, aber eben nicht landestypisch, sondern international. In Kuching habe ich im 19. Stock eines neu gebauten Hotels gewohnt.

Was hat Ihnen an dem Land besonders gefallen?

Wirklich schön sind die vorgelagerten Inseln, aber es ist nicht ganz leicht, da hinzukommen, das muss man sich alles organisieren. Positiv fand ich den Kontakt zu den Malayen, zum Beispiel am Markt, in den Garküchen. Die Menschen sind extrem freundlich. Eine nette Begegnung hatte ich auf dem Rückflug, einen malayischen Studenten, der in Singapur studiert und mit dem ich mich sehr offen unterhalten habe, auch über die Politik des Landes. Warum es zum Beispiel möglich ist, dass immer noch so große Flächen abgeholzt werden können. Er sagte, das sei von Staats wegen so gewollt. Dadurch fließt Geld ins Land, die Infrastruktur ist gut. Borneo ist ein Tigerstaat. Das ist die eine Seite. Die andere ist die Umweltzerstörung.

Das ist ja auch zentrales Thema des Films ...

Ja, der Film hat einen authentischen Hintergrund. Die Umweltzerstörung und die Vernichtung des Lebensraums der Orang Utans. Der Tierarzt Dr. Sepp Ochsenmeier, den ich spiele, bringt ein paar ganz realistische Zahlen ins Spiel, zum Beispiel, dass es in Borneo in 15 Jahren keinen Urwald mehr geben wird, wenn das mit der Abholzung so weitergeht.

Ihr Kollege Hannes Jaenicke engagiert sich sehr für die Orang Utans. Hat der Aufenthalt auf Borneo Ihr Umwelt- und Tierschutzdenken verändert?

Das Thema hat mich schon sehr berührt. Was mit den Tieren passiert ist wirklich bestürzend.

Haben Sie auch in der Realität Orang-Utan-Babys am Markt in Käfigen zum Verkauf gesehen, wie das als Thema im Film verarbeitet wird?

Nein, das läuft hinter den Kulissen ab. Aber Willi Smits, ein holländischer Tierschützer, den ich in Sulawesi getroffen habe und der Vorbild für meine Tierarzt-Rolle im Film ist, hat Dokumentationen darüber gedreht und sie uns gezeigt.

Unter diesem Aspekt: Würden Sie noch einmal für einen Urlaub nach Borneo fliegen?

Die Themen Tier- und Umweltschutz würden mir schon die Urlaubsfreude vergellen. Aber ich würde noch mal hinreisen, aus informativen Gründen. Ich würde mir gerne die Orte anschauen, wo die großen Abholzungen stattfinden. Und ich würde gerne die Plätze finden, wo es noch so ist wie früher.

Wenn Sie heute einer nach einem Reisetipp fragen würde, der nach Borneo will?

Ich würde ihm raten, in die Reservate zu fahren. Es gibt ein ganzes Dutzend davon im malaysischen Teil von Borneo. In einem davon, eine dreiviertel Autostunde von Kuching entfernt, haben wir auch gedreht. Man kann dort die Orang Utans quasi noch in freier Wildbahn erleben. Es sind zwar Reservate, aber es ist schöner und echter als Tiere im Zoo zu sehen.

Und zu Willi Smits, dem holländischen Tierschützer würde ich noch einmal gerne fahren. Er hat eine Tierschutzstation aufgebaut auf einer alten Kokosplantage bei Manado am Strand von Sulawesi, der südlichen Nachbarinsel von Borneo. Dort gibt es nichts außer kilometerlange Strände und Palmen, ein paar Fischer, keine Straßen, das ist wunderschön. Da hat mein Herz gejubelt, das ist Asien, wie ich es mir erträume.

Abschließende Reisefrage: Was muss bei Ihnen in den Koffer, wenn Sie nach Borneo fliegen oder sonstwohin auf der Welt?

Immer ein gutes Buch. Daheim lasse ich, wenn möglich, den Computer, der belastet mich nur. Für Borneo braucht man auf alle Fälle leichte Kleidung und was für den Kopf. Da ist es so warm wie in der Sauna und es klebt alles auf der Haut. Wir haben schnell die Gewohnheit der Malayen angenommen, sich in der Sonne so wenig wie möglich zu bewegen.

Die ARD zeigt „Verloren auf Borneo“ am Donnerstag, 15. November, um 20.15 Uhr.

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