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Fluggäste sind die Leidtragenden, wenn bei Airlines gestreikt wird (hier Feldbetten im Lufthansa-Terminal in München während des Streiks der Flugbegleiter im Jahr 2012).

Das müssen Sie wissen

Pilotenstreik: Ihre Rechte als Passagier

München - Nach zwei Jahren Verhandlungen wollen die Piloten der Lufthansa streiken. Noch steht nicht fest, wann sie in den Ausstand treten. Wir erklären, was Passagieren wissen müssen.

Nach zwei Jahren Verhandlungen wollen die Piloten der Lufthansa jetzt streiken. Noch steht nicht fest, wann die Flugkapitäne in den Ausstand treten. Jeder Streik wird aber mindestens 48 Stunden vorher angekündigt. Wir erklären, was Passagieren wissen müssen.

Kunden der Lufthansa müssen sich in den kommenden Wochen auf Streiks einrichten. In zwei getrennten Urabstimmungen sprachen sich jeweils sehr große Mehrheiten der Piloten für einen Arbeitskampf aus, wie die Gewerkschaft „Vereinigung Cockpit“ (VC) am Freitag in Frankfurt berichtete.

Einen genauen Termin nannte die Pilotengewerkschaft zunächst nicht. Lufthansa müsse sich ab sofort auf Arbeitskampfmaßnahmen einrichten, sagte VC-Tarifexpertin Ilona Ritter. Man werde jeden Streik mindestens 48 Stunden vorher ankündigen, um den Kunden Gelegenheit zum Umplanen zu geben. In den Osterferien soll nach bisherigen Plänen nicht gestreikt werden. „Termine kann man verschieben, die Ferien nicht“, sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg. Das könne sich aber im Fall einer aggressiven Reaktion der Lufthansa ändern.

-Welche Fluggesellschaften sind betroffen?

Betroffen von Streiks wären die Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings. Die Konzerntöchter Austrian Airlines und Swiss haben eigene Tarifverträge und wären nicht involviert.

-Worum geht es in dem Tarifkonflikt?

In dem verzwickten Tarifkonflikt geht es nicht nur um die nächste Gehaltserhöhung, sondern auch um Betriebsrenten und Übergangsregelungen, wenn Piloten vor dem Erreichen der Rentengrenze von 65 Jahren aufhören wollen. Die Tarifverhandlungen laufen bereits seit rund zwei Jahren ergebnislos. Zum Jahresende 2013 waren sie noch komplizierter geworden, weil die Lufthansa einseitig Verpflichtungen zu Betriebsrenten sowie zur Übergangsversorgung für Piloten und Flugbegleiter gekündigt hatte.

-Was verdienen Lufthansapiloten?

Lufthansa-Piloten gehören mit ihrem verantwortungsvollen Job zu den bestbezahlten Angestellten der Republik. Nach Unternehmensangaben steigen junge Flugoffiziere nach der zweijährigen, zum guten Teil selbstbezahlten Flugschule mit einem Grundgehalt von 55 500 Euro ein, das inklusive Zulagen für Schichtdienst und Flugstunden über das vereinbarte Maß hinaus ein Anfangsgehalt von rund 73 000 Euro ergeben kann. Nahezu jedes Jahr folgt nun nach dem sogenannten Senioritätsprinzip die nächste Gehaltsstufe. Nach derzeit 23 Schritten ist die oberste Kapitänsstufe mit einem Grundgehalt von 193 000 Euro erreicht, inklusive Zulagen können das dann mehr als 255 000 Euro brutto werden. In der nunmehr aufgekündigten Übergangsversorgung erhält ein Ex-Kapitän bis zur gesetzlichen Rente in der Regel bislang 124 000 Euro. Als Rentner sind dann 54 000 Euro Betriebsrente und 23 000 Euro gesetzliche Rente drin.

-Was passiert, wenn ich wegen eines Streiks am Flughafen gestrandet bin?

Der Veranstalter oder die Fluggesellschaft muss gestrandete Kunden betreuen. Die Leistungen gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung sind unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist. Passagiere haben Anspruch auf Essen und Getränke, meist erhalten sie dafür Gutscheine. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline oder der Veranstalter die Übernachtung in einem Hotel übernehmen.

-Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel?

Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen fordern. Urlauber sollten aber nicht aus Verärgerung ohne Rücksprache einfach ein Zugticket kaufen. Denn dann sei fraglich, ob die Fluggesellschaft die Kosten dafür erstattet, warnt Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. Ab der fünften Verspätungsstunde hat der Fluggast das Recht, sein Flugticket zurückzugeben und sich die Kosten erstatten zu lassen. Damit ist die Airline jedoch aus allen Pflichten entlassen.

-Was bedeutet Ersatzbeförderung genau?

Die Fluggesellschaft oder der Reiseveranstalter müssen ihre Passagiere schnellstmöglich ans Ziel bringen. Bei einem kürzeren Streik von nur wenigen Stunden kann es laut Degott reichen, zu warten, bis der Flugbetrieb wieder aufgenommen wird. Dauert der Ausstand länger, müssen die Airlines und Veranstalter die Kunden zum Beispiel mit der Bahn oder Bus zu anderen Flughäfen bringen und von dort aus zum Reiseziel.

-Habe ich Anspruch auf eine Entschädigung?

Normalerweise steht Reisenden bei einem Flugausfall oder massiven Verspätungen laut der EU-Fluggastrechteverordnung eine Ausgleichszahlung zu. Das gilt jedoch nicht, wenn höhere Gewalt vorliegt. Das ist laut Bundesgerichtshof bei Streiks der Fall. Eine Ausnahme: Der Passagier kann nachweisen, dass die Fluggesellschaft nicht alles getan hat, um die Streikfolgen abzumildern.

-Wie sieht es bei einer Pauschalreise aus?

Bei einer Pauschalreise ist die Rechtslage laut Degott etwas anders. Hier stellt sich nur die Frage, ob der Veranstalter seine Leistungspflichten erfüllt hat. Die Gründe, warum dagegen verstoßen wird, spielen keine Rolle. Sitzen Reisende zum Beispiel zwei Tage am Flughafen fest, statt am Strand zu liegen, können sie den Reisepreis entsprechend mindern. Handelt es sich um eine Kurzreise, können sie sogar von der Reise kostenlos zurücktreten und den Reisepreis zurückfordern. Schadenersatz wegen vertaner Urlaubszeit gibt es jedoch nicht.

-Haben Lufthansa-Piloten schon oft gestreikt?

Nein. Im Mai 2001 kam es zu einem mehrtägigen Arbeitskampf, an dessen Ende der erste Tarifvertrag für die Pilotenvertretung stand. Seitdem haben die Piloten der Lufthansa genau einen weiteren Tag gestreikt: Am 22. Februar 2010. Der damals auf vier Tage ausgerufene Ausstand wurde jedoch schon nach einem Tag abgebrochen, weil sich beide Seiten auf neue Verhandlungen verständigten.

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