Nach Germanwings-Absturz

Viele Airlines ändern Sicherheitsrichtlinien

Berlin - Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich ziehen die größten deutschen Fluggesellschaften Konsequenzen und wollen die Zwei-Personen-Regel im Cockpit einführen.

Update vom 27. März 2015: Bundespräsident Joachim Gauck wird am Freitag in der westfälischen Gemeinde Haltern am See erwartet. Die Schülergruppe, die bei dem Germanwings-Unglück ums Leben kam, stammte von dort. Verfolgen Sie die weiteren Entwicklungen im Ticker.

Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich ziehen die größten deutschen Fluggesellschaften Konsequenzen und wollen die Zwei-Personen-Regel im Cockpit einführen. Künftig soll sich kein Pilot während des Fluges mehr allein im Cockpit aufhalten dürfen, wie Matthias von Randow, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstagabend sagte.

Am Freitag solle die neue Zwei-Personen-Regelung mit dem Luftfahrt-Bundesamt besprochen werden, kündigte er an. Die Airlines wollen das neue Vorgehen unverzüglich umsetzen.

Das betreffe etwa den Lufthansa-Konzern mit Germanwings, Air Berlin, Condor und TuiFly. Darauf habe sich der Verband mit den Mitglieds-Airlines am Donnerstag nach den jüngsten Erkenntnissen zum Absturz in Südfrankreich verständigt.

Laut Ermittlern hat der Copilot des abgestürzten Germanwings-Flugzeugs mit 150 Menschen an Bord den Piloten ausgesperrt und die Maschine mit Absicht auf den Todeskurs gesteuert. Aus diesem Grund hat eine Diskussion über die Besetzung im Cockpit eingesetzt. So hatte Unionsfraktionsvize Arnold Vaatz alle Fluggesellschaften aufgefordert, freiwillig die Cockpit-Regeln zu verschärfen. „Ich bin dafür, dass künftig immer eine Person aus der Kabinencrew im Cockpit sein muss, während entweder der Pilot oder der Copilot das Cockpit verlässt“, sagte der auch für Verkehr zuständige CDU-Politiker der „Rheinischen Post“ (Freitag).

Vor dem Absturz in den südfranzösischen Alpen war der Pilot den Erkenntnissen zufolge zur Toilette gegangen und hatte seinem Kollegen das Steuer überlassen. Danach konnte er nicht mehr durch die automatisch verriegelte Kabinentür zurück in das Cockpit gelangen.

Neben den deutschen Airlines kündigten auch Fluggesellschaften wie Easyjet, Norwegian und Air Canada an, diese auch „Vier-Augen-Prinzip“ genannte Vorgehen im Cockpit einzuführen. „Ab sofort müssen immer zwei Leute im Cockpit sein“, sagte eine Sprecherin der norwegischen Fluglinie am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. „Das bedeutet, dass wenn einer der Piloten das Cockpit verlässt, etwa um auf Toilette zu gehen, eines der Crewmitglieder ins Cockpit gehen muss.“

In den USA und in Europa wird von Airlines das „Vier-Augen-Prinzip“ im Cockpit bereits teilweise umgesetzt. In Deutschland gelten entsprechenden Regelungen von Luftfahrtbehörden bislang nicht.

AFP

Rubriklistenbild: © dpa

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