Mietwagen im Urlaub: Das müssen Sie wissen

München - Mit dem Auto fremde Länder erkunden – Urlauber, die sich für die Ferien-Touren einen Wagen leihen möchten, sollten besser von zu Hause aus buchen. Am Ferienort ist der Tarif meist hoch und der Versicherungsschutz niedrig.

Mit dem Leih-Jeep übers Land düsen, mit dem Cabrio die Küste entlang oder mit dem Mietwagen zur Fußball-Europameisterschaft nach Polen: Millionen Bundesbürger stecken mitten in den Detailplanungen für ihren Sommerurlaub. Viele setzen blind darauf, dass die Buchung im Ausland deutlich billiger ist. Das ist aber ein Trugschluss. Günstiger und sicherer als eine Vorausbuchung daheim geht es kaum, sagt Katrin Müllenbach-Schlimme vom Autoclub ADAC. Spontanes Ausleihen in der Ferne ende oft mit löchrigem Versicherungsschutz. Im Ernstfall wird das richtig teuer. Schon ein mittelschwerer Unfall in Kalifornien oder in der Türkei kann Urlauber ruinieren.

Engpässe zur Fußball-EM

Der Mietwagenmarkt in Deutschland sei heiß umkämpft, erklärt Frieder Bechtel vom Online-Vermittlungsportal „billiger-mietwagen.de“. Das wirkt sich auf die Preise aus – ganz gleich, ob man direkt bei den großen Leihfirmen, online über Vermittler, via Reiseveranstalter, Reisebüro oder Autoclubs bestellt. Vorausbuchungen werden so gut wie immer mit Sonderkonditionen belohnt.

Wer schon mit einer Reservierung in der Tasche anreist, muss auch keine Engpässe vor Ort fürchten. Wegen der Insolvenz des Vermieters Aurigacrown stehen Spanien-Urlaubern in diesem Jahr schätzungsweise 12 000 Mietwagen weniger zur Verfügung. In Polen und der Ukraine sei während der Fußball-EM ebenfalls mit großer Nachfrage zu rechnen, sagt Bechtel.

Deutsches Gericht im Streitfall zuständig

Wer schon daheim reserviert, bekommt Tarife mit Inklusivpreisen. Umfangreiche Versicherungen, Deckungssummen und Leistungen stecken da schon drin – im Gegensatz zu vermeintlichen Schnäppchen-Angeboten am Urlaubsort, auf die solche Extras meist noch draufgepackt werden müssen. „Deshalb nicht blenden lassen, wenn ein Leihwagen in der Türkei angeblich nur die Hälfte kosten soll als das daheim georderte Auto“, gibt Müllenbach-Schlimme zu bedenken.

Zusatzplus: Das Kleingedruckte im Vertrag kann auf Deutsch in Ruhe nachgelesen werden. Im Streitfall sind deutsche Gerichte zuständig. Und die Qualität der gemieteten Autos stimmt auch in der Regel.

Neue Tank-Tricks sind teurer

Nach den Erfahrungen Bechtels ist folgendes Vertragspaket optimal: Der Mietwagen hat eine Haftpflicht-Deckungssumme von mindestens einer Million Euro, ist vollkaskoversichert ohne Selbstbehalt, gegen Glas- und Reifenschäden abgesichert und bietet unbegrenzte Kilometerzahl. Aufgepasst: Das Auto sollte mit vollem Tank abgeholt und vollgetankt zurückgegeben werden können.

Allein diese Full-to-full-Tankregel sei fair für die Kunden, sagt Müllenbach-Schlimme. Neuerdings werde beim Thema Betankung mithilfe verdeckter Preisaufschläge mächtig getrickst, sagt auch Bechtel. Angebote, die erste Tankfüllung zu kaufen und das Auto am Ende leer zurückzugeben, seien überteuert.

Nicht an der Versicherung sparen

Wer kurz entschlossen im Urlaub mietet, sollte auf keinen Fall beim Versicherungsschutz knausern, rät die ADAC-Sprecherin. Denn die Mindestdeckungssummen für Haftpflichtschäden in vielen europäischen Ländern wie auch in den USA sind recht niedrig, oft weit unter deutschem Niveau. Bei größeren Unfällen muss der Mietwagenfahrer dann für den Rest des Schadens selbst aufkommen. So sind Sachschäden in der Türkei oder Ukraine beispielsweise nur bis knapp über 10 000 Euro abgesichert, in Kalifornien oder Mississippi gar nur bis etwa 3400 Euro.

Ob im Urlaub oder zu Hause gebucht: Das Leihauto sollte vor dem Einsteigen immer genau angeschaut werden. Gecheckt werden müssen die Reifen, die Beleuchtung, die Bremsen, die Sicherheitsgurte. Wer Kratzer im Lack findet, sollte sie vom Vermieter bestätigen lassen. Wollen mehrere Reisende ans Steuer, sollten alle möglichen Fahrer im Miet- wie auch im Versicherungsvertrag vermerkt sein.

Bei einem Unfall im Ausland ist es ratsam, immer die Polizei zu rufen. Wer verletzt wird, sollte unbedingt einen Arzt am Ferienort aufsuchen und sich ein Attest geben lassen. Ausländische Haftpflichtversicherer erkennen deutsche Atteste oft nicht an.

Von Berrit Gräber

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