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Pilot packt aus: "Hatte schon kritische Erlebnisse"

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Georg Fongern war 44 Jahre als Pilot für die Lufthansa tätig. Seit Kurzem ist der Familienvater im Ruhestand und berichtet über Höhen und Tiefen seiner Karriere als Kapitän.

Fast ein halbes Jahrhundert flog Georg Fongern als A340/A330 Kapitän um die ganze Welt. Seit April 2016 ist er im Ruhestand, wohnt in Oberaudorf im Kreis Rosenheim, ist verheiratet und hat drei Kinder.

"Ich bin Pilot geworden, um zu verreisen. Das ist auch das Beste an dem Job: Verreisen, unabhängig leben, Natur aus der Vogelperspektive erleben. Und Verantwortung tragen", sagt der 63-Jährige. "Aber auch der Umgang mit der Technik hat mich fasziniert." Die Entscheidung, Pilot zu werden, sei in dem Moment gefallen, als er in Hamburg die Aufnahmeprüfung bestanden hatte. "Zuvor war die Prüfung für mich eine schöne Abwechslung von meinem Ingenieursstudium in Aachen." Als eher lästig in seinem Beruf als Pilot beschreibt er dagegen die etlichen jährlich wiederkehrenden Prüfungen. "Sie müssen natürlich sein", ergänzt er. Fongern wurde schnell zum Piloten mit Leib und Seele: Neben seinem Beruf als Pilot war er lange Jahre für die Vereinigung Cockpit e.V. in verschiedenen Funktionen tätig. Zehn Jahre lang war er Pressesprecher der Vereinigung und beinahe zwölf Jahre lang Vizepräsident der IFALPA, dem Weltpilotenverband.

"Man weiß, dass man nur noch einen Versuch hat"

Richtig schlimme Momente gab es in seiner beruflichen Laufbahn nicht: "Ich hatte aber kritische Erlebnisse, die ich mit Hilfe meiner Crews und meiner persönlichen Erfahrung immer zu einem guten Ende führen konnte." An eine solche Situation erinnert sich Fongern zurück: "Man weiß, dass man nur noch einen Versuch hat, der auch gelingen muss. Die Destination – in meinem Falle Sao Paulo – schloss kurz vor der Landung die Landebahn. Ich flog den Ausweichflughafen an. Kurz vor der Landung verunglückte ein anderes Flugzeug auf der angeflogenen Bahn und der Ausweichflughafen wurde ebenfalls geschlossen. Nach zwölf Stunden Flugzeit ging dann auch langsam der Treibstoff zur Neige."

Schnelles Kopfrechnen sagte dem Piloten damals, dass Rio de Janeiro noch sicher zu erreichen war. "Aber nur ohne Umwege und der erste Anflug musste passen." So war es dann auch: Die Landung gelang. "Allerdings bekommt man feuchte Hände, wenn einem plötzlich alle zuvor gut geplanten Optionen ausgehen. So ist es immer wieder in der Fliegerei: Think the unthinkable." Grundsätzlich seien Situationen immer nur dann gefährlich, wenn man unvorbereitet hineingerate und sie dann ohne Konzept zu lösen versuche.

Was so ziemlich jedem Piloten auf die Nerven geht

Die zunehmende "Überregulierung" gehe eigentlich jedem Piloten ziemlich auf die Nerven, so Fongern. "Auch das zunehmende Verkehrsaufkommen, was beinahe automatisch zu Verspätungen führt, die man nicht mehr aufholen kann." Die sicherlich notwendigen, intensiven Sicherheitskontrollen vor dem Besteigen des Flugzeuges und die nach langen Nachtflügen zermürbenden Einreise- und Zollkontrollen seien ebenso eine nervliche Belastung für jeden Piloten.

"Eine Landung erfordert höchste Aufmerksamkeit"

Wenn alles funktioniert und das Wetter mitspielt, würde eine Landung irgendwann eine Routinesache. "Da aber jeder Anflug – selbst am gleichen Flughafen – anders ist, Wind, Sicht, Niederschlag, Nebel und Turbulenzen sich jede Minute ändern können, dadurch das Flugzeug mal leichter, mal schwerer ist, erfordert jede Landung höchste Aufmerksamkeit beider Piloten", so Fongern.

Panikmache ist tabu

In Gefahrensituationen sei sachliche Kommunikation und eine für Laien verständliche Beschreibung des Problems sehr wichtig. "Das beruhigt erfahrungsgemäß die Passagiere und schafft Verständnis auch für unangenehme Situationen."

Piloten sind auch nur Menschen

Piloten seien ebenso mit Gefühlen ausgestattet wie jeder andere Mensch auch, erklärt der 63-Jährige. "Deshalb sind auch wir nicht frei von Emotionen. Jeder Mensch muss versuchen, sich mit den Gegebenheiten seines Berufes zu arrangieren." Er selbst habe in seiner 44-jährigen Laufbahn weder Langeweile noch übermäßiges Heimweh gehabt: "Das sollte man auch in dem Beruf nicht haben. Man lebt zwei Leben. Das eine ist das Privatleben mit allen Einschränkungen des sozialen Lebens durch häufige Abwesenheit. Das andere ist das Berufsleben." Wichtig sei, dass man die häuslichen oder privaten Probleme am Boden lasse und sich voll auf den anspruchsvollen Beruf konzentriere.

Georg Fongern habe immer gewollt, dass seine Flüge ein Erfolgserlebnis werden und sich seine Passagiere an Bord gut aufgehoben fühlen. "Mit Können, Erfahrung, Respekt, ein wenig Demut vor den Unwägbarkeiten des Geschehens und den Naturgewalten und in dem Wissen der eigenen Schwächen ist dies aber meist gelungen."

Das bedeutet die Geheimsprache der Stewardessen

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