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Energie tanken für die nächste Runde: Am Nachmittag erholen sich viele Touristen im Schatten von der Partynacht zuvor.

Mykonos - Party bis zum Sonnenaufgang

Die Strände von Mykonos gehören zu den schönsten der Kykladen. Abends tanzen sich dort unter freiem Himmel Partyhungrige aus aller Welt in Trance - bis zum Sonnenaufgang.

Es ist früher Sonntagmorgen, und die Chora, die Altstadt von Mykonos, ist wie ausgestorben. Die ersten Sonnenstrahlen lassen die schneeweißen Häuser mit den bunten Fensterläden leuchten, die wie verschachtelte Würfel in die kargen Berghänge gesteckt sind. Die gepflasterten Gassen sind oft gerade so breit, dass ein bepackter Esel hindurch passt.

Reiseführer-Idylle: Außerhalb der Hochsaison ist Mykonos fast so beschaulich wie früher - und auch am Morgen, wenn die Partytouristen noch schlafen.

Auch als um halb neun die Glocken der kleinen Panachrou-Kirche zum Gottesdienst rufen, gehen nur wenig ältere Griechen zum Gottesdienst, ganz in Schwarz gekleidet. Den Grund für die Leere findet man vor den Eingängen der Bars und Clubs. Die Stapel von Bier- und Schnapskisten, die Kleinlaster herankarren, lassen erahnen, wie viele Drinks in der vergangenen Nacht gekippt wurden.

Um die Mittagszeit stellen Kellner in den Restaurants und Cafés Tische und Stühle auf die Terrassen, denen Weinranken Schatten spenden. Spätestens bis zum frühen Nachmittag muss alles bereit sein. Dann wachen die Partygänger auf und überfluten die engen Gassen.

Am Strand von Agios Ioannis dem Trubel entfliehen

Die schönsten Strände von Mykonos liegen an der Südküste. Mit ihrem klaren, türkisfarbenen Wasser gehören sie zu den besten der Kykladen. Urlauber erreichen sie per Mietwagen oder Linienbus.

Besonders hoch im Kurs steht der rund 500 Meter lange “Paradise Beach“ mit Beach Club, Restaurants und Wassersportstation. Eine Bucht weiter hat man noch einen drauf gesetzt: Hier räkeln sich die Urlauber am “Super Paradise Beach“. In der Hochsaison zählt er zu den überlaufensten Stränden. Man liegt dicht an dicht auf Liegen.

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Am Abend zeigen die beiden Strände ihr zweites Gesicht. Bier, Champagner und Wodka fließen in Strömen, bis zum frühen Morgen wummern aus den Boxen die Bässe. Partyhungrige aus aller Welt tanzen sich unter freiem Himmel in Trance. In den Clubs und Diskotheken von Mykonos Stadt füllen sich die Tanzflächen ab 1.00 Uhr. Erst wenn die Sonne aufgeht, wird die Party unterbrochen - bis zum nächsten Abend.

Doch Mykonos lockt auch zahlreiche Künstler an, wie Monika Derpapas. Zusammen mit ihrem Partner betreibt sie eine Galerie. Die Künstlerin kam schon 1968 aus Dresden auf die Insel. “Damals war Mykonos noch ein unberührtes Paradies“, erinnert sie sich.

Kitsch und Kunst: In den engen Gassen von Mykonos finden Urlauber beides.

Im Schlepptau von Aristoteles Onassis, der in den 50er Jahren die Insel für sich entdeckte, fuhren auch viele reiche Athener mit ihren Jachten nach Mykonos und genossen das einfache Leben. Elizabeth Taylor pflegte eine heimliche Liaison mit einem Tavernenbesitzer und schwärmte vom Zauber der verwinkelten Gassen der Chora.

Doch der Glamour war nicht von Dauer. In den 80ern und 90ern blieb die Society der Insel fern - dafür kamen mit besseren Fährverbindungen und Charterflugzeugen Rucksacktouristen. Erst als Ende der 90er Jahre vermehrt homosexuelle Urlauber nach Mykonos strömten, eröffneten schicke Design- und Boutiquehotels, Privatvillen entstanden, Clubs, Lounges und jede Menge Designerläden.

“Sie müssen einfach die Sommermonate Juli und August mit ihrem Trubel meiden und in der Vor- oder Nachsaison kommen“, rät Monika Derpapas. “Dann ist es fast wieder so wie einst, und die Preise sind auch deutlich niedriger.“ Für Urlauber, die Ruhe suchen, empfiehlt sie den Strand von Agios Ioannis. Tavernen bieten preiswerte Kost, und am Abend sieht man die Sonne hinter Delos untergehen.

Laut der griechischen Mythologie wurde Apollon auf Mykonos geboren, der griechische Gott der Künste. Noch immer zeugen zahlreiche Überreste von Tempeln, Theatern und anderen Gebäuden vom antiken Götterkult. Heute würde Dionysos als Patron besser passen.

Detlef Berg, dpa

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