Urlaub mit dem Test-Motorrad: Mit High Bike können Zweiradfans im Paznaun die neusten Modelle günstig probefahren.

Motorradtest im Alpenurlaub

Wer bislang Urlaub und Motorrad verbinden wollte, hatte nur eingeschränkte Möglichkeiten. Entweder man reiste mit dem Bike an oder mietete eines vor Ort. Jetzt gibt’s in Tirol eine Alternative: Im Paznauntal eröffnet an diesem Sonntag High Bike, eine Kombination aus Urlaub und Motorradtest.

Der Münchner Motorrad- und Reisejournalist Ulf Böhringer hatte die Idee zum Motorradtest im Alpenurlaub und entwickelte gemeinsam mit dem Tourismusverband Paznaun-­Ischgl das Konzept von High Bike.

„Es ist einmalig im Alpenraum“, schwärmt Ulf Böhringer, „vermutlich gibt’s sogar weltweit nichts Vergleichbares!“ Der Münchner Motorrad-Journalist hat das Konzept von High Bike entwickelt und zusammen mit dem Tourismusverband Paznaun-Ischgl realisiert. An diesem Sonntag wird nun das Testcenter in Ischgl eröffnet, und dann warten über 35 aktuelle Motorradmodelle der Saison 2011 auf Biker, die damit Pässe in Tirol, Vorarlberg, der Schweiz und Südtirol erkunden können. Motorradtest im Alpenurlaub. Mitbringen brauchen die Fahrer außer einem gültigen Führerschein notfalls gar nichts, denn neben den Zweirädern können Helme, Anzüge und Stiefel ebenfalls ausgeliehen werden.

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Geboren wurde die Idee aus dem Wunsch heraus, die Gästezahlen im Sommer zu steigern. Als Wintersportorte sind Ischgl, Paznaun und Galtür legendär, da drängen sich die Massen im Tal und auf den Pisten. Doch wenn der Schnee geschmolzen ist, herrscht gähnende Leere in den Gästebetten. Bei der Suche nach potenziellen Zielgruppen, die in der warmen Jahreszeit aktiv sind, kam man beim Tourismusverband auf Motorradfahrer.

Kurvenfreuden: Rund um Ischgl haben Biker die Wahl zwischen derzeit 14 ausgearbeiteten Routen oder sie touren auf eigene Faust.

Gut gedacht, denn alleine in Deutschland sind rund 3,8 Millionen Krafträder zugelassen. Und wenn diese für eine Urlaubsfahrt bewegt werden, sind die Alpen das beliebteste Ziel der Biker. Die Zeiten, als das Motorradfahren nur etwas für arme Schlucker war, sind längst vorbei. Heutzutage ist daraus ein teures Lifestyle-Hobby geworden, und wer ein 15.000-Euro-Motorrad fährt, will sich zumeist auch eine Nacht im Vier-Sterne-Hotel leisten. Wer also den Bikern etwas bietet und sie willkommen heißt, kann sich über eine zahlungskräftige Klientel freuen.

Die Natur hat’s obendrein gut gemeint mit dem Paznaun, denn rundherum gibt’s genug Strecken, die das Herz jeden Bikers höher schlagen lassen. „Im Einzugsbereich der von hier aus möglichen Tagesausflüge finden sich fast 30 Pässe und zahlreiche schöne Bergstraßen“, sagt Andreas Streibl, Geschäftsführer des Tourismusverbandes. Nicht zuletzt darum war er schnell davon überzeugt, dass ein ursprünglich angedachtes Event, wie es auf Neudeutsch heißt, nicht die beste Lösung ist. Zum einen gibt es bereits mehrere solcher Großveranstaltungen von BMW, Harley-Davidson und Triumph in den Alpen, zum anderen ist dann gerade mal eine Woche lang etwas los und danach herrscht wieder Ruhe.

So kam die Idee von Ulf Böhringer zur Realisierung. Zu seiner eigenen Überraschung musste er bei der Suche nach Partnern aus der Motorradindustrie weniger Überzeugungsarbeit leisten als befürchtet. „Die Firmen waren schnell überzeugt“, sagt er, „es ist ja auch ein Ansatz, der für alle Beteiligten Vorteile verspricht.“ Der Tourismusverband bekommt neue Gäste, die Hersteller können ihre neuesten Modelle präsentieren (und auf Käufer hoffen) und die Urlauber haben eine attraktive Freizeitmöglichkeit direkt vor der Hoteltür.

Angesprochen werden mit High Bike zum einen Urlauber, die selbst mit dem Motorrad anreisen. Die haben die Möglichkeit, vor Ort mal auf ein anderes Zweirad umzusteigen und im anspruchsvollsten Revier probezufahren. Des weiteren haben Motorradfahrer, die beispielsweise Familienurlaub machen und darum mit dem Mini-Van statt des geliebten Feuerstuhls ins Paznaun kommen, die Möglichkeit, auch im Urlaub zwischendurch dem Hobby zu frönen. Die dritte Zielgruppe sind all diejenigen, die zwar einen Führerschein fürs Motorrad haben, aber kein eigenes Zweirad besitzen. Diese Schläfer, wie sie in der Branche genannt werden, sollen bei High Bike wieder Appetit aufs Motorradfahren bekommen und können für relativ wenig Geld ausprobieren, was gerade der neueste Stand bei Fahrzeugen und Bekleidung ist.

Voraussetzung fürs Anmieten eines Motorrads ist bei High Bike der unbeschränkte Motorrad-Führerschein der Klasse A. Wer in einer Unterkunft im Paznaun nächtigt, kann pro Übernachtung einen Testtag für 60 oder 80 Euro pro Tag buchen – je nach Größe des Motorrads. Auswärtige Gäste zahlen 90 beziehungsweise 110 Euro. Zum Motorrad gibt’s ein Roadbook dazu, in dem derzeit 14 unterschiedlich lange Touren aufgelistet sind. Zu den möglichen Zielen zählen einige der attraktivsten Pässe der Alpen, unter anderem die Silvretta-Hochalpenstraße, das Hahntennjoch, der Fernpass, das Furkajoch, der Hochtannberg sowie nicht zuletzt das Stilfser Joch mit einer Passhöhe von 2750 Metern und 48 Kehren alleine auf der Westrampe.

Im Fuhrpark stehen aktuelle Modelle für die Saison, darunter auch so spektakuläre Neuheiten wie die BMW K 1600 GTL, die Ducati Monster 1100 Evo, die KTM 990 SM-T oder die Triumph Tiger 800 XC. Auf Supersportler und Geländemaschinen wurde aus Sicherheits- und Umweltschutzgründen bewusst verzichtet.

Die Motorräder können frühestens sieben Tage vor dem gewünschten Termin im Internet reserviert werden, jedes Motorrad kann aber nur einen Tag lang gemietet werden. Wer längere Zeit im Paznaun Quartier nimmt, kann entsprechend seiner Aufenthaltszeit natürlich mehrfach Motorräder zum Test mieten, dann jedoch immer unterschiedliche Modelle. Einige Hotels und Pensionen im Paznaun bieten passend dazu auch geführte Touren an, die Organisation übernimmt dann die jeweilige Unterkunft.

Volker Pfau

REISE-INFOS ZUM PAZNAUN

REISEZIEL Das Paznaun ist ein etwa 30 Kilometer langes Tal zwischen Landeck und Silvretta im Westen des österreichischen Bundeslandes Tirol. Bekannt sind vor allem die Wintersportorte Ischgl und Galtür.

ANREISE Mit dem Auto von München über die A 95 bis Garmisch, über Fernpass, Imst und Landeck ins Paznaun; Entfernung von München: rund 200 Kilometer.

VERMIETUNG Das Testzentrum befindet sich in Ischgl an der Bundesstraße 188. Testgebühr für Motorräder je nach Modell mit Gästekarte zwischen 60 und 80 Euro (ohne Gästekarte 90 bis 110 Euro), es wird eine Kaution erhoben. Leihgebühr Fahrerausstattung: Stiefel 10 Euro pro Tag, Textilanzug 25 Euro, Handschuhe 5 Euro, Helm 10 Euro. Abholung zw. 8 und 12 Uhr, Rückgabe zwischen 16.30 und 18.30 Uhr. Info: www.highbike-paznaun.com.

FUHRPARK Zur Auswahl stehen bei High Bike im Paznaun derzeit rund 40 aktuelle Modelle von BMW (u.a. F-Baureihe, 1200er Boxer, K 1300 S und R sowie K 1600 GTL), Ducati (Monster, Multi­strada und Hypermotard), KTM (690er und 990er) und Triumph (u.a. Tiger 800 und 1050, Thunderbird, Street und Speed Triple, Sprint, Bonneville und Scrambler). Dazu Motorradbekleidung (Rukka, Daytona) und Helme (Schuberth).

AUSKUNFT Tourismusverband Paznaun-Ischgl, Dorfstr. 43, A-6561 Ischgl, Tel. 0043/50990/100, www.paznaun-ischgl.com.

 

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